Rohstoff-Investments waren lange Zeit nur für Spezialisten attraktiv. Jetzt, wo die Preise durch die Decke gehen, könnte sich dies ändern. Denn die Nachfrage nach Holz oder bestimmten Bodenschätzen ist enorm.

Der weltweite Rohstoff-Hunger ist gigantisch. Die Mischung aus vermehrter Nachfrage und knappem Angebot – viele Rohstoffe sind von Natur aus limitiert oder der Abbau ist sehr aufwendig – ließen die Weltmarktpreise in den vergangenen Monaten dramatisch steigen. Gaben die Preise für Industriemetalle während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 noch etwas nach, wurde im Jahresverlauf das Vorkrisenniveau dann weit übertroffen.

Liest man etwa den Blog der Deutschen Industriebank IKB, gehen den Autoren inzwischen scheinbar fast die Formulierungen aus: „Weltrohstoff-Preise zogen an“, „Weltrohstoff-Preise setzen ihren Höhenflug weiter fort“ – die Analysen der vergangenen Monate beginnen alle mit den gleichen Sätzen. „Die Weltrohstoffpreise zogen im April 2021 auf Dollar-Basis gerechnet weiter um knapp ein Prozent an“, heißt es etwa im jüngsten Eintrag. Stimulierend für den anhaltenden Trend wirken nach Einschätzung der Analysten die großangelegten Infrastruktur- und Förderprogramme in den USA und Europa.

Marktbeobachter wähnen bereits einen Superzyklus im Rohstoffsektor – der Preis für Holz etwa hat sich an der US-Rohstoffbörse innerhalb eines Jahres versechsfacht, viele wichtige Metalle sind im Wert stark gestiegen. Die hohen Preise könnten gleichzeitig aber auch Vorboten einer steigenden Inflation sein und zudem den Wirtschaftsaufschwung belasten.

Dennoch kann sich der Einstieg in Rohstoff-Investments jetzt lohnen. Wichtig ist hier allerdings zu wissen, dass Rohstoff-Preise per se schwankungsanfällig sind, schließlich ist ihr Einsatz von der industriellen Produktion abhängig. Je nach Rohstoffart sollte man generell bedenken, dass viele der Minenunternehmen in Schwellenländern aktiv sind, in denen das wirtschaftliche oder politische Umfeld oftmals instabil ist. Rohstoffe sollten daher eher als Beimischung in einem nach Assetklassen breit diversifizierten Portfolio gewählt werden.

Holz: Nachhaltigkeitstrend und Bauboom sorgen für volle Kassen in der Forstwirtschaft

Holz gilt als einer der wichtigsten Rohstoffe der Welt und findet Verwendung in der Bauwirtschaft, in der Möbelindustrie, in der Papierherstellung oder als Brennholz. Medienberichten zufolge ordern etwa die USA seit den Waldbränden in Kalifornien verstärkt Nutzholz aus Deutschland, auch China und Indien gelten als Großabnehmer. In den deutschen Sägewerken läuft die Produktion nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie demzufolge auf Rekordniveau.

Der Branchenverband setzt angesichts der Knappheit auf eine Beruhigung des Marktgeschehens, damit noch genügend Holz für deutsche Verarbeiter übrig bleibt – denn auch hierzulande wird der Rohstoff knapp. „Entgegen weitreichender Befürchtungen ist die Exportquote in den ersten drei Monaten des Jahres weiter gesunken. Während die Ausfuhren in die USA deutlich gestiegen sind, sind die Exportmengen nach China erheblich reduziert. Der überwiegende Teil von 60 Prozent der gesamten deutschen Ausfuhren verbleibt weiterhin in den Nachbarländern innerhalb der Europäischen Union“, heißt es hierzu in einer aktuellen Mitteilung.

Für Anleger bieten sich als Investitionsmöglichkeit Anteile an Unternehmen an, die selbst Wälder besitzen. Ein bedeutender Global Player ist etwa Weyerhaeuser (WKN: 854357) aus den USA. Der Konzern bewirtschaftet riesige Flächen in Kanada und in den USA und ist auch verarbeitend tätig. Die Aktie konnte zuletzt deutliche Kurssprünge verbuchen. Weitere führende Forstunternehmen sind etwa Rayonier (WKN: 889684) mit Waldflächen in den USA und Neuseeland oder auch der finnisch-schwedische Holzkonzern Stora Enso (WKN: WKN: 871004). Breiteren Zugang zum Forst- und Holzmarkt bieten der iShares Global Timber & Forestry UCITS ETF (WKN: A0M59G) oder der Aktienfonds Pictet Timber (WKN: A0Q6P2). Diese derzeit einzigen thematisch eng fokussierten Fonds- bzw. ETF-Lösungen versammeln alle wichtigen Branchengrößen im Portfolio.

Lithium: E-Mobilität treibt Nachfrage und Preis

Der Trend hin zu mehr Elektromobilität beziehungsweise Hybridtechnologien hat ein seltenes Metall in den Fokus von Produzenten und Anlegern gerückt: Lithium ist der zentrale Rohstoff für die Herstellung von Akkus und Batterien. Wie die Analysten von Roskill in einem aktuellen Marktreport darlegen, war insbesondere der Markt für wiederaufladbare Batterien seit Mitte der 2010er Jahre ausschlaggebend für die vermehrte Nachfrage nach Lithium. Im Jahr 2020 machten wiederaufladbare Batterien noch 65 Prozent des gesamten Lithiumbedarfs aus, bis zum Jahr 2025 erwarten die Analysten einen Anteil von mehr als 80 Prozent.

Investoren brauchten bislang allerdings starke Nerven. Der Lithiumpreis schoss zunächst regelrecht in die Höhe, zwischen 2018 und 2020 machten Überkapazitäten bei den Minengesellschaften den Aktionären dann einen Strich durch die Rechnung. Inzwischen könnte Lithium aber wieder als Kaufkandidat interessant werden. Praktisch geht dies über Aktien an entsprechenden Förderunternehmen. Weltmarktführer bei der Produktion von Lithium und Lithiumverbindungen ist die Albermarle Corporation (WKN: 890167). Auch wenn der Umsatz Branchenkennern zufolge in 2021 etwas schwächer ausfallen dürfte, gilt der Chemiekonzern als fleißiger Dividendenzahler.

Was die Produktionszahlen anbelangt, liefert sich Albermarle ein Kopf an Kopf-Rennen mit dem Konkurrenten Sociedad Quimica Minera de Chile (WKN: 895007). Der Konzern sitzt sozusagen an der Quelle: Chile gilt als lithiumreichstes Land der Welt. Neben dem gefragten Rohstoff stellt der Konzern auch Düngemittel oder zum Beispiel Jod und Kalisalze her. Eine weitere Lithium-Aktie wäre beispielsweise Lithium Americas (WKN: A2H65X). Der in Kanada ansässige Konzern treibt derzeit das Lithiumsoleprojekt Cauchari-Olaroz in Jujuy, Argentinien, und das Lithiumprojekt Thacker Pass in Nevada, USA, voran.

Der Minenbetreiber befindet sich somit noch in der Entwicklungsphase. Im Aktienfonds Structured Solutions SICAV - Next Generation Resources (WKN: HAFX4V) sind die wichtigen Player vertreten. Ergänzt wird das Fondskonzept durch Werte aus dem Kupfer-, Gold- und Silberbereich. Weitere Investitionschancen bietet der Global X Lithium & Battery ETF (WKN: A143H3) oder der Amplify ETF Trust Lithium & Battery Technology Fund (WKN: A2JPGH).

Eisenerz: Chinas Stahlnachfrage macht den Bodenschatz interessant

Maschinenbau, Brücken, Häuser: In China ist der Post-Corona-Bauboom in vollem Gange. Dementsprechend laufen die Hochöfen auf Hochtouren – und die für die Stahlproduktion benötigten Komponenten Kupfer und Eisenerz steigen im Wert. Die große Nachfrage hat den Preis für eine metrische Tonne Eisenerz Anfang Mai über die 200-Dollar-Marke gepusht.

Ein Jahr zuvor wurden noch knapp 60 Dollar dafür aufgerufen. Australische Bergbaukonzerne wie etwa Fortesque Metals (WKN: 121862) dürfte diese Rallye freuen – China gilt als Großabnehmer für deren Eisenerz. Auch der australisch-britische Rohstoffkonzern BHP (WKN: A2N9WV) oder Rio Tinto (WKN: 852147) konnten ein Plus verbuchen: Laut Handelsblatt-Roundup vom 10. Mai dieses Jahres zählen beide Aktien zu den besten Werten im Stoxx-50-Index.

Da einer der wichtigsten Treiber momentan das China-Geschäft ist, hängt die weitere Entwicklung auch von den Wachstumsschüben der chinesischen Wirtschaft beziehungsweise vom Verhandlungsgeschick der chinesischen Einkäufer ab. Solche Volatilitäten und Risikofaktoren sollten Investoren im Hinterkopf behalten. Auch diesen Sektor kann man im Verbund mit anderen wichtigen Industrie-Rohstoffen kaufen, etwa über den VanEck Vectors (TM) Global Mining UCITS ETF (WKN: A2JDEJ), den BlackRock Global Funds - World Mining Fund (WKN: A0BMAR) oder den Allianz Rohstofffonds (WKN: 847509).

Autorin: KS, Redaktion Fondsdiscount.de

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