Markt versus Strategie, Kommentar zu Deutschen Bank von Bernd

Neubacher

Frankfurt (ots) - Vor nicht allzu langer Zeit meldete mancher Markt­beobachter

handfeste Zweifel an, ob die Deutsche Bank noch einmal die Kurve bekommen werde.

Ende 2020 steht das Haus zwar nicht gerade pumperl­gesund da - nach fünf Jahren

mit teils horrenden Verlusten traut sich das Management selbst Mitte Dezember

angesichts eines Nettogewinns von 435 Mill. Euro nach neun Monaten nicht zu, für

den laufenden Turnus einen Gewinn anzukündigen. Auch angesichts der Pandemie

aber hält sich das Institut sehr beachtlich.

Wenn es nun in der Bank heißt, die in der Krise anschwellenden

Investment-Banking-Aktivitäten gingen nicht nur auf episodische Transaktionen,

sondern auf nachhaltiges Kundengeschäft zurück, bestätigt sich aufs Neue die aus

den USA überlieferte Weisheit: "A franchise is hard to kill." Das bei Kunden und

am Markt wiedergewonnene Vertrauen dürfen sich Konzernchef Christian Sewing und

Finanzvorstand James von Moltke als Verdienst ans Revers heften­.

Das Problem ist halt: Die Bank macht zwar in von ihr kon­trol­lier­­baren

Disziplinen wie Kostensenkungen und Altlastenabbau fleißig Häkchen, das Umfeld

aber konterkariert die Strategie, sich als Unternehmerbank zu gerieren und sich

"stabilere und vorhersehbarere Erträge" auf die Fahnen zu schreiben. Den

Pro­gno­sen zufolge dürfte 2022 gut jeder dritte eingenommene Euro aus dem

wieder florierenden Investment Banking stammen, das damit zur ertragsstärksten

Sparte würde.

Sicher: Eine Commerzbank wäre glücklich, könnte sie mit Hilfe weiträumiger

Kapitalmarktaktivitäten die Verheerungen im hoch zinsabhängigen Corporate

Banking und Retail-Geschäft ausgleichen. Hätte die Deutsche Bank das Investment

Banking nicht, dürften ihre strategischen Ziele längst wackeln. Zur Wahrheit

gehört aber auch, dass damit die Erträge strukturell volatil sind und die von

der Bank ausgehenden systemischen Risiken tendenziell hoch bleiben. Dass solch

ein Haus, dem intern nach wie vor von der deutschen und der US-Aufsicht

eingesetzte Kontrolleure auf die Finger schauen, für rund 30 Prozent der

Bankenabgaben des gesamten deutschen Bankensektors aufkommt, darf nicht

verwundern.

Der laut Sewing deutlich verbesserten Stimmung unter den Mitarbeitern wird dies

kaum Ab­bruch tun. Selbst falls 2020 den sechsten Verlust hintereinander bringen

sollte: Boni in Milliardenumfang dürften wieder drin sein. Begründungen, das hat

die Vergangenheit gelehrt, finden sich immer. Angesichts des Er­folgs der

Investmentbank drängen sie sich geradezu auf.

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