VDE fordert Fokussierung auf systemrelevante Schlüsseltechnologien

Mikroelektronik und Photonik / Gezielt fördern und Deutschland in KI,

Industrie 4.0, Mobilität und Quantentechnologien stärken (FOTO)

Frankfurt am Main (ots) - In zwei Positionspapieren forderte die

Technologieorganisation VDE heute die gezielte Förderung der

Schlüsseltechnologien Mikroelektronik und Photonik. "Wir stehen vor einem

Paradigmenwechsel. Deutschland und Europa muss jetzt die Chancen der

photonisch-elektronischen Integration in Zukunftsfeldern wie Kommunikation,

Künstliche Intelligenz (KI), Industrie 4.0, Mobilität und Quantentechnologien

vorantreiben", so der VDE. Der Absatzmarkt ist weltweit heiß umkämpft. Für die

Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und den damit verbundenen

Geschäftsmodellen ist die effiziente Informationsverarbeitung, -verteilung und

-speicherung ausschlaggebend. Integrierte photonische Transceiver auf Mikrochips

bieten hier ein enormes Verbesserungspotenzial, was die erreichbare Datenrate,

Reichweite, Energieeffizienz und Kompaktheit angeht. Allein der Markt für

Siliziumphotonik-Komponenten wird auf 3,5 Mrd. USD im Jahr 2025 geschätzt. Die

deutsche Photonik-Industrie hatte 2019 einen Umsatz von 37,5 Mrd. Euro. Und die

Wachstumsgrenze ist nach oben offen.

Chipmangel zeigt Abhängigkeit der deutschen Industrie

Die Mikroelektronik stößt mittlerweile an ihre produktionstechnischen Grenzen

und benötigt die Photonik in der Prozessortechnologie, der Datenkommunikation

und der Sensorik als notwendige Ergänzung. Nur durch eine intelligente

Integration von Elektronik und Photonik können beide Technologien ihre volle

Wirkung entfalten und den rapide steigenden Datenraten und neuen Anwendungen wie

Internet of Things, Industrie 4.0, Autonomes Fahren oder Quantentechnologien

gerecht werden. Um auf dem lukrativen Weltmarkt mithalten und damit den

Wohlstand langfristig wahren zu können, muss Europa, allen voran Deutschland,

bei der Mikroelektronik jedoch gehörig aufholen und den Aufbau eigener

Mikroelektronikfertigungen mit einer starken Forschung und Entwicklung sehr viel

stärker und engagierter forcieren.

"Die systemrelevante Chip-Industrie hat Auswirkungen auf die gesamte

Volkswirtschaft. Die aktuelle Krise in der Autoindustrie zeigt, wie hoch die

Abhängigkeit unserer Industrie von Halbleiterherstellern in Asien und USA ist",

erläutert der VDE. Zentraler Bestandteil muss eine europäisch abgestimmte

Industriepolitik sein, bei deren Definition Deutschland die Vorreiterrolle

übernehmen muss, so die Forderung. Deutschland und Europa können ihre

technologische Souveränität wiedererlangen - wenn der politische Wille da ist.

Nicht zögern, fördern. Und zwar mit Weitsicht.

Die bisherigen Maßnahmen reichen nicht aus, weil insbesondere die USA und Asien,

allen voran Japan, China und Korea, die strategische Wichtigkeit der

Mikroelektronik erkannt haben und ihr Aufbau seit Jahren massiv vorangetrieben

wird. Jetzt kommt die große Hebelwirkung der Photonik hinzu, dies gilt es

auszubauen. Gerade im Hochtechnologiebereich gibt es sehr große Risiken. Häufig

werden Themen nicht von Unternehmen gestartet, sondern erst später ab einer

gewissen Reifestufe von diesen aufgegriffen. "Deutschland belegt sehr oft einen

Spitzenplatz bei den besten Ideen. Es gelingt jedoch nicht, diese in innovative

Produkte umzusetzen. Europa hat die Wahl, halbherzig weiterzumachen, oder einen

eigenen Masterplan "Electronics for Europe" aufzustellen mit einer abgestimmten

Industriepolitik und entsprechenden Anschubfinanzierungen", so der VDE. In der

Photonik spiele Deutschland nach wie vor oben mit, diese Chance dürfe nicht

vertan werden, warnt der VDE.

Weniger Einschreibungen in der E-Technik: Ingenieurmangel bremst Forschung aus

Ob Europa seine technologische Souveränität erlangen kann, ist auch abhängig

davon, ob genügend Know-how, sprich Humankapital vorhanden ist. Denn nur mit

Fachkräften und deren Know-how sind Innovationen zu erwarten. "Und gerade hier

müssen wir dringend nachbessern. Die aktuellen Einschreibezahlen in der Elektro-

und Informationstechnik sind rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr haben sich

laut aktuell gemeldeten Studienanfängerzahlen des Statistischen Bundesamtes 14,5

Prozent weniger Anfänger und Anfängerinnen in das Fach Elektrotechnik und

Informationstechnik eingeschrieben. Im Maschinenbau (-9,6 Prozent) und in der

Informatik (-4,8 Prozent) waren die Rückgänge nicht so drastisch", alarmiert der

VDE. Deutschland könne sich einen Mangel an E-Ingenieurinnen und E-Ingenieuren

volkswirtschaftlich nicht leisten. "Unsere Industrie steuert nach wie vor

ungebremst auf einen Expertenmangel zu. Der demographische Wandel - in den

nächsten Jahren gehen tausende von E-Ingenieuren in den Ruhestand - und die

digitale Transformation, die durch Corona noch verstärkt wurde, vergrößern die

Lücke an Elektroingenieurinnen und -ingenieuren. Daran ändert auch COVID-19

nichts", erklärt der VDE. Auch hier mache es Asien, allen voran China, uns vor:

In den Grundschulen werden die Kinder bereits spielerisch an Programmierung und

Elektronik herangeführt, währenddessen der Lehrplan in den Grundschulen

hierzulande Technik vermissen lasse. Informatik sei auch an den weiterführenden

Schulen längst kein Pflichtfach und Technik kein Bestandteil des Lehrplans.

Die beiden VDE Positionspapiere "Hidden Electronics" (https://www.vde.com/resour

ce/blob/2015750/812df166975f386e6cf32d909e102304/vde-positionspapier-hidden-elec

tronics-ii-data.pdf) und "Photonisch-elektronische Integration -

Schlüsseltechnologie für Kommunikationstechnik und Sensorik" (https://www.vde.co

m/resource/blob/2015766/0240d991b0cdeb5de265b17810396214/vde-positionspapier-pho

tonisch-elektronische-integration-data.pdf) sind kostenfrei im VDE Shop unter

http://www.vde.com erhältlich.

Über den VDE:

Der VDE, eine der größten Technologie-Organisationen Europas, steht seit mehr

als 125 Jahren für Innovation und technologischen Fortschritt. Als einzige

Organisation weltweit vereint der VDE dabei Wissenschaft, Standardisierung,

Prüfung, Zertifizierung und Anwendungsberatung unter einem Dach. Das VDE Zeichen

gilt seit 100 Jahren als Synonym für höchste Sicherheitsstandards und

Verbraucherschutz. Wir setzen uns ein für die Forschungs- und Nachwuchsförderung

und für das lebenslange Lernen mit Weiterbildungsangeboten "on the job". 2.000

Mitarbeiter an über 60 Standorten weltweit, mehr als 100.000 ehrenamtliche

Experten und rund 1.500 Unternehmen gestalten im Netzwerk VDE eine lebenswerte

Zukunft: vernetzt, digital, elektrisch. Wir gestalten die e-diale Zukunft.

Hauptsitz des VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik und Informationstechnik

e.V.) ist Frankfurt am Main. Mehr Informationen unter http://www.vde.com .

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OTS: VDE Verb. der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik