Politische Unsicherheit bedroht wirtschaftliche Erholung / Neuwahlen

in Bulgarien

Berlin, Sofia (GTAI) (ots) - Nach drei gescheiterten Anläufen zur

Regierungsbildung finden am Sonntag, dem 11. Juli 2021 Neuwahlen in Bulgarien

statt. Die bürgerlich-konservative Partei GERB des Ex-Ministerpräsidenten Boiko

Borissow könnte erneut als stärkste Partei hervorgehen, jedoch dürfte sich eine

Regierungsbildung weiterhin als schwierig erweisen. Viele neu gegründete

Parteien haben einen starken Zulauf und präsentieren sich als Alternative zu den

etablierten Regierungsparteien, die sich mit Korruptionsvorwürfen und dem Unmut

aus Teilen der Bevölkerung konfrontiert sehen.

Nach langem Wirtschaftswachstum hat die Coronapandemie Bulgariens Wirtschaft

zurückgeworfen, der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betrug letztes Jahr

4,2 Prozent. Erste Anzeichen für eine allmähliche Erholung sind vorhanden, doch

es bleiben einige Herausforderungen: "Ein beschleunigtes Wachstum auf dem Niveau

der Jahre vor der Krise ist noch nicht in Sicht. Das liegt an der langsamen

Impfkampagne, an der derzeit zu niedrigen Nachfrage nach Waren und

Dienstleistungen und vor allem auch an der politischen Unsicherheit", sagt

Dominik Vorhölter von Germany Trade & Invest (GTAI) in Bukarest.

Der Experte für die Region Südosteuropa sieht in der politischen Instabilität

das derzeit größte Risiko für den Weg aus der Coronakrise. "Bulgarien benötigt

eine stabile Regierung, die schnell und effizient ihre Verwaltungsstrukturen

mobilisiert und geeignete Projekte und Initiativen anstößt. Für die Umsetzung

stehen bis 2023 im Rahmen des EU-Wiederaufbaufonds 12,3 Milliarden Euro bereit.

Davon sind 6 Milliarden Zuschüsse, die Bulgarien nicht zurückzahlen muss. Wenn

sich die Regierungsbildung jedoch weiterhin in die Länge zieht, könnten

zustehende Teile des Geldes irgendwann verfallen," warnt Vorhölter.

Bulgarien profitiert von einer im EU-Vergleich überdurchschnittlich guten

Einbindung seiner Wirtschaft in die internationale Wertschöpfung und punktet als

Standort mit seiner attraktiven Lage und vergleichsweise günstigen Lohn- und

Lohnnebenkosten. Die meisten Wirtschaftsbereiche erholen sich langsam von den

Einbrüchen des vergangenen Jahres, wenn auch mit unterschiedlichem Tempo.

Bulgarien steht vor einer umfassenden Energiewende und setzt dabei auf

Energieeffizienz und die Förderung von erneuerbaren Energien. Für die

Energiewende Bulgariens sind Investitionen in Höhe von etwa 1,5 Prozent des

Bruttoinlandsprodukts erforderlich. Bis 2030 will das Land mindestens ein

Viertel des Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugen. Neben dem Ausbau der

erneuerbaren Energien will sich Bulgarien langfristig als Energieknotenpunkt

positionieren und treibt in diesem Zusammenhang den Ausbau des Gasnetzes voran.

Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Länderseite zu Bulgarien

(http://www.gtai.de/bulgarien)

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