Deutsche Mieten in karibischen Steuer-Oasen / Wie Immobilienfonds den

Fiskus umgehen

Saarbrücken (ots) - Ein komplexes internationales Firmennetzwerk verdient an

tausenden Wohnungen im Saarland und in Deutschland - und bedient sich dabei

zahlreicher Steuertricks. Das ist das Ergebnis der Bürgerrecherche "Wem gehört

das Saarland?", die der Saarländische Rundfunk und CORRECTIV gemeinsam

durchgeführt haben. Auf der einen Seite klagen Mieter im Saarland darüber, dass

sich die Eigentümer kaum um die Immobilien kümmern. Auf der anderen Seite

vermeiden große Immobilienfonds systematisch Steuern - der Schaden für die

Staatskasse dürfte in die Millionen gehen.

SR und CORRECTIV haben dank Hinweisen von Mietern ein weltweites Firmennetzwerk

aufgedeckt, dem bis zum Jahreswechsel 2020/21 mindestens 2.000 Wohnungen in

Deutschland gehören. Dahinter stehen unter anderem Mitglieder einer schottischen

Adels-Familie, des Gordon-Clans. Es geht um Wohnblöcke im saarländischen

Ottweiler, in Lüdenscheid und Detmold in Nordrhein-Westfalen oder in Naumburg in

Sachsen-Anhalt. Auch Immobilien in Niedersachsen und Bayern sind diesem Netzwerk

zuzurechnen.

Die Recherchen von SR und CORRECTIV zeigen: Die Mieten aus der Provinz werden in

Deutschland kaum versteuert. Stattdessen gelangen die Gewinne durch legale

Steuertricks über Briefkastenfirmen in mehr als 10 Schritten von Luxemburg bis

auf die Britischen Jungferninseln. Dort werden keine Steuern fällig.

Darüber hinaus nutzen die Investoren ein weiteres legales Steuerschlupfloch, so

genannte Share Deals. Dadurch haben sie beim Kauf der Immobilien als

Gesellschaftsanteile keine Grunderwerbsteuer gezahlt und so Millionen gespart.

Zudem werden bei Share Deals die tatsächlichen Eigentümer verschleiert, da die

Immobilie im Besitz derselben Firma bleibt und nur die Gesellschafter hinter der

Firmenhülle wechseln.

Und das Immobilienkarussell dreht sich weiter. Während der Recherchen, kurz vor

der Veröffentlichung, wurden die Firmen, und damit die mindestens 2.000

Wohnungen, erneut verkauft. Wieder im Rahmen eines Share Deals.

Wie hoch der Schaden für die Staatskasse insgesamt ist, lässt sich kaum

beziffern. Einzelne Firmen aus dem Netzwerk haben auf konkrete Fragen von SR und

CORRECTIV lediglich geantwortet, dass man sich an das Gesetz halte. Der

schottische Gordon-Clan ließ einen Fragenkatalog unbeantwortet.

Pressekontakt:

CORRECTIV: Jonathan Sachse/ jonathan.sachse@correctiv.org/ 015128596606

SR-Rechercheteam: Volker Roth/ vroth@sr.de/ 0173 6189995 Niklas Resch/

nresch@sr.de/ 0163 8687974

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/34548/4828668

OTS: SR Saarländischer Rundfunk