Stichprobe der Verbraucherzentrale NRW bei zehn Banken /

Konditionen-Wirrwarr bei gebührenfreien Gehaltskonten

Düsseldorf (ots) - Ein kostenloses Girokonto erfordert bei vielen

Geldinstituten, dass Kunden das Konto als Haupt- oder als Gehaltskonto mit

regelmäßig eingehenden Beträgen führen. Andernfalls fallen teils deftige

Gebühren an. Die Verbraucherzentrale NRW hat zehn Banken gefragt, wie hoch der

monatliche Geldeingang sein muss und ob neben der Gehaltsüberweisung auch andere

Gutschriften anerkannt werden: etwa Arbeitslosengeld, Mieten oder

Eigenüberweisungen.

Das Ergebnis: Heftige Unterschiede gab es bei der Höhe des Mindestgeldeingangs.

So forderte die Targobank beim Online-Konto 600 Euro pro Monat; alternativ

konnte ein Gesamtguthaben von mindestens 10.000 Euro die Strafgebühr abwenden.

Monatlich 700 Euro wollten DKB, ING und 1.822direkt sehen.

Kunden der Commerzbank und Stadtsparkasse Düsseldorf mussten dagegen schon

1.200, bzw. 1.250 Euro aufbringen. Selbst innerhalb einer Bankengruppe herrschte

keine Einigkeit. Während die PSD Westfalen-Lippe auf mindestens 1.000 Euro

bestand, akzeptierte die PSD Rhein-Ruhr jeglichen Geldeingang: vorausgesetzt er

stammte aus einer Gehalts- oder Rentenzahlung. So hielt es auch die Sparda West.

"Wer hat, der muss nicht zahlen" - unter diesem Motto stand das "Extra

plus"-Girokonto der Postbank. 3.000 Euro monatlich brauchte es hier, um von

Kosten für die Kontoführung verschont zu bleiben. Wer die nicht aufbrachte,

zahlte satte 10,90 Euro pro Monat. Oder wechselte zum einfachen

Online-Girokonto, für das die Postbank 1,90 Euro pro Monat kassierte.

Happige Strafen waren auch bei der Konkurrenz üblich, wenn Bedingungen nicht

eingehalten wurde. Das "0-Euro-Konto" der Commerzbank verteuerte sich dann mal

eben auf 9,90 Euro im Monat. Die PSD Rhein-Ruhr rief monatlich 7,50 Euro auf.

Moderat wirkten da die drei Euro, die auf Sparda-West-Kunden zukamen.

Kurios waren die Konsequenzen bei der DKB. Statt mit schnöden

Kontoführungsgebühren ärgerte die Bank subtiler: etwa mit der Erhöhung des

Dispozinses von 6,74 auf 7,34 Prozent. Und wer die DKB-Kreditkarte in Ländern

außerhalb der Euro-Zone zückte, durfte über eine 2,2-Prozent- Gebühr auf seiner

Abrechnung staunen.

Willkür fand sich auch beim zweiten Punkt der Verbraucherzentralen-Stichprobe:

Wo die Quelle des Geldeingangs entspringen muss? Ob außer dem Gehalt auch

Mieteinnahmen, Privatrente oder Arbeitslosengeld akzeptiert werden? Oder ob das

Hauptkonto bei einer anderen Bank geführt werden darf, von wo aus der

erforderliche Betrag zufließt?

Commerzbank, DKB, ING, Postbank und die Stadtsparkasse Düsseldorf fuhren in

diesem Punkt eine großzügige Linie. Sie interessierte das Woher nicht.

Strenger agierten Sparda West und PSD Rhein-Ruhr. Zum Mindesteingang zählten bei

beiden neben Gehalt und gesetzlicher Rente nur Lohnersatzleistungen wie Kranken-

und Arbeitslosengeld. Mietzahlungen und Eigenüberweisungen wurden hingegen

ebenso ausgeklammert wie Privatrenten und Zahlungen aus der betrieblichen

Altersvorsorge.

Bei der PSD Westfalen-Lippe reichte Arbeitslosengeld nicht als Entree fürs

0-Euro-Konto. Rigeros in der Stichprobe war auch die Ansage der Targobank. Hier

zählten allein Gehalt und gesetzliche Rente. Kunden, die hier oder bei der PSD

Westfalen-Lippe ein kostenloses Gehaltskonto führen und von Arbeitslosigkeit

bedroht sind, sollten das gut im Hinterkopf behalten.

Fazit: Viele kostenlose Girokonten warten mit einem Dschungel an

Einzelbedingungen auf. Den zu durchforsten, wird Kunden allerdings erschwert:

Kein Geldinstitut im Verbraucherzentralen-Check bot im Preisverzeichnis eine

detaillierte Auflistung von anerkannten und nicht akzeptierten Geldzuflüssen.

Ein Mangel an Transparenz, der zu bösen Überraschungen führen kann.

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