BERLIN (dpa-AFX) - "Die Welt" zu Debatte um einen harten Lockdown:

"Aus Sicht der Politik ist ihre maßgeschneiderte Strategie nur an den Bürgern gescheitert. "Alle Appelle haben nichts genutzt", lautet das vernichtende Zeugnis, das Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) seinen Landsleuten ausstellt. "Es ist an einigen Stellen ein Schlendrian eingekehrt", sagt sein bayerischer CSU-Kollege Markus Söder in der Sprache eines Hausmeisters, dem der Kragen platzt. Und Jens Spahn (CDU), der Gesundheitsminister, deutet raunend an, verantwortlich für die Lage auf den Intensivstationen seien die Leute, die frierend einen distanzierten Glühwein trinken. Die politischen Schlüsselfiguren scheinen zu hoffen, dass keiner den Widerspruch bemerkt: Erst schlägt man einen Kurs ein, der gerade nicht auf Eigenverantwortung setzt, sondern auf Schließungen, Kontaktbeschränkungen und Ausgangssperren in Hotspots. Wenn dieser Weg dann aber nicht zum Ziel führt, tragen die unvernünftigen Bürger die Schuld. Das Moralisieren verdeckt, dass die Verantwortlichen ihren Job nicht machen. Wie schon im Herbst tun sie so, als stünden sie vor einer unvorhersehbaren Situation, in der nur noch Härte hilft."/zz/DP/nas