Studie: Weltweite Insolvenzen steigen 2022 um voraussichtlich 15 % an

- von sehr niedrigem Niveau

Hamburg (ots) -

- Keine Trendwende für 2021 in Sicht: weiterer Rückgang der globalen Insolvenzen

um 6 % erwartet

- Globale Exportrisiken steigen: 2022 zeichnet sich erstmals nach zwei Jahren

ein Zuwachs der weltweiten Insolenzen ab

- Deutschland dürfte 2021 einen Rückgang um rund 5 % auf 15.000 Fälle

verzeichnen

- Negativrekord: Erwartete durchschnittliche Schadenshöhe bei Unternehmen durch

Insolvenzen in Deutschland hat sich im 1. Halbjahr im Vergleich zum

Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt

- Trendwende 2022 erwartet: Anstieg in Deutschland um +9 %, allerdings weiterhin

auf sehr niedrigem Niveau

Es zeichnet sich bei den globalen Insolvenzen weiterhin ein Wechsel aus Licht

und Schatten ab: 2022 dürften die weltweiten Insolvenzen langsam wieder

ansteigen - allerdings aufgrund der umfangreichen staatlichen

Unterstützungsmaßnahmen weiterhin von sehr niedrigem Niveau kommend. Trotz eines

erwarteten Anstiegs von rund 15 % dürften die globalen Fallzahlen 2022 im

Durchschnitt voraussichtlich weiterhin 4 % niedriger liegen als 2019 - vor der

Pandemie. Dennoch kehren insbesondere Exportrisiken stärker zurück als bisher.

2020 lag der Rückgang bei den weltweiten Pleiten bei 12 % und auch im laufenden

Jahr zeichnet sich ein weiterer Rückgang um rund 6 % ab, so die jüngste

Insolvenzstudie des weltweit führenden Kreditversicherers Euler Hermes.

"Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen haben ihr Ziel erreicht, möglichst

viele Insolvenzen zu verhindern", sagt Maxime Lemerle, Leiter der Branchen- und

Insolvenzanalyse bei der Euler Hermes Gruppe. "In Westeuropa haben die Maßnahmen

jede zweite Pleite verhindert, in den USA jede Dritte. Für 2021 zeichnet sich

keine Trendwende ab: Die Verlängerung zahlreicher Programme wird die Insolvenzen

im Jahr 2021 auf einem weiterhin niedrigen Niveau halten. Wie es weitergeht,

hängt maßgeblich davon ab, wie die Regierungen in den kommenden Monaten handeln.

Erst ab 2022 dürfte sich das weltweite Insolvenzgeschehen wieder sukzessive

normalisieren."

Deutschland: 2022 erstmals wieder leichter Anstieg erwartet

Deutschland steht im weltweiten Vergleich weiterhin sehr gut da: 2021 kündigt

sich zunächst ein weiterer Rückgang von 5% bei den Insolvenzen auf rund 15.000

Fälle an: Ähnliche Fallzahlen gab es zuletzt in den Jahren 1992 (10.920) und

1993 (15.582). Vor der Pandemie waren es 2019 noch 18.749 Fälle; 2020 sind diese

dann im Zuge der staatlichen Hilfsprogramme um 16 % auf 15.840 Fälle gesunken.

"Eine Entwarnung für deutsche Unternehmen ist das allerdings nicht", sagt

Lemerle. "Zwar waren die Fallzahlen rückläufig - die erwarteten

durchschnittlichen Schäden pro Insolvenz für die betroffenen Unternehmen haben

sich im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als

verdoppelt."

Im 1. Halbjahr 2020 lagen die erwarteten Schäden pro Insolvenz durchschnittlich

noch bei 1,8 Millionen Euro (Mio. EUR). Im gleichen Zeitraum im laufenden Jahr,

lagen diese bei 4,3 Mio. EUR du damit mehr als doppelt so hoch.

"2022 dürften zudem auch in Deutschland die Pleiten wieder um rund 9 % auf etwa

16.300 Fälle zunehmen", sagt Lemerle. "Diese Entwicklung dürfte vor allem im

zweiten Halbjahr zeigen. Es ist weiterhin ein sehr niedriges Niveau der

Fallzahlen und entspricht in etwa dem Stand im Jahr 1993. Die relativ gute

Ausgangslage, eines der größten staatlichen Unterstützungsprogramme und die

wieder anziehende Weltwirtschaft haben deutschen Unternehmen eine gute

Startposition verschafft, um sich auf die neue Normalität einzustellen. Dennoch

sollten sie Risiken im In- und Ausland nicht unterschätzen."

Regionale Unterschiede: In einigen Ländern steigen die Insolvenzen 2021 gegen

den Trend

Die Entwicklung ist global sehr unterschiedlich. Während in den meisten Ländern

2021 die Zahl der Pleiten weiter zum Teil deutlich rückläufig sein dürften, gibt

es auch einige Ländern, bei denen die Fallzahlen bereits 2021 gegen den globalen

Trend steigen dürften. Dabei gibt auch die unterjährige Entwicklung Aufschluss

über mögliche regionale Hot-Spots.

So steigen die Insolvenzen in Westeuropa 2021 voraussichtlich in Italien (+47 %)

Spanien (+30 %), Großbritannien (+10 %), Luxemburg und der Schweiz (je +4 %)

sowie in Belgien (+3 %). In Osteuropa verzeichnen insbesondere Polen (+62 %),

Ungarn (+20 %), Rumänien (+8 %) und Bulgarien (+5 %) steigende Fallzahlen ebenso

wie in Asien Hongkong (+24 %), Indien (+13 %) und Taiwan (+10 %). In Afrika

dürfte Marokko (+48 %) einen starken Anstieg sehen, und in Südamerika sind

Kolumbien (+12 %) und Brasilien (+6 %) besonders betroffen.

5 Indikatoren bestimmen die weitere Insolvenzentwicklung

Die neue Normalität bei den Insolvenzen birgt in allen Regionen weiterhin

zahlreiche Risiken, die Unternehmen im Auge behalten sollten. Das Zusammenspiel

von globaler und lokaler wirtschaftlicher Entwicklung und staatlicher

Unterstützung spielen bei der weiteren Entwicklung der Insolvenzen weiterhin

eine entscheidende Rolle ebenso wie die Dynamik beim "Cash-Burning". Hinzu kommt

das weiterhin bestehende Ausfallrisiko von Unternehmen, die bereits vor Covid-19

zu den Wackelkandidaten oder "Zombies" zählten. Zudem hat die verschlechterte

Finanzlage das Problem der Schuldentragfähigkeit verschärft. Die rasche Erholung

der Unternehmensgründungen ist zwar einerseits eine positive Nachricht, die aber

auch eine Kehrseite der Medaille hat: Junge Unternehmen sind traditionell

anfälliger für Insolvenzen. Zudem vergrößert diese Entwicklung die Basis für

potenzielle Insolvenzen, insbesondere in Bereichen, in denen die Gründung von

Unternehmen in hohem Maße mit in der Pandemie neu entstandenen Bedürfnissen

zusammenhängt (z. B. Hauslieferungen) und bei denen die langfristige

Tragfähigkeit des Geschäftsmodells unsicher ist.

Die Pressemeldung / Studie "Insolvencies: We'll be back" finden Sie auch hier:

https://www.eulerhermes.de/presse/pressemitteilungen.html

Studie zur Insolvenzgefährdung europäischer SMEs: "7-15% sind in den nächsten

vier Jahren von Insolvenz bedroht":

https://ots.de/VbgCTE

Die aktuelle Studie zur Entwicklung der Weltwirtschaft finden Sie hier:

https://ots.de/psEM88

Euler Hermes ist weltweiter Marktführer im Kreditversicherungsgeschäft und

anerkannter Spezialist für Kaution und Garantien, Inkasso sowie Schutz gegen

Betrug oder politische Risiken. Das Unternehmen verfügt über mehr als 100 Jahre

Erfahrung und bietet seinen Kunden umfassende Finanzdienstleistungen an, um sie

im Liquiditäts- und Forderungsmanagement zu unterstützen. Über das

unternehmenseigene Monitoring-System verfolgt und analysiert Euler Hermes

täglich die Insolvenzentwicklung von mehr als 80 Millionen kleiner, mittlerer

und multinationaler Unternehmen. Insgesamt umfassen die Expertenanalysen Märkte,

auf die 92% des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) entfallen. Mit dieser

Expertise macht Euler Hermes den Welthandel sicherer und gibt den weltweit über

66.000 Kunden das notwendige Vertrauen in ihre Geschäfte und deren Bezahlung.

Als Tochtergesellschaft der Allianz und mit einem AA-Rating von Standard &

Poor's ist Euler Hermes im Schadensfall der finanzstarke Partner an der Seite

seiner Kunden. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Paris ist in über 50 Ländern

vertreten und beschäftigt rund 5.800 Mitarbeiter weltweit. 2020 versicherte

Euler Hermes weltweit Geschäftstransaktionen im Wert von EUR 824 Milliarden.

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