In der Klemme / Kommentar zum Britischen Pfund von Wolf Brandes

Frankfurt (ots) - Das war offensichtlich nicht das, was sich die Märkte von der

Band of England (BoE) erhofft hatten. Die britische Notenbank hat gestern ihre

Geldpolitik bestätigt und weitere Lockerungen in Aussicht gestellt. Das Volumen

der Wertpapierkäufe ist unverändert, wie die BoE mitteilte. Und auch beim

Leitzins tat sich nichts, er bleibt auf einem Rekordtief von 0,1%. Damit hat die

BoE ihr Zinspulver trockengehalten. Volkswirte hatten damit gerechnet, doch die

Märkte waren enttäuscht und straften das Pfund ab.

Die britische Währung fiel unmittelbar nach der Entscheidung zum Dollar um 0,7%

auf ein Tagestief - und lief dann wieder nach oben. Ähnlich war die

Kursentwicklung des Euro zum Dollar am selben Tag - um Stunden zeitversetzt. Die

Entscheidung der US-Notenbank, die Nullzinspolitik weitere drei Jahre

fortzuschreiben, war auch keine Überraschung. Doch angesichts der verhaltenen

Aussagen von Fed-Chef Powell zum Wachstum reagierten die Händler nervös. Der

Euro kam heftig unter Druck und stürzte innerhalb von 24 Stunden um etwa 1% ab.

Das sind bemerkenswerte Intraday-Bewegungen.

Wie nervös die Forex-Märkte sind, zeigt die längerfristige Betrachtung des

Kabels - so der Spitzname für das Währungspaar Pfund gegen Dollar. Während in

den vergangenen Monaten die beiden im Vergleich zum Euro relativ parallel

liefen, kam es seit August zu Abweichungen. Ende August koppelte sich das Pfund

ab und schoss in die Höhe - um im September relativ zum Dollar wieder weit

zurückzufallen. Solche Turbulenzen sind Achterbahnfahrten für Investoren und die

Wirtschaft.

Dass die Unsicherheit beim Pfund besonders groß ist, liegt wenig überraschend am

Brexit-Thema. Da sich die Beziehungen zwischen UK und der EU verhärtet haben,

droht ein Ausscheiden ohne ein Handelsabkommen. Auch aus Sicht der BoE ist das

die Hauptgefahr - die dazu führt, dass die Bank verstärkt über negative Zinsen

nachdenkt. Da die Märkte auf Jahressicht eine Zinssenkung um 15 Basispunkte

einpreisen, sind die Nullzinsen eigentlich ausgemacht - sicher ist das aber

nicht. Im Fall von irgendeiner Form der Annäherung an die EU sieht es für das

Pfund gleich ganz anders aus.

Schuld an den starken Pfund-Schwankungen ist aber nicht nur das Brexit-Chaos,

sondern auch die Verunsicherungen durch die Coronakrise mit steigenden

Infektionszahlen und Risiken am Arbeitsmarkt. So wundert es nicht, dass

Analysten meinen, das Pfund könnte "sehr tief" fallen. Davon kann beim Euro

übrigens keine Rede sein.

(Börsen-Zeitung, 18.09.2020)

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