Air-Berlin-Verwalter erhält weniger Geld

Berlin (ots) - Insolvenzexperte Flöther zieht Vergütungsantrag über 22 Mio. Euro

zurück // Reaktion auf Entscheidung des Bundesgerichtshofs zu Honoraren in

Insolvenzverfahren

Bei der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin erhält Insolvenzverwalter Lucas

Flöther eine niedrigere Vergütung als bisher geplant. Wie ein Sprecher seiner

Kanzlei dem Wirtschaftsmagazin CAPITAL (Online-Ausgabe) bestätigte, hat Flöther

seinen Vergütungsantrag für seine Zeit als Sachwalter bei Air Berlin zwischen

August 2017 und Januar 2018 kürzlich zurückgezogen. Das zuständige Amtsgericht

hatte die Vergütung für den Sanierungsexperten und sein Team von 150

Mitarbeitern im Jahr 2019 auf rund 22 Mio. Euro plus Umsatzsteuer festgesetzt.

Nach der Aufhebung der Eigenverwaltung Anfang 2018 wurde Flöther bei Air Berlin

auch als Insolvenzverwalter bestellt. Dafür steht ihm eine weitere Vergütung zu.

Als Grund für den Rückzug des Vergütungsantrags für die gut fünfmonatige

Sachwaltung nach dem Insolvenzantrag im August 2017 nannte Flöthers Sprecher

einen Beschluss des Bundesgerichtshofes aus dem Juli 2021. Daraus hätten sich

"veränderte rechtliche Rahmenbedingungen" für die Vergütung von Sachwaltern und

Insolvenzverwaltern ergeben. Flöther werde nun bis zum Jahresende einen neuen

Antrag stellen, der den Vorgaben des Bundesgerichtshofes Rechnung trage, sagte

der Sprecher.

In dem Beschluss, der Mitte Oktober veröffentlicht wurde (Az. IX ZB 4/21), hatte

der BGH entschieden, dass eine besonders hohe Zahl an Gläubigern in einem

Verfahren nicht dazu führen dürfe, dass das Honorar des Insolvenzverwalters

höher ausfällt. Ein Passus in der insolvenzrechtlichen Vergütungsverordnung, der

Aufschläge nach der Anzahl der Gläubiger festlegt, sei bei juristischen Personen

wie Unternehmen "nicht anwendbar".

Von der Entscheidung des BGH betroffen sind neben Fluggesellschaften etwa auch

andere Unternehmen, bei denen im Fall einer Insolvenz oft mehrere Zehntausend

Gläubiger Forderungen anmelden, beispielsweise Strom- und Gasanbieter. Bei Air

Berlin waren es sogar 1,3 Millionen Gläubiger, die meisten von ihnen Fluggäste.

Bei den Fällen, die von den neuen Vorgaben des Bundesgerichtshofs betroffen

seien, handele es sich jedoch um eine "verhältnismäßig kleine Gruppe von

Verfahren", betonte Flöthers Sprecher. Daher rechne Flöther "nicht mit

nennenswerten Auswirkungen auf die Branche als Ganzes". Der

Airline-Sanierungsexperte aus Halle ist auch Sprecher des Gravenbrucher Kreises,

in dem sich Deutschlands führende Insolvenzverwalter zusammengeschlossen haben.

Gegen die Festsetzung der Vergütung für die gut fünfmonatige Sachwaltung bei Air

Berlin hatten der Rechtsdienstleister Airdeal und ein Kleingläubiger 2019

Beschwerde eingelegt. Der Düsseldorfer Sanierungs- und Insolvenzexperte Martin

Lambrecht, der beide in dem Verfahren vertreten hatte, begrüßte die Vorgaben des

BGH. "Insolvenzverwalter sollen für gute Arbeit auch gut verdienen. Aber es muss

ein gesundes Maß geben", sagte Lambrecht Capital. Bei der Vergütung der

Verwalter, die aus der Insolvenzmasse bezahlt wird, gehe es aus seiner Sicht

auch um eine Frage der Wirtschaftsethik.

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