Jahrespressekonferenz Verband Deutscher Großbäckereien e.V. am

18.11.2021 (FOTO)

Gütersloh/Düsseldorf (ots) - "Trotz schwieriger Aufgaben sind zufriedene Kunden

das Wichtigste." / Prof. Dr. Ulrike Detmers, Präsidentin Verband Deutscher

Großbäckereien.

Herausforderungen jetzt und zukünftig müssen zum Wohle der Brot- und

Backwarenvielfalt gestemmt werden

Die Präsidentin des Verbands Deutscher Großbäckereien hebt in der

Jahrespressekonferenz hervor, dass die Hersteller von Brot und Backwaren trotz

schwieriger Aufgaben die Kundenzufriedenheit nicht aus den Augen verlieren. Die

Brotvielfalt der deutschen Handwerks- und Großbäckereien muss weiter gefördert

werden, davon ist Detmers, die seit 2013 Präsidentin des Verbands Deutscher

Großbäckereien ist, überzeugt. Jedoch werden die Herausforderungen jetzt und

zukünftig allen Akteuren der Branche viele gute Entscheidungen abverlangen.

Der Verband Deutscher Großbäckereien e.V. ist seit mehr als 100 Jahren der

Fachverband der Filial- und Liefer-Großbäckereien. Die Mitgliedschaft ist

freiwillig. Die im Verband organisierten Großbäckereien bestehen aus zwei

Gruppen:

- Lieferbäckereien

- Filialbäckereien.

In Deutschland repräsentieren Filial- und Lieferbäckereien den weitaus größten

Teil des Branchenumsatzes. 2019 (neuere statistische Zahlen liegen noch nicht

vor) erreichte der Branchenumsatz insgesamt rund 21 Milliarden Euro.

Lieferbäckereien liefern verpacktes Brot an den Lebensmitteleinzelhandel und an

Discounter, aber auch an Großverbraucher wie Kliniken, Universitäten,

Unternehmen oder Kantinen. Für den Außer-Haus-Verzehr werden auch die

Gastronomie, Hotellerie, Burger-Ketten, Tankstellen und andere Versorger

beliefert. Seit einigen Jahren finden sich Produkte der Filialbäckereien auch im

Lebensmitteleinzelhandel. Das bezieht sich insbesondere auf Backstationen, in

denen unverpackte Brot und Backwaren in Selbstbedienung angeboten werden. Der

Marktanteil der Lieferbäckereien wird auf rund 45 Prozent geschätzt - mit leicht

ansteigender Tendenz.

Filialbäckereien sind meist Teil eines großen Filialnetzes und werden entweder

in Eigenregie oder über Franchise-Modelle betrieben.

Die größten Filialbäckereien in Deutschland haben mehrere hundert Filialen, zum

Teil auch im Lebensmitteleinzelhandel. Die 10 größten Filialbäckereien hatten

2021 fast 5.200 Filialen.

Filialbäckereien liefern unverpacktes Brot und Backwaren im Bedienungsverkauf

"über die Theke". Sie sind in erster Linie zuständig für die Versorgung des

unmittelbaren Umfelds, aber auch für den Reiseverkehr über Filialen in Bahnhöfen

und Flughäfen. Kennzeichnend für Filialbäckereien ist meist die dezentrale

Produktion, d.h. die Backwaren werden oft in den Filialen "just in time" fertig

gebacken und stehen so je nach Bedarf für die Verbraucher frisch zur Verfügung.

Der Marktanteil der Filialbäckereien wird auf 40 Prozent geschätzt.

Rund 15 Prozent vom Gesamtumsatz in Höhe von fast 21 Milliarden Euro (2019)

erzielten Kleinbetriebe mit bis zu 1 Million Euro Jahresumsatz.

Steigende Kosten belasten die Betriebsergebnisse jetzt und im schlimmsten Fall

auch zukünftig

Preissteigerungen Weizen und Roggen

Die Hauptbrotgetreidearten Weizen und Roggen sind zum Vorjahr um 60 Prozent

(Weizen) und 70 Prozent (Roggen) gestiegen. Ursächlich sind schlechtere

Qualitäten - dazu gehört auch ein wachsender Anteil an Schmachtkorn (kümmerlich

ausgebildetes Getreidekorn). Der Klimawandel schlägt hier zu Buche. Während der

Wachstumszeit gab es zu wenig Sonne und während der Erntezeit zu viel Regen und

aufgeweichte Böden erschwerten den Bauern die Ernte. Der US-amerikanische

Erntebericht weist darauf hin, dass die Weizenvorräte sehr stark reduziert

worden sind.

Preissteigerungen Ölsaaten

Sonnenblumen- und Kürbiskerne sowie Leinsamen und Sesam sind im Preis um 30

Prozent zum Vorjahr teurer geworden. Die Preisentwicklung nach oben wird sich

aller Voraussicht nach fortsetzen, insbesondere auch deshalb, weil chinesische

Einfuhren kritisch bewertet werden.

Preissteigerungen Margarine und Obst

Margarine und Obstsorten, insbesondere für Tiefkühlkuchen verwendet, haben im

Preis gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent zugelegt.

Preissteigerungen Energie, Kartonagen, Folien, Etiketten und Logistik

Energiekosten haben sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Kartonagen

für den Transport der Brote und Backwaren sowie Folien für das hygienische

Verpacken sind um 30 bis 40 Prozent im Beschaffungspreis angestiegen. Die Preise

für Brot-Etiketten sind um 20 bis 25 Prozent heraufgegangen. Die Kosten für den

Transport vom Herstellerbetrieb bis zum Lebensmitteleinzelhändler schlagen mit

40 Prozent mehr gegenüber dem Vorjahr zu Buche.

Kostensteigerung durch die Anhebung von Löhnen und Gehältern

Tarifabschlüsse exemplarisch Nordrhein-Westfalen:

Am dem 1. Juli 2021 steigen die Entgelte um 2,2 Prozent und um weitere 2,3

Prozent ab dem 1. April 2022.

Ein Corona-Bonus in Höhe von 200 EUR netto (Teilzeit anteilig, Azubis 100 EUR)

wurde vereinbart. Der Tarifvertrag ist zum 31. März 2023 kündbar.

Zwischenfazit

Für die vielfältigen Kostensteigerungen, die aktuell die Betriebsergebnisse

belasten, gibt es auch für 2022 keine Entwarnung. Und das sind die vermuteten

Ursachen:

- Die Weltbevölkerung wächst weiter.

- Die geopolitischen Konflikte um die Sicherung von Rohstoffquellen bestehen

weiter.

- Der Klimawandel produziert weiter Umweltschäden, die die Ernteerträge

gefährden.

- Deutschland gehen die Talente aus. Die Mangellage auf dem Arbeitsmarkt für

Fach- und Führungskräfte spitzt sich in den nächsten 10 Jahren beständig zu.

Umfragedaten zeigen, dass sich Unternehmer der problematischen Lage bei dem

Mangel an Fach- und Führungskräften sehr bewusst sind.

Zahlen und Fakten Personal und Tarifverhandlungen

- Unsere Mitgliedsunternehmen beschäftigen rd. 27.500 Arbeitnehmerinnen und

Arbeitnehmer. Insgesamt dürften in den Großbäckereien rd. 34.500 abhängig

Beschäftigte tätig sein.

- Erfreulicherweise ist auch bei den Liefer-Großbäckern die Zahl der

Auszubildenden in den letzten Jahren wieder gestiegen, bei den

Filial-Großbäckereien war sie immer schon stärker.

Geschätzt dürften sich derzeit rd. 400-500 Personen in der Ausbildung bei

unseren Unternehmen befinden.

- Der Anteil an Frauen in leitenden Positionen wächst weiter an. Mitgliedsfirmen

haben teilweise einen Frauenanteil im Top-Management von bis zu 50 Prozent.

Herausforderung Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Lieferketten

Ethical-Trade-Audits

Ethical- Trade-Audits gewinnen an Relevanz. Sie umfassen die Bereiche

Arbeitsnormen sowie Gesundheit und Sicherheit, Menschenrechte,

Managementsysteme, Arbeitsberechtigung, Unterauftragsvergabe und Heimarbeit.

Ethical-Trade-Audits verfolgen das Ziel, verantwortungsvolle und ethische

Geschäftspraktiken in globalen Lieferketten zu implementieren.

Ethical-Trade-Zertifikate werden in Zukunft das Geschäftsleben und den

Geschäftserfolg beeinflussen.

Umweltschutz

Die Organisation eines Umweltmanagementsystems (UMS) basiert primär auf den

Anforderungen der ISO 14001.

Handelskonzerne verlangen von ihren Lieferanten die Ableitung von Umweltzielen

und Maßnahmen für die nächsten Jahre.

Die Organisation überprüft regelmäßig durch Überwachung, Messung, Analyse und

Bewertung ihre selbstgesetzten Umweltkennzahlen wie z.B. Senkung des

Energieverbrauchs, Senkung des Abfallaufkommens, Recyclingfähigkeit und

Materialeffizienz (Senkung des Verpackungsmaterials).

Lieferketten

Das neue Lieferkettensorgfaltsgesetz verpflichtet Unternehmen dazu, mit

Herstellerpartnern im Wertschöpfungsnetzwerk anerkannte Sozialstandards zu

implementieren - das gilt auch für sogenannte Rohwarenerzeuger in Risikoländern

entsprechend der BSCI-Einstufung. BSCI= Business Social Compliance Initiative.

Regelmäßige Third Party Audits sind Teil des Programms.

Großbäckereien unterstützen Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie der

Bundesregierung für Zucker, Fette und Salz in Fertigprodukten

Die Mitglieder des Verbandes Deutscher Großbäckereien e.V. haben im Rahmen einer

Selbstverpflichtung gegenüber dem Bundesernährungsministerium die "Nationale

Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in

Fertigprodukten" unterzeichnet. "Damit leisten die Großbäckereien einen

freiwilligen Beitrag zur Bekämpfung von Übergewicht und daraus resultierender

Krankheiten", erklärte die Präsidentin des Verbandes Deutscher Großbäckereien,

Prof. Dr. Ulrike Detmers.

Bereits in den vergangenen Jahren sei es gelungen, Salzgehalt über verbesserte

Rezepturen und Verfahrenstechniken ohne geschmackliche Einbußen zu reduzieren.

"Dadurch konnten sich die Verbraucher an den salzärmeren Geschmack gewöhnen,

ohne dass der ernährungsphysiologisch wichtige Brotverzehr zurückging.", so

Detmers.

In der Selbstverpflichtung wird jetzt zugesichert, bis Ende 2025 über das

gesamte verpackte Backwarensortiment einen durchschnittlichen Gehalt von 1,1 g

Salz/100g Fertigprodukt zu erreichen. Laugengebäck und andere Spezialprodukte

seien durch die Verpflichtung allerdings nicht erfasst. In fast zehn Jahren

würden die Großbäckereien damit eine Reduzierung des Salzgehaltes um nahezu ein

Viertel erreichen.

Auch bei der Verwendung von Trans-Fettsäuren habe es eine erfreuliche

Entwicklung gegeben. Entweder seien die Trans-Fettsäuren komplett entfernt

worden oder ihr Anteil liege unterhalb der auf EU-Ebene verordneten

Zwei-Prozent-Schwelle.

Absatzverteilung von Brot in Deutschland nach Sorten im Jahr 2020

- Mischbrot 24,2 % Weizenbrot 7,4 %

- Toastbrot 25,6 % Roggenbrot 5,9 %

- Körner + Saaten 14,9 % Dinkel 3,8 %

- Vollkornbrot/ Schwarzbrot 11,4 % Sonstige 6,9 %

Brotverbrauch: rd. 59,6 kg/Haushalt.

Seit März 2020 ist durch die Corona-Pandemie vieles anders geworden.

KURZ und KNAPP: DIE FOLGEN DER CORONAKRISE:

Die Pandemie hält uns nach wie vor in Atem: Stand Anfang Mai 2021 haben sich in

Deutschland insgesamt mehr als 3,4 Millionen Menschen infiziert, über 80.000

sind in Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion gestorben, das ist ungefähr

einer von 1.000 Bundesbürgern. Global sind über 153 Millionen Infizierte und 3,2

Millionen Todesfälle zu beklagen.

Digitalisiert Corona die Arbeitswelt?

- Corona beschleunigt laut Untersuchungen die Digitalisierung der Arbeitswelt.

- Der Anteil aller Beschäftigten, die im Homeoffice arbeiten, ist durch Corona

von zwölf auf 25 Prozent gestiegen. Das erhöht nicht nur auf Unternehmen den

Druck, eine digitale Infrastruktur für das Arbeiten von Zuhause zu schaffen.

Es kommt auch die politisch diskutierte Frage auf, ob ein Recht auf Homeoffice

gesetzlich verankert werden muss.

- Laut Studien wird Homeoffice überwiegend als positiv bewertet.

Welche Auswirkungen hat Corona auf die Wirtschaft?

- Die deutsche Wirtschaft hat 2020 die schwerste Rezession der

Nachkriegsgeschichte erlebt.

- Das Bruttoinlandsprodukt ist 2020 um 4,9 Prozent gegenüber 2019

zurückgegangen.

- Der Arbeitsmarkt wurde 2020 laut Bundesagentur für Arbeit durch den massiven

Einsatz von Kurzarbeit gestützt.

- Inwiefern sich Deutschland und der Euroraum von den Auswirkungen der Krise

erholen wird, ist derzeit nicht abzuschätzen.

Wie verändert Corona unsere Gesellschaft?

- Die Mehrheit der Deutschen hält die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie für

angemessen und hat sich an die Maskenpflicht gewöhnt.

- Die Krise macht soziale Unterschiede sichtbarer und verschärft die Probleme

bestimmter Bevölkerungsgruppen.

- Frauen leisten noch mehr unbezahlte Arbeit als vor der Krise, gleichzeitig ist

der Beitrag von Vätern zur Care-Arbeit gestiegen. Ob es mehr

Gleichberechtigung geben wird oder ob traditionelle Geschlechterrollen

festgeschrieben werden, wird sich erst noch zeigen.

- Die häusliche Gewalt nimmt seit der ersten Phase der coronabedingten

Einschränkungen des öffentlichen Lebens zu.

- Auch die Auswirkungen der Viruskrise auf die Psyche sind enorm: Die massiven

Einschränkungen im Alltag fördern bei vielen Menschen das Entstehen von

Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen sowie psychosomatischen Beschwerden.

- Unter der Krise leiden vor allem auch Kinder und Jugendliche. Einige Studien

kommen zu dem Ergebnis, dass es ihnen seit der Pandemie deutlich.

- Verunsicherung der Verbraucher wächst.

Die Angst vor den Folgen der nächsten Corona-Welle, nachlassende

Konjunkturerwartungen und die anziehende Inflation schüren Unsicherheit unter

den Verbrauchern. Das GfK-Konsumklima sinkt.

- Der Trend geht zum Vorratseinkauf.

Die Corona-Pandemie könnte das Einkaufen in Deutschland Marktforschern zufolge

dauerhaft verändert haben. Zum spontanen Shoppen im Laden um die Ecke kommt es

immer seltener.

- Bundesbank fürchtet langsamere Erholung.

Die Delta-Variante und steigende Infektionszahlen machen der Bundesbank Sorgen.

Die Konjunktur werde sich daher womöglich langsamer erholen als noch vor wenigen

Wochen vorhergesagt. Die Sommermonate brächten aber einen Wachstumsschub.

Pressekontakt:

Verband Deutscher Großbäckereien e.V.

Herrn Armin Juncker

Hauptgeschäftsführer

Vogelsanger Weg 111

40470 Düsseldorf

Telefon: +49 211 653086

Telefax: +49 211 653088

E-Mail: mailto:Juncker@grossbaecker.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/16993/5076641

OTS: Verband Deutscher Großbäckereien e.V.