ROSTOCK (dpa-AFX) - Der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, sieht trotz des angespannten Verhältnisses zu Russland keine Alternative zu Gesprächen. "Denn gerade, wenn alles hochkocht, wenn uns viele Dinge überhaupt nicht gefallen können, wenn die Spannungen zunehmen, ist es aus meiner Sicht der falscheste Weg, Dialog einzustellen, Gespräche nicht mehr zu führen, Kontakte und Brücken abzubrechen", sagte Brandenburgs früherer Ministerpräsident und Ex-SPD-Chef am Mittwoch im ZDF-Morgenmagazin. Das habe noch nie zu besseren Ergebnissen geführt. Er sei froh, dass die Regierung von Mecklenburg-Vorpommern daran festgehalten haben, den Russlandtag zu veranstalten. Auch Platzeck nimmt daran teil.

Das umstrittene deutsch-russische Wirtschaftstreffen beginnt am Vormittag in Rostock. Es wird wegen der Coronapandemie weitgehend digital ablaufen. In den vergangenen Tagen war angesichts der russischen Politik unter anderem gegenüber drei deutschen Nichtregierungsorganisationen Kritik an dem Treffen laut geworden.

Auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatte das Festhalten an dem Wirtschaftstreffen damit begründet, dass es besser sei, im Dialog zu bleiben, anstatt Brücken abzubrechen. Neben Schwesig und Platzeck sind unter anderem der russische Industrie- und Handelsminister Denis Manturow, der russische Botschafter in Deutschland, Sergej Netschajew, und der Gouverneur des Leningrader Gebietes, Alexander Drosdenko, angekündigt.

Platzeck sagte, dass auch Wirtschaftsbeziehungen ein wichtiger Beitrag seien, um im Kontakt zu bleiben. Es bleibe dabei, dass engere Vernetzungen Schlimmeres auf jeden Fall verhinderten: "Wenn man gar keine Beziehungen mehr hat, keine Abhängigkeiten voneinander, keinen Kontakt, dann kann wirklich Dramatisches passieren."/gyd/DP/nas