Dauerregen und Tauwetter lassen deutsche Gewässer aktuell stark ansteigen. Der Rhein, die wichtigste Verkehrsader der Industrie, erreichte seit Tagen punktuell die Hochwassermarke 2, was temporär den Stopp des kompletten Binnenschifffahrtsverkehrs auf gewissen Abschnitten der Wasserstraße zur Folge hat. Industrielle Anrainer bleiben trotzdem gelassen. Anders als bei Niedrigpegeln im Sommer, die in Extremfällen wie dem Dürrejahr 2018 das Runterfahren der Produktion nötig machen, ist das Mehr an Wasser ein gut abschätzbares Naturereignis, wie wir beim Chemieriesen BASF erfahren.

Genaue Berechnungen des Rheinpegels auf bis zu sechs Wochen im Voraus (mit abnehmender Präzision) lassen frühzeitiges Reagieren bei Hochwasser zu, so dass es auch jetzt keine Auswirkungen auf die Produktion gibt, heißt es aus Ludwigshafen. Rechtzeitig Lagerbestände erhöht hat flussaufwärts auch Lanxess. Alle Betriebe könnten weiter mit Rohstoffen bedient werden und es käme zu keinen Lastenminderungen in den Produktionsbetrieben, erklärt uns der Kölner Spezialchemiker. Die Lage wird dennoch täglich neu bewertet, zählt die Domstadt und Lanxess-Hauptsitz aktuell doch zu den Hotspots am Rhein.

Insgesamt gilt Hochwasser aber als unkritisch. Auch Evonik und Thyssenkrupp sehen darin kein Problem. Hochwasser treten erfahrungsgemäß deutlich seltener und kürzer auf als Niedrigpegel, hören wir dazu von Evonik. Im äußersten Fall wird auf Straße und Schiene umgelenkt. Thyssenkrupp sieht sich von einer für die Essener kritischen Pegelmarke aktuell noch deutlich entfernt. Was das Risiko Rhein angeht, bleibt der Niedrigpegel die ernstere Bedrohung.

Doch auch dagegen wissen sich die Industriekonzerne besser zu schützen. Nach den schweren Folgen des Dürresommers 2018 sichert sich etwa BASF, bei der 40% des Transports über den Rhein erfolgt (Evonik bis zu 20%, Thyssenkrupp bis zu 60 000 Tonnen Erze und Kohlen pro Tag), früh Extra-Kapazitäten an kleineren Transportschiffen und entwickelte zudem ein jüngst vorgestelltes Tankschiff selbst, um auch im flachen Gewässer die Rohstoffanlieferung am Stammwerk zu garantieren. Außerdem machen zugebaute Rückkühlanlagen die Produktion unabhängiger vom Rheinwasser als Kühlmittel.

Quelle: Platow.de