HANNOVER/WIESBADEN (dpa-AFX) - Mehr als eine halbe Million Beschäftigte der Chemie- und Pharmaindustrie in Deutschland haben ab der neuen Woche Anspruch auf eine brancheneigene Pflege-Zusatzversicherung. Die Arbeitgeber zahlen dabei Extra-Prämien für die Arbeitnehmer, um die Kosten im Fall späterer Pflegebedürftigkeit über die Leistungen der gesetzlichen Pflegekassen hinaus besser abzudecken. Das Modell war in der letzten Tarifrunde zwischen der Gewerkschaft IG BCE und dem Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) Ende 2019 vereinbart worden. Es greift von Donnerstag (1. Juli) an nun in einer ersten Stufe.

Laut den Verhandlungspartnern ist "Careflex" die bundesweite erste Form ergänzender Pflegeabsicherung für einen ganzen Wirtschaftszweig. So wolle man drohenden Lücken in der Finanzierung der Pflege in der alternden Gesellschaft vorbeugen. Die Basisleistung ist ein "fest vereinbartes Pflege-Monatsgeld" von 300 Euro, sollte ambulante Versorgung nötig werden. Für stationäre Pflege sind es 1000 Euro pro Monat. Eine gesonderte Gesundheitsprüfung müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zum Eintritt in die Zusatzversicherung nicht vornehmen lassen.

Grundsätzlich dürfen alle rund 450 000 Tarifbeschäftigten "Careflex" nutzen. Voraussetzung ist eine Mindestzeit von einem halben Jahr im Betrieb. Hinzu kommen können schrittweise etwa 130 000 außer Tarif Bezahlte und leitende Angestellte - zum Start sind es aus dieser Gruppe zunächst 90 000. Am Ende soll die überwiegende Zahl aller Belegschaftsmitglieder in den gut 1900 deutschen Chemie- und Pharmaunternehmen über das neue Konzept pflegeversichert sein.

Der vom Arbeitgeber übernommene Pro-Kopf-Monatsbeitrag beläuft sich in der Grundvariante auf 33,65 Euro. Falls ab Anfang 2024 Erhöhungen oder veränderte Leistungen beschlossen werden sollen, bedarf dies der Zustimmung eines Treuhänders, der IG BCE und des Arbeitgeberverbands. Die Zusatzversicherung selbst wird von einem Konsortium gemanagt./jap/DP/zb