(neu: Aussagen aus Pressekonferenz zu Aareon, Merkens-Auszeit, aktualisierte Aktienreaktion)

WIESBADEN (dpa-AFX) - Der Immobilienfinanzierer Aareal Bank wähnt nach roten Zahlen im Corona-Jahr 2020 das Schlimmste überstanden. Für 2021 peilt Finanzvorstand Marc Heß einen Betriebsgewinn von 100 bis 175 Millionen Euro an, wie das Geldhaus am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. Für die Bank dürfte die Krise jedoch nicht zu Ende sein. So rechnet der Vorstand auch 2021 mit einer überdurchschnittlich hohen Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite. Schließlich finanziert die Bank neben Bürogebäuden viele Hotels und Einkaufszentren, deren Geschäft infolge der Lockdowns in vielen Ländern seit Monaten brachliegt.

An der Börse sorgten die Nachrichten nach anfänglichem Auf und Ab für einen kräftigen Kursanstieg. Am Nachmittag lag die Aareal-Bank-Aktie mit 7,38 Prozent im Plus bei 20,50 Euro und war damit klarer Spitzenreiter im MDax . Ein Aktienhändler äußerte sich zwar enttäuscht über die Aussagen des Vorstands zur Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr. "Die Aussicht auf eine Dividende für 2020 von 1,50 Euro nach einer Nullrunde zuvor dürfte die Papiere aber stabilisieren", ergänzte er. Seit die Corona-Krise vor rund einem Jahr auf die Finanzmärkte durchgeschlagen hat, hat die Aareal-Aktie rund 32 Prozent verloren.

Infolge der Pandemie hatte die Aareal-Führung ihre Gewinnprognosen für 2020 gleich mehrfach zusammengestrichen. Hatte der Vorstand anfangs noch ein Betriebsergebnis auf dem Niveau der 248 Millionen Euro von 2019 in Aussicht gestellt, schraubte er die Erwartungen mit der Verschärfung der Lockdowns immer weiter herunter - bis er Mitte Januar sogar einen Betriebsverlust in zweistelliger Millionenhöhe ankündigte.

Letztlich fiel das Minus mit 75 Millionen Euro noch höher aus als von Analysten im Schnitt erwartet. Auf die Aktionäre entfiel unter dem Strich ein Verlust von 90 Millionen Euro nach einem Gewinn von 145 Millionen im Vorjahr. Hauptursache war die Risikovorsorge für gefährdete Kredite: Sie fiel mit 344 Millionen Euro fast viermal so hoch aus wie 2019.

Dass die Aareal Bank mit 7,2 Milliarden Euro weniger Neugeschäft zeichnete als im Vorjahr und auch der Zinsüberschuss zurückging, hatte im Vergleich zu der erhöhten Risikovorsorge eher kleine Auswirkungen aufs Ergebnis.

Finanzchef Heß hofft, dass die Bank das Schlimmste aus der Krise hinter sich hat: "Wir haben im Jahresabschluss 2020 alle heute erkennbaren Covid-19-Risiken umfassend verarbeitet." Zudem hatte sich das Institut schon vor der Krise von vielen gefährdeten Krediten etwa in Italien getrennt.

Der Vorstand rechnet in diesem Jahr mit dem Beginn einer wirtschaftlichen Erholung, die sich danach immer mehr verstärkt. Das Management will die dann entstehenden Geschäftschancen nutzen und mit internen Verbesserungen den Betriebsgewinn bis zum Jahr 2023 auf etwa 300 Millionen Euro nach oben treiben. In der ersten Führungsebene unterhalb des Vorstands sollen rund 15 Prozent der Stellen wegfallen. Zudem befasse sich der Aufsichtsrat mit der Größe des Vorstands, sagt Heß.

Zu dem geplanten Gewinnanstieg soll auch die IT-Tochter Aareon beitragen, bei der der Finanzinvestor Advent im vergangenen Jahr als Anteilseigner eingestiegen war. Aareon bietet Services für Firmen aus der Immobilienbranche an, mit der Unterstützung des Datendienstleisters sollen sie ihre Gebäude und technischen Anlagen einfacher verwalten können.

Bis zum Jahr 2025 soll die Tochter ihren um Sondereffekte bereinigten operativen Gewinn (bereinigtes Ebitda) von zuletzt 62 Millionen nunmehr auf 135 Millionen Euro steigern. Bisher hatte der Vorstand hier 110 Millionen Euro angepeilt. Dazu plant Aareon weitere Zukäufe und hat sich dafür eine Kreditlinie über 250 Millionen Euro gesichert.

Von einer Abspaltung der Tochtergesellschaft, wie von Investoren teilweise gefordert, wollte Vorstandsmitglied Thomas Ortmanns erst einmal nichts wissen. Zusammen mit Advent verfolge man den Plan weiter, der bis zum Jahr 2025 gelte. Sollte sich auf dem Weg dorthin etwas anderes ergeben, werde man das jedoch prüfen. "Man soll nie 'nie' sagen", sagte Ortmanns.

Zunächst bleibt die Krise aber allgegenwärtig. So rechnet die Aareal-Führung auch für 2021 mit einer überdurchschnittlich hohen Risikovorsorge von 125 bis 200 Millionen Euro. Im Jahr vor der Virus-Krise hatte die Bank nur 90 Millionen Euro für gefährdete Kredite zurückgelegt. Die Spanne der Prognose sei wegen der Unsicherheit rund um den weiteren Verlauf der Pandemie recht groß, hieß es. Gleiches gelte für das Ziel des Betriebsgewinns im laufenden Jahr.

Während der Pandemie hat sich Aareal Bank verstärkt auf die Finanzierung von Immobilien der Logistikbranche verlegt, die ganz im Gegensatz zu Hotels und Einkaufszentren zuletzt einen Boom erlebte. Für 2021 peilt der Vorstand bei den strukturierten Immobilienfinanzierungen ein Neugeschäft zwischen sieben und acht Milliarden Euro an. Durch den wachsenden Kreditbestand soll auch der Zinsüberschuss wieder wachsen.

Ihren Aktionären will die Aareal Bank für 2020 wieder eine Dividende zahlen, nachdem das Institut die Ausschüttung für 2019 auf Druck der Europäischen Zentralbank (EZB) gestrichen hatte. Diesmal sollen die Anteilseigner eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie erhalten. Wegen der Vorgaben der EZB soll die Hauptversammlung am 18. Mai aber nur über eine Ausschüttung von 40 Cent entscheiden. Die restlichen 1,10 Euro soll es erst geben, sofern die Aufsichtsbehörde die derzeitigen Beschränkungen im Herbst aufhebt.

Offen blieb, ob und wann Vorstandschef Hermann Merkens aus seiner krankheitsbedingten Auszeit in die Bank zurückkehrt. Die Bank hatte Anfang November mitgeteilt, dass Merkens seinen Job voraussichtlich drei bis vier Monate lang nicht ausüben könne. Am Mittwoch hieß es dazu lediglich: Sobald es etwas Neues gebe, werde die Bank dies mitteilen./stw/ben/tav/he