BADEN-BADEN (dpa-AFX) - Das "Badische Tagblatt" schreibt zum Ehegattensplitting:

Es macht durchaus Sinn, der Familie einen besonderen Stellenwert in der Gesellschaft beizumessen. Sie ist ein soziales Netzwerk besonderer Güte und der Kern demokratischer Sozialisierung. Warum aber zumeist Frauen in dieser wichtigen Gemeinschaft finanziell dafür bestraft werden müssen, wenn sie arbeiten gehen, ist kaum nachvollziehbar. Das Ehegattensplitting jedenfalls gehört längst in die Mottenkiste der Steuergesetzgebung. Denn es zementiert Strukturen aus längst vergangenen Tagen und passt auch nicht mehr ins demografische Bild Deutschlands. Gerecht war das Nachkriegsmodell Hauptverdiener Vater und Zweitverdiener Mutter ohnehin nie. Wer aber heute noch immer die Mär von der Familienförderung am Splittingtarif festmacht, ist aus der Zeit gefallen. Denn die vermeintlich steuerliche Förderung bewirkt vor allem eines: Sie hält Frauen von der Erwerbstätigkeit fern, weil der Steuervorteil am größten ist, wenn einer möglichst viel verdient und der andere möglichst wenig. (.) Wer die Geschlechtergerechtigkeit in Deutschland voranbringen will, muss in der kommenden Legislaturperiode ran an die Steuergesetzgebung. Fällt das Ehegattensplitting, wird auch die Bereitschaft von Frauen steigen, eine Beschäftigung aufzunehmen. Positiver Nebeneffekt: Der Arbeitsmarkt wird entlastet, die seit Jahren bejammerte Fachkräftelücke in der Republik wird schrumpfen./yyzz/DP/eas