GENF (dpa-AFX) - Die Coronavirus-Pandemie hat das Interesse am Pflegeberuf in vielen Ländern beflügelt. Mehr als 30 Prozent der nationalen Pflegeverbände weltweit hätten einen Anstieg der Bewerbungen verzeichnet, berichtete der internationalen Pflegeverband in Genf. Überwiegend hätten sich in reicheren Ländern mehr Interessenten für eine Ausbildung gemeldet.

Gleichzeitig wachse bei den Beschäftigten aber die Frustration über schlechte Bezahlung und hohe Arbeitsbelastung, sagte Geschäftsführer Howard Catton. Mehr als 20 Prozent der nationalen Pflegeverbände berichteten, dass ihre Mitglieder sich dagegen wehren wollten. Pflegekräfte in Dänemark haben für Mai bereits einen Streik angekündigt, wie die Präsidentin des dortigen Verbands, Grete Christensen, sagte.

Der Verband ist besorgt, weil die Ausbildung seit Ausbruch der Pandemie vielerorts unterbrochen oder erschwert wurde. Das mache es schwierig, alle Stellen zu besetzen. Schon vor einem Jahr fehlten nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit sechs Millionen Pflegekräfte. Dass reiche Länder Krankenschwestern und -pfleger im Ausland suchen, sei besorgniserregend, sagte Catton. Dort sei der Mangel noch größer als in den reicheren Ländern. Besser sei es, in gute Ausbildung, ein attraktives Arbeitsumfeld und ausreichende Löhne zu investieren.

Der 1899 gegründete Verband vertritt 130 Pflegeverbände weltweit mit 27 Millionen Mitgliedern. An der Umfrage beteiligten sich 64 Verbände./oe/DP/zb