FRANKFURT (dpa-AFX) - Bei Anlegern stehen Staatsanleihen aus Griechenland wegen der Aussicht auf üppige Finanzhilfe durch die EU und durch die fortgesetzten Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB) im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hoch im Kurs. Am Donnerstag wurden Papiere des hochverschuldeten Eurolandes stark nachgefragt. Während die Kurse kräftig zulegten, erreichte die Rendite für Staatspapiere im Gegenzug ein neues Rekordtief.

Am Vormittag beschleunigte sich der Rückgang der Renditen spürbar. In der Laufzeit von zehn Jahren wurden Anleihen aus Griechenland mit einer Laufzeit von zehn Jahren mit einer Rendite von 0,88 Prozent gehandelt. So günstig war die Verschuldung für Griechenland noch nie. Zum Vergleich: In der Hochphase der Euroschuldenkrise war die Rendite für zehnjährige Anleihen des Eurolandes zeitweise bis über 30 Prozent gestiegen.

Unter anderem profitiert Griechenland vom Anleihekaufprogramm PEPP der EZB. Das Programm ist ein Kernstück der Krisenpolitik der Notenbank. Mit dem Kauf von Wertpapieren, darunter vor allem Staatsanleihen, werden Länder der Eurozone gestützt. Anfang Juni wurde das Volumen des Kaufprogramms von zuvor 750 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro ausgeweitet.

Neben den Griechen-Anleihen können auch andere Länder im Süden der Eurozone von der europäischen Krisenpolitik profitieren. Mittlerweile werden auch zehnjährige Staatsanleihen aus Italien, Spanien und Portugal deutlich unter der Marke von 1,0 Prozent gehandelt. Am Donnerstag lag die Rendite für italienische Papiere bei 0,77 Prozent, während Anleihen aus Spanien noch deutlich günstiger bei 0,21 Prozent und Papiere aus Portugal bei 0,20 Prozent gehandelt wurden.

Griechenland hatte nach jahrelanger Stützung mit immer neuen Milliardenkrediten den Schutz des Euro-Rettungsschirms ESM 2018 verlassen und finanziert sich seither selbst. Die Rückzahlung dieser Kredite wird jedoch Jahrzehnte dauern. Das Land leidet derzeit unter den Folgen der Corona-Krise, wobei die Wirtschafts- und Finanzpolitik Griechenlands nach wie vor überwacht wird./jkr/jsl/zb