Garantieschmelze, Kommentar zu Lebensversicherungen von Antje Kullrich

Frankfurt (ots) - Mit einer vergleichsweise geringfügigen Produktanpassung hat

die Allianz ein Fanal für die Branche gesetzt. Der Branchenprimus verspricht

seinen Kunden für seine wichtigsten Privatkundenprodukte keine volle Garantie

ihrer Beiträge mehr, sondern nur noch maximal 90 Prozent.

Der Schritt kommt eigentlich nicht überraschend. Im epochalen Zinstief kommt

jede Garantie Versicherer und Kunden teuer zu stehen. Die Anbieter müssen für

Garantieprodukte erhebliche Mengen an Eigenmitteln vorhalten, den Kunden

entgehen Renditepunkte, weil der Versicherer in der Kapitalanlage

eingeschränkter ist. Die Steigerung des Risikos für die Kunden ist überschaubar,

da ohnehin auch bei 100 Prozent Beitragsgarantie nach 30 Jahren Vertragslaufzeit

ein erheblicher Kaufkraftverlust zu Buche schlägt, wenn tatsächlich am Ende nur

die eingezahlten Beiträge ausgezahlt würden. Es ist also eher eine

psychologische als eine rational-ökonomische Hürde, unter 100 Prozent zu gehen.

Die Allianz ist nicht der erste Lebensversicherer, der von der vollen

Beitragsgarantie abrückt, doch jetzt dürfte sich die Entwicklung im Markt

beschleunigen. Viele Wettbewerber orientieren sich an der Marktführerin, deren

Dominanz in der Lebensversicherung in den vergangenen Jahren immer größer

geworden ist. Die Garantien in der Lebensversicherung dürften weiter schmelzen

wie das Eis auf Grönland.

Die Ankündigung der Allianz hat jedoch auch eine politische Dimension. Sie

bereitet den Boden für die Forderung der Branche, auch bei den staatlich

geförderten Riester-Renten die Zinsrealität zu berücksichtigen und das

Garantie-Niveau zu senken. Der Gesamtverband der Deutschen

Versicherungswirtschaft (GDV) griff die Steilvorlage denn auch gleich auf. Der

Zeitpunkt ist gut gewählt. Denn im Bundesfinanzministerium wird derzeit an einem

Referentenentwurf für die seit Jahren diskutierte Reform der Riester-Rente

gearbeitet.

Trotz des forcierten Drucks dürfte die Branche eine Lockerung der

Bruttobeitragsgarantie jedoch nicht so einfach durchsetzen können. Denn der

jahrzehntelang kultivierte Hang zur Garantie ist den Deutschen nicht so schnell

auszureden. So hat der Gesetzgeber mit dem Sozialpartnermodell in der

betrieblichen Altersvorsorge zwar die Voraussetzungen für Betriebsrenten ohne

Garantie, die dafür höhere Renditechancen bieten, geschaffen. Doch die

Tarifpartner zögern. Einen großen Tarifabschluss dazu gab es noch nicht - obwohl

die Möglichkeit seit fast drei Jahren besteht.

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