Kommentar zur Festnahme von Cum-Ex-Architekt Berger in der Schweiz: Zu

früh gefreut

Berlin (ots) - Hanno Berger wird es sich ganz anders gedacht haben, als er sich

Ende November 2012 in die Schweiz absetzte. Er wird geglaubt haben, dass er dort

vor den deutschen Strafbehörden sicher ist. Über acht Jahre hatte die

Schlüsselfigur im größten Steuerskandal der bundesdeutschen Geschichte damit

recht, doch nun wurde er von den Schweizer Behörden festgenommen. Ihm drohen

Auslieferung nach Deutschland und ein Prozess wegen besonders schwerer

Steuerhinterziehung.

Dass Hanno Berger jetzt vor Gericht für seine Verwicklung in den Cum-Ex-Skandal

herangezogen wird, ist ein wichtiger Schritt in der Aufarbeitung der

Angelegenheit. Schließlich geht es bei Bergers Rolle nicht allein um den

dreistelligen Millionenbetrag, der ihm selbst zur Last gelegt wird. Der nicht

mehr Flüchtige gilt als der führende Berater und Initiator dieser illegalen

Aktiengeschäfte rund um den Dividendenstichtag mit dem Ziel, sich eine nur

einmal gezahlte Kapitalertragssteuer mehrfach (zurück) zu erschleichen. Berger

soll dabei laut Medienberichten auch die Warburgbank (SPD-Kanzlerkandidat Scholz

lässt grüßen) sowie den Sheridan-Fonds (Carsten Maschmeyer lässt grüßen) beraten

haben.

Zusammen mit den ähnlich gelagerten Cum-Cum-Deals entstand dem Staat durch

Cum-Ex ein Schaden von rund 55 Milliarden Euro, der in den Schulen, in der

Pflege oder in den Krankenhäusern fehlt. Dass es für diese Deals nicht nur

finanzwirtschaftliches Geschick, sondern auch genügend kriminelle Energie

brauchte, liegt auf der Hand. Auch wenn sich die Täter im Nadelstreifenanzug

gerne auf die Position zurückzogen, dass Cum-Ex gar nicht kriminell gewesen sei.

Doch das kann spätestens nach den ersten Verurteilungen und der Einstufung der

Geschäfte vom Oberlandesgericht Frankfurt als gewerbsmäßigem Bandenbetrug keiner

mehr behaupten. Und Hanno Berger kann sich jetzt nicht mehr im Steuerparadies

Schweiz in Sicherheit wiegen. Da hat er sich zu früh gefreut.

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