KfW-Gründungsmonitor: Zahl der Gründungen fällt im Corona-Jahr auf

537.000

Frankfurt am Main (ots) -

- Rückgang vor allem bei Gründungen durch Männer, Gründerinnenzahl bleibt stabil

- 56 % der Abbrüche junger Selbstständigkeiten waren coronabedingt

- Gründerjahr 2021 dürfte von verschobenen Gründungen aus 2020 profitieren

Im Schatten der Corona-Krise haben im vergangenen Jahr weniger Menschen eine

Existenzgründung verwirklicht als im Jahr zuvor. Dem repräsentativen

KfW-Gründungsmonitor zufolge rutschte die Zahl der Vollerwerbsgründungen auf

einen neuen Tiefpunkt von 201.000 (- 27.000 bzw. -12 % ggü. Vorjahr). Auch im

Nebenerwerb wurde weniger gegründet als noch 2019 ( -41.000 bzw. -11 % auf

336.000). Insgesamt wagten 2020 537.000 Menschen den Sprung in die berufliche

Selbständigkeit (-68.000 bzw. -11 %).

Der Rückgang der Existenzgründungen liegt hauptsächlich an weniger Gründungen

von Männern. Ihre Zahl sank 2020 auf 332.000 (-58.000), die Zahl der

Gründerinnen blieb hingegen mit 205.000 nahezu stabil (-10.000). Gründungen von

Frauen kamen damit auf einen Anteil von 38 % an allen Existenzgründungen (2019:

36 %). Dieses Ergebnis ist überraschend, denn Studien zufolge waren gerade

selbständige Frauen besonders stark von negativen Auswirkungen der Corona-Krise

betroffen und mussten häufiger als Männer mit Umsatzverlusten, Existenzsorgen

und Einschränkungen des Lebensstandards umgehen. Gründungsinteressierte Frauen

scheinen sich jedoch schneller auf die neuen Krisenbedingungen eingestellt und

letztlich ihre Gründungspläne häufiger doch realisiert zu haben als Männer.

Hierfür spricht, dass Gründerinnen im vergangenen Jahr häufiger als Gründer ihre

Geschäftsmodelle angepasst haben (52 % vs. 39 %).

KfW Research analysiert im KfW-Gründungsmonitor auch die Abbruchraten und

-gründe im vergangenen Jahr. Die Corona-Krise hat sich hier klar

niedergeschlagen: Etwa vier von zehn Gründerinnen und Gründern haben 2020 ihre

selbständige Tätigkeit binnen 5 Jahren nach Geschäftsaufnahme wieder beendet.

Zwar erfolgte ein Abbruch wie auch in der Vergangenheit häufig aus persönlichen

Gründen (z.B. familiäre Belastung, besseres Jobangebot), doch der Anteil von

Gründungsabbrüchen wegen Unwirtschaftlichkeit hat sich gegenüber 2019 auf 40 %

verdoppelt. Insgesamt war im Jahr 2020 bei etwas mehr als der Hälfte (56 %) der

Abbrüche die Corona-Krise entscheidend.

Allerdings waren im Corona-Jahr 2020 auch mehr Menschen motiviert, sich mit

einer bietenden Geschäftsgelegenheit selbständig zu machen. Der Anteil so

genannter Chancengründungen stieg auf 80 % (2019: 73 %). Aus der Not heraus

wegen fehlender besserer Erwerbsalternativen entstanden nur 16 % (2019: 23 %)

aller Existenzgründungen. Im vergangenen Jahr haben folglich in erster Linie

diejenigen Existenzgründer ihr Gründungsvorhaben in die Tat umgesetzt, die eine

besondere Beharrlichkeit und Zuversicht mitgebracht haben. Auf der anderen Seite

dürfte die Kurzarbeit dazu beigetragen haben, dass nicht mehr Menschen aus der

Not heraus eine selbständige Tätigkeit aufnahmen.

Die existenzbedrohende Lage, in die viele Selbstständige durch die Corona-Krise

gerutscht sind, hat im vergangenen Jahr offenbar viele Gründungsinteressierte

abgeschreckt, bevor sie Gründungspläne überhaupt entwickeln haben. Entsprechend

stark ist die "Planungstätigkeit" eingebrochen: Der Anteil von Erwerbsfähigen

(18-64-Jährige) mit Gründungsplänen sank von 6,4 % im Jahr 2019 auf 4,4 % im

vergangenen Jahr. Gleichzeitig ging die Quote derjenigen, die ihre

Geschäftstätigkeit innerhalb der nächsten 12 Monate aufnehmen wollen, von 3,2 %

auf 2,6 % zurück. Die rückläufige Planungsquote 2020 ist aber nur auf den ersten

Blick ein negatives Signal für die Gründungstätigkeit 2021.

"Nach dem coronabedingten Einbruch der Gründungstätigkeit in Deutschland

verspricht 2021 ein gutes Gründungsjahr zu werden. Der konjunkturelle Aufschwung

gibt Rückenwind und auch der Arbeitsmarkt dürfte eher positiv auf die

Gründungstätigkeit wirken", sagt Dr. Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der

KfW. "Hinzu kommt: Viele Gründungsplanerinnen und -planer wollten eigentlich

bereits 2020 gründen - sie haben ihre Projekte aufgrund der Corona-Krise nur

verschoben. Sie sind im Planungsprozess weit vorangeschritten und nah an der

Umsetzung. Auch davon dürfte die diesjährige Gründungstätigkeit profitieren."

Weitere zentrale Ergebnisse des KfW-Gründungsmonitors sind:

- Innovative Gründungen, das sind Existenzgründungen mit Forschungs- und

Entwicklungs-Aktivitäten, machten 13 % Gründungen 2020 aus, 24 % waren

wachstumsorientierte Gründungen. Internetbasierte Gründungen, bei denen das

Internet Kernelement des Unternehmens ist, erreichten einen Anteil von 31 %

aus und digitale Gründungen, deren Angebot nur durch den Einsatz digitaler

Technologien nutzbar ist, kamen auf 26 %.

- Im Länderranking steht Berlin weiter mit Abstand an der Spitze. Dort haben im

Durchschnitt der Jahre 2018-2020 von 10.000 Erwerbsfähigen jährlich 181

Personen eine selbstständige Tätigkeit begonnen. Brandenburg, das von der

Ausstrahlung der überdurchschnittlichen Berliner Gründungstätigkeit auf die

Peripherie profitiert hatte, ist aufgrund coronabedingt rückläufiger

Gründungstätigkeit vom zweiten Platz wieder auf Platz 5 abgerutscht (104

Gründungen je 10.000 Erwerbsfähige). Auf Platz 2 kommt nun Hamburg (129) vor

Schleswig-Holstein (120) auf Platz 3. Platz 4 belegt Bayern (109)

- Nach einem Jahr Corona-Krise gehen Gründerinnen und Gründer mit dem

Gründungsstandort Deutschland insgesamt hart ins Gericht. Nur die Benotungen

des freien Marktzugangs (Schulnotenskala: 2,3), der Beratungsangebote (2,6),

des Zugangs zu öffentlichen Fördermitteln (3,3) und die Kreditverfügbarkeit

(3,7) blieben auf dem gewohnten Level. Die anderen Faktoren wurden dagegen

etwa eine halbe Note bis eineinhalb Noten abgewertet. Die Benotungen der

gesetzlichen Regelungen (4,3; +1,3), der bürokratischen Informations- und

Berichtspflichten (4,6; +1,2) sowie der steuerlichen Belastung (4,4; +0,8)

verschlechterten sich am stärksten.

Der aktuelle KfW-Gründungsmonitor ist abrufbar unter

http://www.kfw.de/gruendungsmonitor

Zum Datenhintergrund:

Der KfW-Gründungsmonitor ist eine repräsentative, seit dem Jahr 2000 jährlich

durchgeführte, telefonische Bevölkerungsbefragung zum Gründungsgeschehen in

Deutschland. Er basiert auf Angaben von 50.000 zufällig ausgewählten, in

Deutschland ansässigen Personen. Gründer werden dabei breit erfasst: Ob im Voll-

oder Nebenerwerb, ob Freiberufler oder Gewerbetreibender, ob Neugründung oder

Übernahme. Der KfW-Gründungsmonitor liefert damit ein umfassendes Bild der

Gründungstätigkeit in Deutschland. Detail gibt es unter

http://www.kfw.de/gruendungsmonitor

Pressekontakt:

KfW, Palmengartenstr. 5 - 9, 60325 Frankfurt

Kommunikation (KOM), Christine Volk

Tel. +49 (0)69 7431 3867, Fax: +49 (0)69 7431 3266,

E-Mail: mailto:christine.volk@kfw.de, Internet: http://www.kfw.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/41193/4954840

OTS: KfW