von Oskar Herbert

Düsseldorf, 06.08.2015: Die goldenen Zeiten mit Bundesanleihen gehen vorüber. Die letzten Hochprozenter werden fällig. Die hohen Kurse dieser Anleihen beginnen zu sinken. Jetzt kommt es darauf an, Alternativen zu finden.

Die Zeiten mit acht und noch mehr Prozenten für Bundesanleihen und gute Industrieanleihen sind lange vorbei. Die Bundesrepublik hat momentan noch vier Anleihen laufen, die noch Sätze von 6 bis 6,5 % abwerfen. Die längste dieser Anleihen endet am 4.1.2030. Es ist der 6,25 %er aus dem Jahr 2000. Für 1.000 Euro Nennwert dieses Papiers werden derzeit 1.700 Euro Einsatz verlangt. Wer so viel bezahlt und bis zum Ende durchhält, ärgert sich über 1 % jährliche Effektiv-Rendite. Die laufende Rendite beträgt zwar 3,6 %. Sie vernachlässigt jedoch den Umstand, dass der Kurs dieser Anleihe eines Tages sinken wird, bis am 4.1.2030 der Nennwert 1.000 Euro zurückgezahlt werden wird. Bis dahin sind es freilich noch reichlich 14 Jahre Laufzeit. Und vor drei Monaten zahlten Anleger sogar mehr als 1.850 Euro für 1.000 Euro Nennwert dieser Anleihe. Viele spekulieren offenbar darauf, dass diese Kurse schon bald wiederkommen werden.


Kurse steigen wieder

Der 6,25 %-Bund2030 läuft "nur" über 9,25 Mrd. Euro. Das ist wenig im Vergleich zu den Mega-Anleihen, die der Bund in den Folgejahren aufgenommen hat. Die "dicksten" Anleihen laufen jeweils über Nennwerte von insgesamt 24 Mrd. Euro; z.B. der 3,75 %er bis 4.1.2019. Für diese Anleihe werden derzeit nicht mehr jene 120 % bezahlt, die 2012 bezahlt wurden. Stattdessen kann man jetzt für 113 % kaufen. Wer zu diesem Kurs verkauft, macht ein gutes Geschäft. Der Käufer kann nämlich mit einem Kaufkurs von 113 % bis zum Ende der Laufzeit zwar noch die Zinsen kassieren. Der Kursverlust bei der Tilgung frisst jedoch diese Zinsen auf, so dass kein positiver Gesamtertrag übrigbleibt. Gut für Verkäufer. Dass dennoch Anleger diesen 3,75 %er Bund2019 erwerben, lässt darauf schließen, dass sie auf allgemein weiter sinkende Zinsen/Renditen und folglich darauf spekulieren, dass die Kurse dieser - und vergleichbarer Anleihen - erneut steigen werden.


Aus Billig-Anleihe würde Teuer-Anleihe

Die "billigste" Anleihe hat Bundesfinanzminister Schäuble am 15.2.2025 aufgenommen: Den 0,5 %er bis 2025. Diese Anleihe über insgesamt 23 Mrd. Euro wird schon eher fällig als der 6,25 %er aus 2000. Der läuft dann noch fünf weitere Jahre bis 2030 - mit den teuren Zinsen aus alten Zeiten. Müsste der Bund heute noch die hohen Zinsen des Jahres 2000 zahlen, würde diese "Billig-Anleihe" zu einer wahren "Teuer-Anleihe": Statt der tatsächlich fälligen 115 Mio. Euro für 0,5 % Jahreszinsen müsste der Bund dann 1.438 Mio. Euro für 6,25% Jahreszinsen aufbringen; aus den Steuergeldern seiner Bürger. Die Zahlen sind in Wahrheit nicht ganz vergleichbar. Die Tendenz wird jedoch deutlich; nämlich in welchem Ausmaß die Bundeskasse sich mit den Billig-Zinsen saniert. Sie profitiert davon, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen extrem niedrig hält. Die EZB glaubt, auf diese Weise die Schuldenstaaten von Griechenland bis Frankreich stabilisieren zu können. Sie glaubt ferner, die europäische Wirtschaft in Schwung bringen zu können, so dass die Inflation zurückkehrt.


Bundesanleihe unter Nennwert

Würden klassische Maßstäbe für die Höhe der Zinsen heute noch gelten, dann müsste der Bund die "Billig-Anleihe2025" nicht nur mit 0,5 % Zinsen verzinsen. Sofern Anlegern mit dieser Anleihe tatsächlich die Möglichkeit gegeben werden sollte, einen Ertrag zu erzielen, so müsste der Kupon mindestens bei 2 % liegen. Dann bliebe nach Abzug der Geldentwertung und der Steuern tatsächlich etwas für die Käufer der Anleihe übrig. Fragt sich, wer diese "Billig-Anleihe" überhaupt erwirbt? Aktuell wird sie für 98,5 % angeboten und gekauft; also unter dem Nennwert.

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