Keine Panzer in grüne Fonds, Kommentar zur Rüstungsindustrie von Jan

Schrader

Frankfurt (ots) - Die Börse ist nicht zimperlich. Wenn sich Waffengeschäfte

lohnen, zeigen die Kurse der Rüstungsbranche aufwärts. Das lässt sich seit

Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine rund um die Welt beobachten -

und es zeigt sich auch jetzt. Kaum sickerte durch, dass Berlin Kampfpanzer des

Typs Leopard 2 liefert und verbündeten Staaten grünes Licht dafür erteilt, stieg

die Aktie des Herstellers Rheinmetall. Am Mittwochmorgen kletterte der Titel auf

ein Allzeithoch von 232,00 Euro.

Doch die Zeitenwende beschränkt sich im Investmentmanagement nicht auf steigende

Kurse diverser Rüstungstitel. Mittlerweile taucht die Frage auf, ob

Rüstungstitel vielleicht doch einen Platz in nachhaltigen Fonds verdient haben.

Schwere Waffen, so lautet die Logik, sind nicht per se verwerflich, sondern

häufig leider notwendig. Demokratien müssen wehrfähig sein. Krieg aus

Verteidigungsgründen ist legitim. Abschreckung ist ein mitunter notwendiges

Mittel für Frieden. Ergo: Eine Aktie einer Rüstungsfirma im Depot kann mit

ethischen Prinzipien vereinbar sein.

Diese Haltung ist nachvollziehbar. Doch sie wird der Tragweite der Debatte nicht

gerecht. Das zeigt auch die Panzer-Entscheidung. Zwar gibt es für die Lieferung

gute Gründe. Russland führt einen brutalen und unrechtmäßigen Krieg und schreckt

vor Mord und Folter nicht zurück. Das Signal an Moskau sollte sein, dass es den

Krieg nicht gewinnen kann. Doch zur Debatte gehört auch, dass die Folgen der

Entscheidung schwer absehbar sind. Immerhin wendet sich die Allianz westlicher

Länder gegen einen Staat, der skrupellos agiert und mit Atomschlägen droht.

Ohnehin ist Krieg immer verstörend. Auch Waffen, die zur Verteidigung eingesetzt

werden, töten Menschen. Die Produktion von Rüstungsgütern mag notwendig sein.

Unproblematisch ist sie aber nicht.

Der Erwerb von Rüstungstiteln von ESG-Fonds ist daher heikel. Man mag sich ein

verantwortungsvolles Fondsmanagement vorstellen, das Rüstungskonzerne kritisch

und in guter Absicht begleitet. Aber welche Fondsgesellschaft und welcher

Investor würde ein solches Investmentvehikel ernsthaft als nachhaltiges Geschäft

anpreisen? Das Produktversprechen, aus Rüstungsgeschäft Profit zu ziehen und

gleichzeitig ein verantwortungsbewusster Begleiter der Unternehmen zu sein,

lässt sich kaum glaubwürdig vermitteln.

Natürlich sind auch andere Geschäfte problematisch. Kohleförderer,

Atomkraftbetreiber, Massentierhalter, Tabakriesen, Bergbaufirmen und viele mehr

verdienen stets einen kritischen Blick und gehören womöglich nicht in

nachhaltige Fonds. Die Gefahr von Zwangsarbeit in den fernen Gliedern einer

Lieferkette ist für viele Branchen ein Problem, ebenso der Ressourcenverbrauch

moderner Ökonomien. Nachhaltigkeit ist ein weites Feld, der Ermessensspielraum

ist groß und die Rolle der Fonds unklar. Das prägt die Debatte.

Doch Fragen rund um Krieg wiegen bei alledem besonders schwer. Waffen sind oft

genug ein notwendiges Übel - doch sie bleiben stets ein Übel. Das Prinzip "Do No

Significant Harm", das in der nachhaltigen Kapitalanlage einen hohen Stellenwert

genießt, verträgt sich jedenfalls nicht mit Rüstungsgütern. Die Hersteller

müssen also damit leben, dass sie umstritten sind. Das Etikett der

Nachhaltigkeit ist nicht für sie bestimmt.

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung

Redaktion

Telefon: 069-2732-0

www.boersen-zeitung.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30377/5425683

OTS: Börsen-Zeitung