Geschäftsjahr 2021: Genossenschaftsbanken wachsen im Kundengeschäft

deutlich / Hohe Resilienz im bedrückenden Umfeld des Ukraine-Krieges

Frankfurt/Main (ots) - Die 772 deutschen Genossenschaftsbanken konnten in einem

von vielfältigen Belastungen geprägten Geschäftsjahr 2021 dank eines lebhaften

Kundengeschäfts ein solides Ergebnis erwirtschaften. Wachstum bei Krediten,

Einlagen und im Vermittlungsgeschäft haben zu einem Jahresüberschuss vor Steuern

von 7,7 Milliarden Euro geführt. Auch die Eigenkapitalbasis konnte weiter

gestärkt werden, was die Resilienz der Genossenschaftsbanken gegen mögliche

wirtschaftliche Belastungen weiter erhöht.

"Es fällt schwer, angesichts des Krieges die eigenen wirtschaftlichen Erfolge

des Geschäftsjahres 2021 hervorzuheben", sagt Marija Kolak, Präsidentin des

Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Die

wirtschaftliche Betroffenheit in Deutschland zu erörtern, könne nur ein

untergeordneter Faktor sein. Dennoch sei der Hinweis angebracht, dass die

unmittelbaren Folgen für die Genossenschaftsbanken sehr überschaubar seien.

Mit Blick auf die Auswirkungen des Ukraine-Krieges auf die Volkswirtschaft

rechnet der BVR in diesem Jahr infolge der stark gestiegenen Rohstoff- und

Energiepreise mit einem Anstieg der Verbraucherpreise in Deutschland um rund 5

Prozent im Jahresdurchschnitt und einem realen Wirtschaftswachstum von rund 2

Prozent. Kolak: "Mit einem Abschied von den Minuszinsen noch in diesem Jahr

würde die Europäische Zentralbank zeigen, dass sie der hohen Inflation

entschlossen entgegentritt." Die Frage solle nur noch sein wann und nicht ob.

"Die durch die Russland-Sanktionen unverschuldet in wirtschaftliche

Schwierigkeiten geratenen Firmen sollten zeitnah staatliche Hilfe erhalten",

fordert die BVR-Präsidentin. Diese könne - ähnlich wie bei der Coronakrise - mit

Förderkreditprogrammen der Förderkreditinstitute des Bundes und der Länder

geschehen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr konnten die Genossenschaftsbankenüber alle

Kundengruppen hinweg ihre Kreditbestände um 6,9 Prozent auf 710 Milliarden Euro

erhöhen. Der Marktanteil legte um 0,3 Prozentpunkte auf 17,9 Prozent zu. Im

Segment der Privatkunden erhöhten sich die Kredite um 6 Prozent auf 341

Milliarden Euro. Der Marktanteil legte um 0,1 Prozentpunkte auf 23,8 Prozent zu.

Der Bestand an Firmenkundenkrediten (einschließlich sonstiger Kunden) stieg um

7,6 Prozent auf 370 Milliarden Euro. Der Marktanteil wuchs hier sogar deutlicher

um 0,5 Prozentpunkte auf 22 Prozent.

Auf der Einlagenseite verzeichneten die Institute ebenfalls eine deutliche

Zunahme im Vergleich zum Vorjahr. Die Kundeneinlagen wuchsen um 5,4 Prozent auf

833 Milliarden Euro. Der Marktanteil stieg um 0,4 Prozentpunkte auf 19,5

Prozent.

Der Zinsüberschuss wuchs trotz des niedrigen Zinsumfeldes um 3 Prozent auf 16,5

Milliarden Euro. Der Provisionsüberschuss stieg um 5,7 Prozent auf 6 Milliarden

Euro. Neben dem Zahlungsverkehr hat sich vor allem das Vermittlungsgeschäft mit

den Unternehmen der genossenschaftlichen FinanzGruppe beachtlich entwickelt. Die

Provisionserträge aus dem Verbundgeschäft stiegen im Jahr 2021 um 15,6 Prozent

auf 2,8 Milliarden Euro. Die rege Nachfrage nach Wertpapieranlagen, insbesondere

nach Fondssparplänen der Union Investment, führte zu einem Anstieg der

verwahrten Wertpapierbestände bei den Genossenschaftsbanken um 20,7 Prozent.

Auch die Anzahl der geführten Depots stieg um 5,4 Prozent auf insgesamt 6,6

Millionen.

Die allgemeinen Verwaltungsaufwendungen stiegen im Jahr 2021 um 0,4 Prozent auf

15 Milliarden Euro. Dabei blieb der Personalaufwand mit 8,5 Milliarden Euro

unverändert. Die Aufwands-Ertrags-Relation im engeren Sinne (Cost-Income-Ratio)

verbesserte sich deutlich auf 66,5 Prozent nach 68,7 Prozent im Jahr 2020.

Das Teilbetriebsergebnis hat sich im Jahr 2021 um 11 Prozent auf 7,5 Milliarden

Euro erhöht. Das Betriebsergebnis nach Bewertung stieg um 20,2 Prozent auf 7,9

Milliarden Euro. Der Jahresüberschuss vor Steuern legte um 20,4 Prozent auf 7,7

Milliarden Euro zu. Die Steuern vom Einkommen und Ertrag haben 2,2 Milliarden

Euro betragen. Dem Fonds für allgemeine Bankrisiken wurden voraussichtlich 3,5

Milliarden Euro zugeführt. Nach Steuern bleibt damit ein Jahresüberschuss von

1,9 Milliarden Euro.

Die Eigenkapitalausstattung der Genossenschaftsbanken ist weiterhin solide. Die

regulatorischen Eigenmittel stiegen um 4,1 Milliarden Euro auf 102,5 Milliarden

Euro. Das Kernkapital wuchs um 5,1 Milliarden Euro auf 92,9 Milliarden Euro. Die

Kernkapitalquote sank aufgrund der starken Kreditausweitung leicht um 0,34

Prozentpunkte auf 15 Prozent. Die Gesamtkapitalquote betrug Ende 2021 16,6

Prozent, womit die regulatorischen Anforderungen deutlich übertroffen werden.

Die addierte Bilanzsumme der Genossenschaftsbanken erhöhte sich im Vergleich zum

Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent auf 1.145 Milliarden Euro. Die

durchschnittliche Bilanzsumme je Institut liegt aktuell bei gut 1,5 Milliarden

Euro.

Stabilität wichtiger denn je - Überlegungen zu EDIS fehl am Platz

Die bestehende Europäische Bankenunion sei das Fundament, das gerade in der

aktuellen Zeit die Stabilität der Banken sichert, so der BVR. Das bestehende

System der Einlegerentschädigung in der Europäischen Union (EU) sei effektiv,

störungsfrei und wirksam. Daher dürfe der Fokus bei den fortschreitenden

Überlegungen zu einer Weiterentwicklung der Bankenunion nicht mehr bei einer

Vergemeinschaftung der nationalen Einlagensicherungssysteme (EDIS) liegen.

Wichtig sei insbesondere, die mit der Pandemie und dem Ukraine-Krieg weiter

zunehmenden Risiken europäischer Banken deutlich zu reduzieren. "Es wird nun

Aufgabe der Koalition sein, ihre Haltung im Rahmen der weiteren Verhandlungen in

der EU konsequent einzubringen", so Kolak.

Nachhaltigkeit in allen Dimensionen

Aufgrund ihrer genossenschaftlichen Werte sehen sich die deutschen

Genossenschaftsbanken in einer besonderen Verantwortung für Nachhaltigkeit in

allen Dimensionen: Environment, Social und Governance. "Die individuellen

Wünsche der Kunden zur Nachhaltigkeit im Rahmen der Anlageberatung zu

berücksichtigen, sehen unsere Institute nicht als Pflicht, sondern als

gemeinsame Chance der Gestaltung", erläutert Kolak, warnt aber auch vor einem

"zu viel" an regulatorischen Vorgaben: "Es ist zweifelhaft, ob ein Kunde die

nach Sustainable Finance Offenlegungsverordnung, Taxonomie und MiFID

bereitzustellenden Produktinformationen überhaupt verarbeiten kann." Das

konterkariere zum Teil das nachvollziehbare und unterstützenswerte Ziel, für

Kunden mehr Transparenz zu schaffen.

Alle Unterlagen der Pressekonferenz (Reden, Präsentationen, Zahlen):

http://www.bvr.de/JahresPK

Pressekontakt:

Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)

Melanie Schmergal, Abteilungsleiterin Kommunikation und

Öffentlichkeitsarbeit / Pressesprecherin

Telefon: (030) 20 21-13 00, mailto:presse@bvr.de, http://www.bvr.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/40550/5177019

OTS: BVR Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenban

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