MÜNCHEN (dpa-AFX) - "Süddeutsche Zeitung" zu zehn Jahren NSU:

"Zehn Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU setzt sich bei Politik und Sicherheitsbehörden erst allmählich die Überzeugung durch, dass der gefährlichste Feind nicht mehr links steht, sondern rechts. Am bittersten aber ist: Das Umdenken hat nicht die Enttarnung des NSU bewirkt. Ganz offensichtlich hatte sich die weiße Mehrheitsgesellschaft auch nach den zehn Morden durch die Terrorbande immer noch sicher gefühlt. Die Terroristen zielten ja auf schwarzhaarige Männer mit Namen wie Simsek oder Özüdogru. Der rechte Hass blieb gefühlt ein Problem der Migranten. Erst als der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke 2019 durch einen Neonazi erschossen wurde, löste das tiefes Entsetzen aus. Erst als der CDU-Mann in seinem friedlichen Dorf auf seiner eigenen Terrasse getötet wurde, erkannte die Gesellschaft: Blonde Haare und blaue Augen schützen nicht. Rechter Terror trifft alle."/DP/jha