BERLIN (dpa-AFX) - Nach dem Großbrand im Migrantencamp Moria auf der Insel Lesbos hat die Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) "die willkürlichen und teils gewalttätigen Einschränkungen der Pressefreiheit durch die griechische Polizei" verurteilt. "Die Strategie der griechischen Behörden ist eindeutig: Sie wollen Journalistinnen und Journalisten teils sogar unter Einsatz von Gewalt davon abhalten, über ihren Umgang mit der Krisensituation in Moria zu berichten", erklärte Geschäftsführer Christian Mihr am Freitag in Berlin. Das verletze nicht nur das Recht der Medienschaffenden, die menschenunwürdigen Zustände dort frei zu dokumentieren. Es schränke auch das Recht der internationalen Öffentlichkeit auf eine unabhängige Berichterstattung ein.

Mihr sagte, die Medienschaffenden, sähen sich vor Ort mit wechselnden Reaktionen der Polizei konfrontiert. Teils gewährten sie Zutritt zum zerstörten Lager oder zu dem Areal, auf dem die ehemaligen Lagerbewohner ausharrten, teils verwehrten sie ihn. Ein Fall von brutaler Polizeigewalt gegen einen Journalisten habe sich am 11. September ereignet. Ein Korrespondent sei von mehreren Beamten zu Boden geworfen worden. Die Polizisten hätten ihre Knie so fest auf seinen Körper gepresst, dass er vor Schmerzen geschrien habe, wie in einem Video zu hören sei.

Derweil forderte der Deutsche Journalisten-Verband das Auswärtige Amt auf, sich im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft für die freie Berichterstattung aus Moria einzusetzen. "So chaotisch die Lage auf Lesbos nach den Bränden im Flüchtlingslager Moria auch sein mag, rechtfertigt das keine Polizeischikanen gegen Reporter", sagte der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall. Das Grundrecht der Pressefreiheit gelte auch auf Lesbos. Überall fügte hinzu: "Wer in diesen Tagen bei uns über die Aufnahme von Flüchtlingen diskutiert, braucht aktuelle und unabhängige Informationen aus dem Hotspot des Elends. Berichterstattung darf nicht an Polizeiknüppeln scheitern."/hme/DP/eas