Neobroker im Visier, Kommentar von Björn Godenrath zur Regulierung

durch die ESMA

Frankfurt (ots) - Es kam nicht von ungefähr, dass der US-Neobroker Robinhood

Ende Juni einer Strafzahlung von 70 Mill. Dollar zustimmte. Das Start-up will an

die Börse, dafür müssen Rechtsstreitigkeiten mit der Börsenaufsicht SEC vom

Tisch. Verdonnert wurde das Unternehmen vor allem dafür, dass es Privatanleger

gezielt in den Kauf von Hebelprodukten getrieben hatte, für welche diese aber

gar nicht qualifiziert sind. Und Robinhood ist ein Wiederholungstäter: Mitte

Dezember musste das Unternehmen gut 34 Mill. Dollar an Anleger zurückzahlen.

Diese Summe war an zusätzlichen Transaktionskosten aufgelaufen, da Robinhood zum

Nachteil ihrer Kunden Modalitäten mit dem Marketmaker vereinbart hatte, die zwar

die Rückvergütung für den Broker optimierten, aber auf Kosten der

Handelsausführung.

Die Welt der Neobroker ist wild, inmitten des von jungen Investoren angefachten

Trading-Booms werden sie mit Aufträgen überrollt, so dass die Handelssysteme

ächzen und krächzen. Dabei hat das Modell des Payment for Order Flow wunderbare

Dienste geleistet, um Anfängern mit kleinem Portemonnaie, aber großem Smartphone

den Weg zum Wertpapier-Investment zu bereiten. Denn wer mit 1 Euro

Kostenpauschale pro Trade dabei ist, der ist eher bereit, spontan Aktien zu

kaufen, als wenn ihm oder ihr gleich mal 10 Euro abgeknöpft werden. Doch während

es okay ist, Eintrittshürden zu senken, darf keinesfalls der Eindruck erweckt

werden, hier wäre etwas gratis, wenn an anderer Stelle eben doch draufgesattelt

wird.

Genau das will die ESMA nun für den Verbraucherschutz genauer überprüft haben:

Sind die Rückvergütungen abgewägt mit zusätzlichen Transaktionskosten auf

außerbörslichen Plattformen wirklich im Interesse des Kunden? Und erhalten die

Kunden immer Best Execution? Für all das wird es Antworten geben, denn es liegen

Daten vor, die dokumentieren, was passiert ist. Von daher gibt sich ein

maßgeblicher Neobroker im Hintergrund sehr entspannt und begrüßt die

ESMA-Initiative als gut und richtig. Man könne belegen, dass im Schnitt deutlich

besser als Xetra quotiert werde.

Das werden die aufsichtlichen Überprüfungen hoffentlich in solcher Klarheit

bestätigen, so dass alle Kritiker verstummen - die Neobroker und ihre Feinde

sind noch mal ein eigenes Kapitel. Aus Sicht der Privatanleger wäre es ein

Jammer, wenn zusätzliche Auflagen Mifid-konforme Neobroker bremsen und damit das

gerade in Schwung gekommene Aktiensparen abgewürgt würde. Anlegerschutz und

Aktieninvestment lassen sich unter einen Hut kriegen.

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