Von der Schippe gesprungen, Kommentar zum Hedgefonds Archegos und den

Banken von Anna Sleegers

Frankfurt (ots) - Erst Greensill, dann Archegos: Innerhalb kürzester Zeit ist

das Schweizer Geldhaus Credit Suisse mit Geschäften auf die Nase gefallen, die

man im Ökonomie-Lehrbuch unter dem Stichwort volkswirtschaftliche Aufgaben der

Banken vergeblich suchen dürfte. Auf der in Zeiten niedriger und negativer

Zinsen immer schwierigeren Jagd nach Rendite hat sich Credit Suisse offenbar auf

Geschäfte mit einem weitgehend unbekannten Hedgefonds eingelassen, mit einem

Schuldenhebel, wie man ihn eigentlich nur aus den Zeiten vor der Finanzkrise

kennt.

Über die Details der Geschäfte von Archegos Capital ist wenig Belastbares

bekannt. Was am Markt dazu kolportiert wird, ist allerdings besorgniserregend.

Demnach soll der Hedgefonds auf der einen Seite mit eigenen Mitteln von 10 Mrd.

Dollar agiert, auf der anderen Seite laut übereinstimmenden Medienberichten

hingegen allein in der vergangenen Woche Aktienpositionen in Höhe von 30 Mrd.

Dollar liquidiert haben. Dabei dürfte es sich um ausschließlich als Sicherheit

bei Prime Broker hinterlegte Aktien gehandelt haben. Je nachdem, wie hoch die

vertraglich vereinbarten Sicherheitsleistungen waren, kommt man da auf einen

mehr als stattlichen Hebel. Nicht direkt mit dem Deal befasste Marktteilnehmer

halten es für denkbar, dass die Geschäfte dank der Risikofreude der beteiligten

Banken um das Fünf- bis Sechsfache gehebelt waren.

Auch wenn sich abzeichnet, das es am Ende vor allem Credit Suisse und Nomura

sind, die den Schwarzen Peter bekommen haben, waren sie nicht die einzigen, die

sich auf das Geschäft mit Archegos Capital Management einließen. Zwar äußern

sich die meisten involvierten Institute bestenfalls andeutungsweise zu

Einzelengagements, doch wie sich herauskristallisiert, war neben den US-Banken

Goldman Sachs und Morgan Stanley auch ein hiesiges Institut als Prime Broker

beteiligt, das sich seit einiger Zeit lieber als kreuzbraver Finanzier des

gehobenen Mittelstands geriert: die Deutsche Bank.

Die letzte hierzulande verbliebene Bank von Weltruf an den Kapitalmärkten kann

von Glück reden, dass sie sich im Gegensatz zu Credit Suisse und Nomura

rechtzeitig und, wie sie auf Anfrage mitteilt, wohl auch ohne Verlust aus der

Nummer herausziehen konnte, bevor sie das Archegos-Geschäft ihrer konzerneigenen

Capital Release Unit zuschlagen musste. Die Entscheidung für den Verkauf des

Prime Brokerage, das zum Jahresende an BNP Paribas geht, erscheint in diesem

Licht als goldrichtig.

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