European CFO Survey von Deloitte sieht Aufbruchsstimmung: Europäische

Finanzchefs wieder überwiegend zuversichtlich

München (ots) -

- Trotz enormer COVID-Folgeschäden, anhaltender Lockdowns und einschneidender

Pandemie-Maßnahmen ist europaweit in den Chefetagen eine neue Dynamik und auch

Aufbruchsstimmung deutlich erkennbar

- Die jüngste Deloitte-Umfrage unter mehr als 1500 europäischen Finanzvorständen

reflektiert ein hohes Maß an Optimismus in der gesamten Region, in allen

befragten Ländern überwiegt der Anteil der CFOs, die die finanziellen

Aussichten ihres Unternehmens optimistischer als noch vor 3 Monaten

einschätzen

- Der Anstieg des Optimismus ist außerhalb des Euroraums noch stärker ausgeprägt

und wird vor allem von der guten Stimmung der CFOs in Großbritannien

angeführt, wo sich netto 77 Prozent der Befragten optimistischer fühlen als

vor drei Monaten - der höchste Wert über alle Länder hinweg

Angesichts der strengen Abriegelungsmaßnahmen in ganz Europa, der schleppenden

Verteilung von Impfstoffen in vielen Ländern und der nach wie vor hohen Zahl von

COVID-19-Neuinfektionen könnte man die wirtschaftlichen Aussichten für Europa

leicht als düster beurteilen. Doch Finanzverantwortliche auf dem ganzen

Kontinent sehen das ganz anders, wie die Ergebnisse der jüngsten

Deloitte-Umfrage unter europäischen CFOs zeigen.

Die positiven Signale mögen angesichts der vorherrschenden Krisenstimmung

verwundern, doch die Ergebnisse der jüngsten Deloitte-Umfrage sind eindeutig:

Über alle europäischen Grenzen hinweg geben sich die Finanzvorstände unerwartet

optimistisch, vor allem im Vergleich zu ihren Erwartungen aus dem letzten Jahr.

Unterm Strich gibt die 13. Ausgabe des European CFO Survey einigen Anlass zur

Hoffnung, die Pandemie in Europa zumindest wirtschaftlich bald überwunden zu

haben und zugleich als Startpunkt für eine einsichtsreichere, proaktive und

dynamische Zukunftsgestaltung zu nutzen.

"Obwohl die COVID-19-Pandemie noch nicht überwunden ist und viele europäische

Länder weiterhin fest im Griff hat, sehen wir in der aktuellen Ausgabe unserer

Umfrage eine neue Aufbruchsstimmung in ganz Europa", sagt Rolf Epstein, Partner

bei Deloitte und Leiter des CFO-Programm in Deutschland. "Bei viele Unternehmen

scheint sich das Blatt in den letzten Monaten bereits gewendet zu haben, sie

haben COVID weitgehend hinter sich gelassen und konzentrieren sich nun auf die

Realität nach der Pandemie."

Das Vertrauen in die Geschäftszukunft steigt deutlich

Dies gilt jedoch nicht für alle Unternehmen. "Die Fähigkeit von Unternehmen,

gestärkt aus der Krise hervorzugehen, hängt wesentlich von ihrer Fähigkeit ab,

in der Krise klug zu agieren und klug zu investieren - sowohl in Menschen als

auch in Technologie", so Epstein weiter. "Die Bereitschaft, wieder zu

investieren, steigt laut unserer Erhebung in der Tat spürbar an. Aber vielleicht

am wichtigsten ist die die Fähigkeit, weiter in die Zukunft zu blicken und eine

mutige und längerfristige strategische Vision zu formulieren. CFOs spielen dabei

eine wichtige Rolle, denn sie liefern die Informationen und Werkzeuge, die

Unternehmen in die Lage versetzen, fundierte Entscheidungen zu treffen."

Die Verbesserung des Geschäftsvertrauens wird auch deutlich, wenn man die

Ergebnisse über verschiedene Sektoren hinweg betrachtet: Selbst in Branchen, die

von der Pandemie stark betroffen waren, wie z.B. Tourismus und Reiseverkehr, und

die immer noch stark von den bestehenden Einschränkungen betroffen sind, fühlt

sich eine große Mehrheit der CFOs optimistischer als noch vor drei Monaten.

Auch mit Blick auf die nächsten zwölf Monate haben Europas CFOs große

Hoffnungen: Rund 77 Prozent der CFOs erwarten, dass die Umsätze ihrer

Unternehmen steigen werden, das sind 25 Prozentpunkte mehr als im September; nur

elf Prozent befürchten einen Umsatzrückgang. Auch hier ist die

Stimmungsverbesserung in allen Ländern und allen befragten Branchen

gleichermaßen positiv. Die Erwartungen an die Entwicklung der operativen Margen

haben sich ebenfalls verbessert und erreichen den höchsten Stand seit 2015.

Der Horizont für Post-Covid-Ära wird sichtbar

Es gibt allgemeinere Anzeichen dafür, dass viele europäische Unternehmen die

Pandemie hinter sich gelassen haben und sich voll und ganz auf das neue

Geschäftsumfeld konzentrieren. Auf die Frage, in welche Phase der COVID-Krise

ihr Unternehmen eingetreten ist, geben zwei von drei CFOs an, dass sie sich

bereits auf die Zukunft nach der Pandemie vorbereiten und diese gestalten - also

in der "Thrive"-Phase angekommen sind. Lediglich 14 Prozent haben das Gefühl,

dass sie sich noch im Überlebensmodus befinden.

Die Daten offenbaren jedoch erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen

Branchen: Wähnen sich beispielsweise mehr als 80 Prozent der 'Life Sciences and

Health Care"-CFOs bereits in der "Thrive"-Phase, sind es nur 38 Prozent in der

Tourismus- und Reisebranche: Hier gibt mehr als die Hälfte der CFOs an, dass sie

noch um das Überleben ihres Unternehmens kämpfen. Interessanterweise sind die

CFOs im Einzelhandel besonders optimistisch, hier befinden sich bereits 66

Prozent im Thrive-Modus.

Unterschiedliche Erholungsmuster je nach Land und Sektor

Die Ansichten der CFOs darüber, wann ihre Umsätze wieder das Niveau von vor der

Pandemie erreichen werden, zeigen große Unterschiede zwischen den einzelnen

Ländern: Dabei wird es nicht überraschen, dass in den am stärksten betroffenen

Volkswirtschaften ein geringerer Anteil der CFOs angibt, bereits auf oder über

dem Niveau vor der Pandemie zu sein. Während zum Beispiel fast zwei Drittel der

CFOs in Dänemark und Russland sagen, dass ihre Umsätze bereits das

Vorkrisenniveau erreicht haben, sind es in Spanien, Griechenland und

Großbritannien weniger als 30 Prozent.

Trotz des allgemeinen Anstiegs des Optimismus sehen einige CFOs noch einen

langen Weg zur Erholung. Während im Durchschnitt etwa ein Viertel der Befragten

erwartet, bis Ende 2021 wieder das Aktivitätsniveau von vor der Krise zu

erreichen, geht ein weiteres Viertel davon aus, dass die vollständige Erholung

bis 2022 warten muss, und etwa 10 Prozent der Befragten erwarten eine

vollständige Erholung sogar noch später.

Besonders niedrig sind die Erwartungen in der Tourismusbranche, wo kein

Unternehmen bereits das Niveau vor der Pandemie erreicht hat und nur 15 Prozent

erwarten, dass dies bis Ende dieses Jahres der Fall sein wird. Eine relative

Mehrheit (40 Prozent) erwartet eine vollständige Erholung bis 2023. Auch die

CFOs im Automobilsektor sehen eher einen langsamen Weg zur Erholung: Nur 19

Prozent berichten, dass sie bereits das Vorkrisenniveau erreicht haben, weitere

36 Prozent erwarten, dass sie sich bis Ende 2021 wieder erholen werden.

Dahingegen sagen drei Viertel der CFOs im Finanzsektor, dass sie bereits das

Vorkrisenniveau erreicht haben oder bis Ende des Jahres erreichen werden.

Vorsichtig und doch mutig - Investitionen und Einstellungsabsichten

"Wie in der letzten Ausgabe der Umfrage sind die CFOs weiterhin besorgt über

eine mögliche Abschwächung der Nachfrage und über den allgemeinen Zustand der

Wirtschaft", sagt Michela Coppola, bei Deloitte Research verantwortlich für die

Erstellung des European CFO Survey. "Die CFOs sehen etwas weniger Unsicherheit

als im Herbst, aber per Saldo halten 65 Prozent die aktuelle wirtschaftliche und

finanzielle Unsicherheit immer noch für hoch oder sehr hoch. Hier spielen auch

Fragen nach der Entwicklung der Inflation mit rein."

"Gerade in letzter Zeit hat das Gerede über Inflation zugenommen" ergänzt Rolf

Epstein. "Es wird argumentiert, dass die bargeldstarken Verbraucher auf einen

Kaufrausch gehen werden, sobald die Impfungen durchgeführt werden und die

Volkswirtschaften wieder geöffnet sind. Gleichzeitig werden Produktions- und

Transportengpässe die Unternehmen darin bremsen, den plötzlichen Nachfrageschub

zu befriedigen. Folglich werden die Preise zu steigen beginnen. Darüber hinaus

haben sich die Bilanzen der Zentralbanken in vielen Ländern erheblich

ausgeweitet, größtenteils durch den Kauf von steigenden Staatsschulden."

"Die Umfrage spiegelt die Erwartung der CFOs wider, dass die Inflation zumindest

temporär zulegen wird", betont Dr. Alexander Börsch, Leiter Research Center und

Chefökonom bei Deloitte: "Die Inflationserwartungen sind in der Mehrheit der

Länder im Vergleich zum Herbst gestiegen. In den Ländern der Eurozone liegt die

erwartete Inflationsrate in einem Jahr bei durchschnittlich 1,37 Prozent und

damit aber immer noch deutlich unter dem Inflationsziel der Europäischen

Zentralbank von zwei Prozent. In ganz Europa scheinen die Finanzverantwortlichen

also nicht für ein Hochinflationsumfeld zu planen."

Inhaltlich verantwortlich für den European CFO Survey ist Rolf Epstein, Partner

Deloitte.

Den kompletten European CFO Survey: http://www.deloitte.com/europeancfosurvey

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