Die Kompetenz bei der eigenen Geldanlage spielt bei Politikern keine große Rolle, selbst bei denen, die eigentlich die Expertise haben sollten. Wolfgang Schäuble gab in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung an, dass er sich nicht persönlich um seine Geldanlage kümmere und seinen Bankberater von der Volksbank freie Hand lasse. Da er sich nicht davon abhängig machen will, sagt der ehemalige Finanzminister zu dem Thema, „ich habe mir auch anerzogen, mich für Geld nicht zu sehr zu interessieren“.

Die Einstellung zur persönlichen Geldanlage von seinem Nachfolger im Finanzministerium ist ebenfalls äußerst fragwürdig. Olaf Scholz lässt laut eigener Aussage sein komplettes Vermögen auf dem Sparbuch liegen. Als Begründung gibt er an: „Ich habe das für mich, nicht nur, aber auch aus Zeitgründen immer so gemacht und muss ja jetzt nicht in allem ein Vorbild sein.“

Ist der nächste Kandidat ein Experte

Christian Lindner möchte nach der Wahl in die Rolle des Königsmachers schlüpfen und in der kommenden Regierung Finanzminister werden. Im ARD-Sommerinterview wurde ihm die Frage gestellt, wie er 10.000 Euro investieren würde. Dabei konnte er sich einen Seitenhieb auf Olaf Scholz und sein Sparbuch nicht verkneifen und verwies als Lösung auf drei ETFs. Damit antwortete er so, wie man es von einem börsenfreundlichen, wirtschaftsliberalen Politiker bei dem Thema Geldanlage erwartet.

Allerdings erstaunt auf den zweiten Blick die Auswahl der ETFs durch Christian Lindner. So schlägt er neben den MSCI World den Dow Jones und DAX als Basisindizes für die ETFs vor. Der MSCI World überrascht nicht, da der Index häufig für eine Basisstreuung empfohlen wird. Selbst die größte Position Apple (WKN: 865985) hat mit 4,25 % noch kein dominantes Gewicht. Allerdings liegt mit 67,57 % der klare Schwerpunkt auf den Vereinigten Staaten. Schwellenländer kommen dagegen gar nicht in dem Index vor.

Vor diesem Hintergrund verwundert die Empfehlung zum Dow Jones als weitere Beimischung. Der Index gilt aufgrund seiner geringen Unternehmenszahl, seltsamen Gewichtung und wenig repräsentativen Sektorzusammensetzung als veraltet. Hier sollten Anleger mit einem ETF auf den S&P 500 wesentlich besser fahren. Dieser wird auch von Warren Buffett oft empfohlen. Allerdings liegen hier bedeutend mehr Überschneidungen mit dem MSCI World vor.

DAX als Teil der persönlichen Geldanlage?

Die Empfehlung des DAX ist wahrscheinlich der Rolle von Christian Lindner als deutscher Politiker geschuldet. Viele DAX-Werte kommen aus zyklischen Bereichen wie der Automobilindustrie, Chemie oder Industrie. Daneben ist die Bedeutung der deutschen Unternehmen auf dem globalen Kapitalmarkt viel zu klein, um eine solche Übergewichtung zu rechtfertigen.

Hier sind für die persönliche ETF-Auswahl Indizes spannender, die auch kleinere deutsche Aktien berücksichtigen. Diese weisen oftmals ein stärkeres Wachstum auf und sind in weniger konjunktursensiblen Bereichen tätig.

Es ist positiv, dass Christian Lindner bei der Frage zur persönlichen Geldanlage ETFs nennt. Trotzdem eignet auch er sich nicht als Anlageberater. Hier sollten sich Anleger doch am besten selbst informieren und nicht auf Politiker vertrauen.

Der Artikel Politiker sind keine guten Anlageberater und Vorbilder für die Geldanlage ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Florian besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und empfiehlt die folgenden Optionen: Short March 2023 $130 Call auf Apple und Long March 2023 $120 Call auf Apple.

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Autor: Florian Hainzl, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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