Klare Signale, Kommentar zur US-Notenbank von Kai Johannsen

Frankfurt (ots) - 50 Basispunkte! Die US-Notenbank erhöht den Leitzins um einen

halben Prozentpunkt - in dieser Größenordnung erfolgte dies zuletzt im Mai vor

22 Jahren, seitdem gab es immer nur die allseits bekannten Trippelschritte um 25

Basispunkte. Das sind nun klare Signale.

Wenn die Fed um 50 Basispunkte erhöht, zeigt sie, dass sie es ernst meint mit

dem Kampf gegen die Inflation, ansonsten hätte sie ja "nur" um 25 Basispunkte

angehoben. Das ist das eine Signal. Ein zweites Signal ist, dass die Fed bisher

wohl doch zu zaghaft gewesen ist, die Inflationsentwicklung womöglich

unterschätzt hat, zu sehr auf ein temporäres Phänomen der Teuerungsentwicklung

gesetzt oder vermutlich auch gehofft hat. Insofern darf die Erhöhung des

US-Leitzinses als gewisse Kehrtwende in der Lageeinschätzung verstanden werden.

Ob diese Kehrtwende zu einer nun stärkeren Straffung der geldpolitischen Zügel

richtig ist, wird sich erst zeigen. Die Entscheidung ist auf jeden Fall Wasser

auf die Mühlen all derjenigen, die sowieso seit Wochen und Monaten eine

schärfere Gangart der Notenbanker dies- und jenseits des Atlantiks fordern.

Und wie so oft im Leben gibt es ein Aber. So sehr wie dieser US-Zinsschritt die

Befürworter in ihrer Argumentation, dass die Notenbanken im Kampf gegen die

Inflation handeln müssen, unterstützt, so sehr liefert der Schritt auch

Argumentationshilfe für die Gegenpartei der Konjunkturpessimisten.

Und in diesem Zusammenhang lohnt ein Blick auf die Entwicklungen am Bondmarkt.

Monatelang - angefangen in der Pandemie und später während des gerade

aufgekommenen Ukraine-Krieges - haben die Bondrenditen angezogen. Die

zehnjährige Bundrendite hat ja gerade erst in dieser Woche erstmals seit sieben

Jahren wieder das Niveau von 1 % erreicht. Inflationssorgen waren der Treiber.

Mehr und mehr werden diese Sorgen im Bondhandel aber von Konjunkturpessimismus

aufgrund des Ukraine-Krieges abgelöst. Die konjunkturellen Kriegsauswirkungen

sind natürlich zuerst für Europa spürbar und erst nachgelagert für die USA. Der

Markt preist aber zunehmend eine Rezession ein, für Europa und auch für die

US-Wirtschaft. Abzulesen ist dies an den zwischenzeitlich invertierten

Zinskurven für die USA und der enorm flach gewordenen Kurve der Bundesanleihen,

die Rezessionen bzw. konjunkturelle Abschwächungen in der Vergangenheit

signalisierten. Und genau diese Tendenzen könnten durch eine scharfe Gangart,

wie sie jetzt von der Fed eingeschlagen wurde, noch verschärft werden. Die

unangenehme Kehrseite der Inflationsbekämpfung.

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