Adidas-Hauptversammlung: Kosten der Krise sozialisiert, Gewinne

privatisiert

Münster/Köln (ots) - Adidas soll auf die Auszahlung von Dividenden aus dem

Krisenjahr 2020 verzichten. Das fordert der Dachverband der Kritischen

Aktionärinnen und Aktionäre gemeinsam mit der Christlichen Initiative Romero

(CIR) auf der Hauptversammlung des Konzerns am Mittwoch, 12. Mai 2021. Grund:

Der Bilanzgewinn wurde unter anderem durch staatliche Corona-Hilfen und auf

Kosten der Arbeiter*innen - auch im globalen Süden - erzielt.

Obwohl Adidas massiv von Staatshilfen zur Bewältigung der Folgen der

Corona-Pandemie profitiert hat, schlagen Vorstand und Aufsichtsrat vor, eine

höhere Dividende auszuschütten als in den Jahren 1999-2017.

Dies halten die zivilgesellschaftlichen Organisationen CIR und Kritische

Aktionärinnen und Aktionäre für absolut ungerechtfertigt. Zwar hat Adidas die

500 Millionen Euro Überbrückungskredit der staatlichen KfW-Bank zurückgezahlt,

doch problematisch ist das in 2020 in Anspruch genommene Kurzarbeitergeld. So

tragen vor allem die Beschäftigten von Adidas und die Gesellschaft maßgeblich

dazu bei, dass überhaupt eine Dividende gezahlt werden kann. Denn: Das

Kurzarbeitergeld ist seit 2020 de facto steuerfinanziert und so als eine weitere

staatliche Unternehmenshilfe in der Corona-Krise anzusehen. Die Leistungen

wurden erhöht und Arbeitgeber-Sozialabgaben erstattet, wodurch die

Bundesregierung aufgrund der hohen Nachfrage erhebliche Liquiditätshilfen für

die Bundesagentur für Arbeit bereitstellen musste.

Die Folgen der Pandemie, die für Adidas durch Kurzarbeitergeld und den

Überbrückungskredit staatlicherseits abgefedert worden sind, werden so

sozialisiert, während Gewinne nun in Form von Dividenden privatisiert werden

sollen. Markus Dufner, Geschäftsführer der Kritischen Aktionär*innen und

Aktionäre schlägt stattdessen vor: "Eine niedrigere Dividende und vollständige

Rückzahlung aller staatlichen Hilfsgelder, inklusive der Einsparungen durch

Kurzarbeit, hätten deutlich gemacht, dass Adidas auch gesellschaftlich

verantwortungsvoll handeln kann. Daher werden wir auch den Vorstand nicht

entlasten."

Lohnausfälle und Entlassungen in salvadorianischen Zulieferfabriken

Doch nicht nur den eigenen Angestellten und der deutschen Gesellschaft gegenüber

fehlt es Adidas an Solidarität und Verantwortungsübernahme. In den ersten

Monaten der Corona-Pandemie musste die Textilproduktion in vielen Ländern

gestoppt werden. Die Regionale Koordinationsstelle der Gewerkschaften in

Textilfabriken Mittelamerikas berichtete der CIR, dass 757 Angestellte der

salvadorianischen Fabrik Varsity Pro, in der Kleidung für Adidas produziert

wird, im März 2020 entlassen wurden.

Die Fabrik Impression Apparel Group, ebenfalls Adidas-Zulieferer in El Salvador,

zahlte Näher*innen während eines dreimonatigen Zwangsurlaubs nur zwei sogenannte

Corona-Boni in Höhe von 41,33 US-Dollar. Der Grundwarenkorb für Nahrungsmittel

für eine Familie liegt in dem Land bei monatlich 200 US-Dollar. Martha

Hernández, eine Näherin der Fabrik, beschreibt die Folgen: "Wie sollten wir

davon als Familien überleben? Wir mussten ja weiterhin unsere Lebensmittel, die

Miete, das Wasser und den Strom bezahlen. Wir haben uns deshalb verschuldet."

Franziska Menge, Referentin der CIR, fordert die Anteilseigner*innen von Adidas

und die Konzernführung auf, Verantwortung zu übernehmen: "Bereits im dritten

Quartal des Corona-Jahres 2020 erzielte Adidas nach Umsatzeinbrüchen in den

ersten Monaten der Corona-Pandemie wieder ähnliche Gewinne wie im Vorjahr. Das

Unternehmen muss das Geld aktiv in Maßnahmen für ein existenzsicherndes

Einkommen und eine soziale Absicherung der Näher*innen investieren, anstatt das

System komplexer Lieferketten auszunutzen und somit die soziale Verantwortung

und die Kosten der Corona-Krise auf die Näher*innen abzuwälzen."

Mehr Informationen:

Gegenanträge der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre und der CIR zur

Adidas-Hauptversammlung: https://ots.de/XAzhB3

Mehr zu den Fällen von Lohnausfällen und Entlassung bei Adidas-Zulieferern in El

Salvador: https://www.ci-romero.de/em-protest-adidas/

Pressekontakt:

Für Interviews und Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:

Franziska Menge, Christliche Initiative Romero e.V. (CIR)

Referentin für Kleidung

mailto:menge@ci-romero.de

Tel. (0251) 674413-30

Markus Dufner, Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre

Geschäftsführer

mailto:dachverband@kritischeaktionaere.de

Tel. (0221) 599 56 47

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/58468/4912203

OTS: Christliche Initiative Romero e.V. (CIR)