MÜNCHEN (dpa_AFX) - "Süddeutsche Zeitung" zu Verlängerung der Kurzarbeit:

"Die Kurzarbeit ist ein Instrument, um Schocks zu bewältigen - keine Zuflucht für Unternehmen, die mit dem Strukturwandel kämpfen oder kein Geschäftsmodell für die neue Normalität unter Pandemiebedingungen haben. Nun aber bleiben die Kurzarbeitskonditionen derart attraktiv, dass weder Unternehmen noch Beschäftigten einen besonderen Druck spüren, sich neu zu orientieren. Wer um seinen Job oder seine Firma bangt, wird das natürlich begrüßen. Langfristig aber kostet der verschleppte Strukturwandel ebenso Arbeitsplätze und Wohlstand wie eine verschleppte Insolvenz. Die ersten warnen schon vor Zombie-Unternehmen, die dank Kurzarbeit und ausgesetzter Insolvenzantragspflicht existieren, aber nicht überlebensfähig sind. Den richtigen Zeitpunkt für den Entzug zu finden, wird immer schwieriger. Schon jetzt gibt es Rufe nach der nächsten Verlängerung, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Wahljahr ungehört bleiben, ist gering. Die politische Logik lautet: Lieber einmal zu viel retten als einmal zu wenig. Das klingt nobel, aber das Starren auf den Wahlkalender macht kurzsichtig."/zz/DP/nas