Insolvenzen 2021: Licht und Schatten - leichter Anstieg von niedrigem

Niveau erwartet (FOTO)

Hamburg (ots) -

- Staatliche Unterstützungsmaßnahmen zeigen Wirkung: Insolvenzen in Deutschland

bleiben auch 2021 künstlich niedrig: +6% Zuwachs, von niedrigem Niveau kommend

- Rückkehr zur neuen Normalität: moderater Anstieg erst mit Auslaufen der

Unterstützungsmaßnahmen erwartet

- 2022 Zuwachs um voraussichtlich 15% erwartet, auf in etwa das Insolvenzniveau

von 2017

- Gegen den Trend: 2020 fast doppelt so viele Großinsolvenzen (58) als im

Vorjahr (32)

- Risiko Insolvenzantragspflicht: Nur wenige Unternehmen fallen unter die

weitere Aussetzung bis Ende April, viele sind sich dessen aber nicht bewusst

und könnten in Haftungsrisiken schlittern

Gute Nachrichten für die deutschen Unternehmen: Insolvenzen bleiben trotz eines

leichten Anstiegs um rund 6% auch 2021 voraussichtlich auf künstlich niedrigem

Niveau. Die Fallzahlen dürften im laufenden Jahr sogar geringer ausfallen als

vor der Pandemie im Jahr 2019. Der Grund dafür sind die umfangreichen

Maßnahmenpakete, um die Folgen der Covid-19-Pandemie für die Unternehmen

teilweise abzufedern. Mit der Verlängerung und Ausweitung dieser Maßnahmen Ende

2020 erwartet Euler Hermes auch für 2021 keinen sprunghaften Anstieg der

Firmenpleiten. Ausgehend von den aktuellen Rahmenbedingungen prognostiziert der

weltweit führende Kreditversicherer in seiner aktuellen Analyse zwar einen

Zuwachs der Insolvenzen in Deutschland im Jahr 2021 um 6%, allerdings erst ab

dem zweiten Halbjahr und von sehr niedrigem Niveau kommend.

Erst im Laufe von 2022 dürften die Pleiten um rund 15% zunehmen. Die Fallzahlen

2022 dürften dann jedoch nur etwa 4% höher liegen als 2019, vor der Pandemie.

Das entspricht in etwa dem Niveau von 2017. Damit steht Deutschland im

internationalen Vergleich gut da.

Entkoppelt: Insolvenzentwicklung hängt nicht vom Markt, sondern von

Hilfsmaßnahmen ab

"Es ist paradox: Trotz einer der größten Wirtschaftskrisen sind Insolvenzen in

Deutschland im vergangenen Jahr mit rund -15% deutlich auf einen neuen

Niedrigstand seit 1993 gesunken", sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in

Deutschland, Österreich und der Schweiz. "Das zeigt, wie stark die

Insolvenzentwicklung von der tatsächlichen gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

und dem aktuellen Zustand der Unternehmen entkoppelt ist."

Die Insolvenzentwicklung ist derzeit nicht von Marktmechanismen, sondern von der

weiteren Entwicklung und dem Fortbestand von Unterstützungsmaßnahmen abhängig.

"Das wird nicht ewig so weitergehen", sagt Van het Hof. "Aber auch mit der

sukzessiven Rückkehr in eine neue Normalität ist ein umgehender oder

sprunghafter Anstieg dadurch erst einmal nicht in Sicht. Für deutsche

Unternehmen ist dies zunächst eine gute Nachricht in diesen herausfordernden

Zeiten."

Trotz des erneuten und verlängerten Lockdowns, der viele Branchen empfindlich

trifft, sind mit zunehmendem Impffortschritt die gesamtwirtschaftlichen

Aussichten für 2021 relativ gut, und am Horizont winkt ab voraussichtlich dem

zweiten Halbjahr ein "Nachhol-Boom" sowie eine deutliche wirtschaftliche

Erholung.

Spagat: Finanzen genau im Blick behalten und strategische Weichen stellen

"Gerade jetzt ist es wichtig, dass die Unternehmen einerseits ihre Finanzen ganz

genau im Blick behalten und andererseits heute schon strategische Weichen für

die Zukunft stellen", sagt Van het Hof. "Das ist manchmal ein Spagat, denn nicht

bei allem ist aktuell genügend Spielraum für Investitionen. Dennoch birgt jede

Krise Chancen. Wir haben im letzten Jahr gesehen, dass einige Unternehmen diese

genutzt und kreative Konzepte entwickelt haben und damit sehr erfolgreich sind."

Vorsicht: Steigende Großinsolvenzen - wenn es kracht, dann richtig

Die Entwicklung ist allerdings sehr uneinheitlich. Firmen sollten deshalb

weiterhin wachsam bleiben und ganz genau auf ihre Abnehmer schauen:

"Unternehmen sollten weiterhin auf ein sorgfältiges Risikomanagement achten und

sich weder allein durch die jüngste Insolvenzentwicklung in falscher Sicherheit

wiegen noch von großen und bekannten Namen täuschen lassen", sagt Van het Hof.

"Trotz insgesamt rückläufiger Fallzahlen sind in Deutschland die erwarteten

Forderungsverluste, also die Schäden, die den Unternehmen voraussichtlich durch

die Insolvenzen entstehen, deutlich gestiegen: von 26,3 Milliarden EUR im Jahr

2019 auf über 42 Milliarden EUR[1] im Jahr 2020. Zudem haben sich 2020 große

Insolvenzen in Deutschland gegen den allgemeinen Trend fast verdoppelt, mit

entsprechenden Schneeballeffekten auf die Lieferketten."

58 große Unternehmen (mit einem Jahresumsatz von mehr als 50 Millionen Euro)

rutschten 2020 in die Pleite gegenüber 32 im Vorjahr (+81%) - trotz der bis zum

Herbst letzten Jahres komplett ausgesetzten Insolvenzantragspflicht. Die großen

Insolvenzen häufen sich in vielen Branchen, in denen die Gesamtzahl der Fälle

deutlich rückläufig war, wie beispielsweise im Einzelhandel. Das zeigt vor

allem, dass große Unternehmen eine Insolvenz häufiger als Sanierungsinstrument

nutzen, während kleine und mittelständische Unternehmen 2020 durch die

ausgesetzte Insolvenzantragspflicht geschützt wurden.

Risiko Insolvenzantragspflicht: Nur wenige Unternehmen fallen unter die weitere

Aussetzung

Seit 1. Oktober 2020 gilt die Insolvenzantragspflicht wieder für den

Insolvenzgrund der Zahlungsunfähigkeit. Lediglich für den Insolvenzgrund der

Überschuldung - unter den nur ein geringer Prozentsatz der Insolvenzen fällt -

blieb die Antragspflicht weiterhin ausgesetzt. Die kürzlich beschlossene

Verlängerung der Aussetzung der Insolvenzantragspflicht bis Ende April 2021

betrifft ebenfalls nur einen relativ kleinen Kreis an Unternehmen: Nur

diejenigen Firmen mit Insolvenzreife, die bereits staatliche Hilfsgelder

beantragt haben, die jedoch noch nicht ausgezahlt wurden, fallen drunter. Der

Antrag allein reicht allerdings nicht aus, sondern es müssen noch eine Reihe

weiterer Kriterien erfüllt werden: Das Unternehmen darf erst durch die

Covid-19-Pandemie in Schwierigkeiten geraten sein, der Antrag auf Hilfsgelder

muss Aussicht auf Erfolg haben, und vor allem müssen die beantragten Hilfsgelder

ausreichen, um die Insolvenzreife zu beseitigen.

"Dünnes Eis": Haftungsrisiken für Unternehmen, Blindflug bei Lieferanten

"Viele Unternehmen sind sich nicht bewusst, dass die Insolvenzantragspflicht nur

unter ganz bestimmten Voraussetzungen weiterhin ausgesetzt bleibt", sagt Van het

Hof. "Das ist ein großes Risiko. Wir gehen davon aus, dass einige, insbesondere

kleine Unternehmen, eigentlich bereits Insolvenz anmelden müssten. Der erneute

und verlängerte Lockdown hat oft zu größeren finanziellen Belastungen geführt,

als die beantragten Hilfsgelder abfedern können. Diese Firmen bewegen sich damit

zum Teil auf sehr dünnem Eis und könnten so unwissentlich in Haftungsprobleme

schlittern. Daher sollten Unternehmen genau prüfen, ob sie die entsprechenden

Voraussetzungen für die Aussetzung erfüllen. Für die Lieferanten ist dies

ebenfalls problematisch und die Unsicherheit dadurch umso größer. Sie sind

teilweise im Blindflug unterwegs, weil sie gar nicht wissen, ob Abnehmer

tatsächlich noch zahlungsfähig sind."

Neues Sanierungsinstrument StaRUG - nicht auf Gehälter und Pensionszusagen

anwendbar

In Deutschland haben Unternehmen mit Sanierungsbedarf seit Januar 2021 durch das

Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) jedoch eine

zusätzliche Möglichkeit zur außerinsolvenzlichen Sanierung, ähnlich wie beim

"Chapter 11 Verfahren" in den USA. Sie können durch das neue Gesetz - bei

Zustimmung der Mehrheit der Gläubiger (75%) zum Sanierungsplan - ihre Schulden

reduzieren. Allerdings gibt es auch hier Einschränkungen: Das

Sanierungsverfahren kann nur von Unternehmen genutzt werden, die nicht bereits

aktuell zahlungsunfähig sind, bei denen dies jedoch vermutlich in den kommenden

12-24 Monaten eintreten dürfte (drohende Zahlungsunfähigkeit)[2]. Zudem kann es

nicht für Forderungen der Arbeitnehmer (z.B. Gehälter) oder Pensionskassen

angewendet werden (z.B. Pensionszusagen). Auch eine einseitige Beendigung von

Dauerschuldverhältnissen (z.B. Mietverträgen) ist im Zuge des Verfahrens nicht

möglich.

Die vollständige Studie finden Sie im Anhang sowie hier: https://ots.de/vTn0bg

[1] Januar-November 2020

[2] Dieser Prognosezeitraum ist derzeit wegen der Covid-19-Pandemie unter

bestimmten Umständen auf 0-12 Monate verkürzt.

Euler Hermes ist weltweiter Marktführer im Kreditversicherungsgeschäft und

anerkannter Spezialist für Kaution und Garantien, Inkasso sowie Schutz gegen

Betrug oder politische Risiken. Das Unternehmen verfügt über mehr als 100 Jahre

Erfahrung und bietet seinen Kunden umfassende Finanzdienstleistungen an, um sie

im Liquiditäts- und Forderungsmanagement zu unterstützen.

Über das unternehmenseigene Monitoring-System verfolgt und analysiert Euler

Hermes täglich die Insolvenzentwicklung von mehr als 80 Millionen kleiner,

mittlerer und multinationaler Unternehmen. Insgesamt umfassen die

Expertenanalysen Märkte, auf die 92% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP)

entfallen.

Mit dieser Expertise macht Euler Hermes den Welthandel sicherer und gibt den

weltweit über 66.000 Kunden das notwendige Vertrauen in ihre Geschäfte und

deren Bezahlung. Als Tochtergesellschaft der Allianz und mit einem AA-Rating

von Standard & Poor's ist Euler Hermes im Schadensfall der finanzstarke Partner

an der Seite seiner Kunden.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Paris ist in über 50 Ländern vertreten und

beschäftigt rund 5.800 Mitarbeiter weltweit. 2020 versicherte Euler Hermes

weltweit Geschäftstransaktionen im Wert von EUR 824 Milliarden.

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beträchtlich abweichen. Zu solchen Faktoren gehören u.a.: (i) die

allgemeine konjunkturelle Lage einschließlich der

branchenspezifischen Lage für das Kerngeschäft bzw. die Kernmärkte

der Euler-Hermes-Gruppe, (ii) die Entwicklung der Finanzmärkte

einschließlich der "Emerging Markets" einschließlich

Marktvolatilität, Liquidität und Kreditereignisse, (iii) die

Häufigkeit und das Ausmaß der versicherten Schadenereignisse

einschließlich solcher, die sich aus Naturkatastrophen ergeben;

daneben auch die Schadenkostenentwicklung, (iv) Stornoraten, (v)

Ausmaß der Kreditausfälle, (vi) Zinsniveau, (vii)

Wechselkursentwicklungen einschließlich des Wechselkurses EUR-USD,

(viii) Entwicklung der Wettbewerbsintensität, (ix) gesetzliche und

aufsichtsrechtliche Änderungen einschließlich solcher bezüglich der

Währungskonvergenz und der Europäischen Währungsunion, (x) Änderungen

der Geldpolitik der Zentralbanken bzw. ausländischer Regierungen,

(xi) Auswirkungen von Akquisitionen, einschließlich der damit

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sowie (xiii) allgemeine Wettbewerbsfaktoren jeweils in einem

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