Brexit: Europäisches Parlament ratifiziert Freihandelsabkommen / Ein

großes Plus an Planungssicherheit, aber viele Details müssen noch

geklärt werden

Berlin, Bonn, London (ots) - Am 28. April 2021 hat das Europäische Parlament das

Handels- und Kooperationsabkommen vom 24. Dezember 2020 zwischen der

Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich ratifiziert. Das Abkommen

hatte seit dem 1. Januar 2021 schon vorläufig gegolten.

"Damit ist das Fundament der europäisch-britischen Wirtschaftsbeziehungen

deutlich sicherer geworden", erklärt Jürgen Friedrich, Geschäftsführer von

Germany Trade & Invest (GTAI). "Dies ist nach den Turbulenzen der vergangenen

Jahre sehr willkommen."

Allerdings wird noch viel Arbeit erforderlich sein, die teilweise recht

allgemein gehaltenen Vorgaben des Abkommens konkret nutzbar zu machen, betont

die GTAI in einer Publikation (https://www.gtai.de/gtai-de/trade/wirtschaftsumfe

ld/aussenwirtschaft-im-wandel-637344) , die anlässlich der Außenwirtschaftstage

2021 des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) erschienen ist.

Deutlich wird dies beispielsweise bei der praktisch wichtigen Anerkennung von

Berufsqualifikationen, die im Abkommen nur rudimentär geregelt ist. Für bindende

Regelungen sollen die jeweiligen Berufsorganisationen zuständig sein.

Im Warenhandel gibt es zwar deutlich konkretere Regelungen, ein Ersatz für

Binnenmarkt und Zollunion kann das Abkommen trotzdem nicht sein. Vollständige

Zollfreiheit gibt es nämlich nur für Waren mit EU-Ursprung, und eine

gegenseitige Anerkennung von Standards ist gar nicht vorgesehen, weder für

Industrieprodukte noch für Lebensmittel.

"Die britische Seite gewährt zwar einseitige Übergangsfristen, die aber Ende des

Jahres auslaufen", betont Stefanie Eich, Deputy Director im Bereich Zoll bei

Germany Trade & Invest. "Dann erhöhen sich die Hürden für deutsche Exporteure

erneut: Gesundheitszertifikate für Lebensmittelexporte sind ebenso Pflicht wie

eine Umstellung der Produktkennzeichnung von CE auf das nur in Großbritannien

gültige UKCA-Label."

Neben erheblichen Herausforderungen gibt es jedoch auch große Chancen. Ein Blick

auf den britischen Markt ist für deutsche Unternehmen weiterhin lohnenswert,

betont Marc Lehnfeld, Wirtschaftsexperte und GTAI-Korrespondent in London. Viele

Branchen locken mit attraktiven Geschäftschancen. "Es wird viel investiert",

erklärt Lehnfeld. So etwa in die Vervierfachung der Kapazitäten der

Offshore-Windenergie, in den Infrastrukturbau mit Milliardeninvestitionen oder

das Ausbauprogramm für über 40 neue Krankenhäuser. "Wer die Hürden in Kauf

nimmt, kann noch nach dem Brexit von den Marktchancen im Vereinigten Königreich

profitieren."

Lehnfeld gibt aber zu bedenken: "Die einstigen Wettbewerbsvorteile deutscher

Unternehmen aus dem europäischen Binnenmarkt fallen zu einem großen Teil weg.

Gerade mit Blick auf die Konkurrenz aus dem Ausland sind deshalb gute und enge

Wirtschaftsbeziehungen mit dem Königreich für unsere Außenwirtschaft so wichtig.

Wir brauchen eine starke Partnerschaft."

Weitere Informationen rund um das Thema Brexit erhalten Sie auf unserer

Brexit-Sonderseite (https://www.gtai.de/gtai-de/trade/specials/special-brexit)

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