(neu: Aussagen zu Aareon-Zukunft, Streit mit Hedgefonds, Aktienkurs)

WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Aareal Bank sieht sich nach einem Gewinnsprung im ersten Quartal auf Kurs. Mögliche Kreditausfälle bereiten dem Vorstand weniger Sorgen als zuletzt. So verzeichneten Einkaufszentren und Restaurants in Großbritannien nach dem Ende der Lockdowns starken Zulauf - die auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Aareal Bank hat viele solcher Läden finanziert. Allerdings schloss der Immobilienfinanzierer im ersten Jahresviertel weniger Neugeschäft ab als ein Jahr zuvor, wie er am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Und an ihrer IT-Tochter Aareon will die Bank entgegen Forderungen von Aktionärsseite festhalten.

An der Börse wurden die Nachrichten mit einem Kursrutsch quittiert. In einem ohnehin von Verlusten geprägten Aktienmarkt lagen die Anteilsscheine der Aareal-Bank am frühen Nachmittag mit mehr als sechs Prozent im Minus bei 22,34 Euro. Damit gehörten sie zu den größten Verlierern im Nebenwerte-Index SDax , in den sie vor wenigen Wochen abgestiegen waren.

Im ersten Quartal erzielte die Aareal Bank einen Betriebsgewinn von 32 Millionen Euro und damit fast drei Mal so viel wie ein Jahr zuvor. Experten hatten allerdings noch mit etwas mehr gerechnet. Der Anstieg lag vor allem an einer deutlich geringeren Vorsorge für drohende Kreditausfälle. Mit 7 Millionen Euro legte das Institut zu diesem Zweck nur rund ein Achtel so viel zurück wie ein Jahr zuvor.

Zugleich legte der Zinsüberschuss um zwölf Prozent auf 138 Millionen Euro zu. Unter dem Strich entfiel auf die Aareal-Bank-Aktionäre ein Gewinn von 16 Millionen Euro, acht Mal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Finanzvorstand Marc Heß sprach von einem "starken Jahresauftakt". Nach dem verlustreichen Corona-Jahr 2020 sieht der Manager das Geldhaus weiterhin auf Kurs zu einem Betriebsergebnis von 100 und 175 Millionen Euro im laufenden Jahr. Bis zum Jahr 2023 soll das Ergebnis auf etwa 300 Millionen Euro steigen. Im vergangenen Jahr hatte die Bank wegen der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie einen operativen Verlust von 75 Millionen Euro verbucht.

Mit Blick auf die Zukunft von Tourismus, Hotels, Restaurants und Einkaufszentren nach der Corona-Pandemie sieht die Aareal-Führung Grund zur Hoffnung. Die Wertminderungen bei Immobilien hätten sich deutlich verlangsamt oder gar gestoppt. Dank der Wiedereröffnung von Geschäften und Hotels gebe es sogar erste Zeichen einer Werterholung.

In den USA hätten fast 50 Prozent der Menschen einen Impfstoff gegen das Coronavirus erhalten, 90 Prozent der Kinos seien wieder geöffnet, berichtete Aareal-Vorstand Christof Winkelmann in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Während es in Kontinentaleuropa langsamer vorangeht, hätten die Reservierungsraten in Restaurants in Großbritannien zuletzt 80 Prozent des Werts von April 2019 erreicht - obwohl sie bisher nur im Freien geöffnet sind.

Im britischen Einzelhandel zeige sich, dass die Menschen auch nach ihren Erfahrungen mit vielen Online-Bestellungen während der Lockdowns künftig nicht alles im Versandhandel einkaufen wollten, erklärte Winkelmann. "Es wird einen gewissen Sättigungsgrad geben." Derweil fuhr die Aareal Bank ihr Neugeschäft im Gegensatz zur Konkurrentin Deutsche Pfandbriefbank im ersten Quartal nicht hoch. Mit 1,1 Milliarden Euro blieb das Volumen einschließlich Verlängerungen klar hinter den 1,3 Milliarden Euro aus dem ersten Quartal 2020 zurück, die erzielten Margen lagen währungsbereinigt mit etwa 2,5 Prozentpunkten jedoch deutlich über dem bankeigenen Ziel von 2,15 Prozentpunkten.

Im Streit mit dem Hedgefonds Petrus Advisers bekräftigte der Vorstand seine Haltung, seine IT-Tochter Aareon nicht komplett zu verkaufen. Die Bank wolle an dem Anteilsverhältnis mit dem Finanzinvestor Advent im Grundsatz festhalten, erklärte Heß. Es könne höchstens im Zuge weiterer Übernahmen zu einer Anteilsverschiebung kommen.

Advent hatte im vergangenen Jahr 30 Prozent an Aaeron übernommen. Petrus fordert eine komplette Abspaltung der Sparte. Aaeron bietet Dienstleistungen für Firmen aus der Immobilienbranche an, die durch die Unterstützung des Datendienstleisters Gebäude und technische Anlagen einfacher verwalten können sollen.

"Der starke Jahresauftakt ist ein klarer Beleg dafür, dass wir die richtigen strategischen Prioritäten gesetzt haben und dass sich der in allen Teilen der Gruppe eingeschlagene Kurs des kontrollierten Wachstums auszahlt", sagte Heß nun.

Petrus hatte die Aareal Bank wiederholt für zu hohe Kosten kritisiert und seine Beteiligung auf mehr als neun Prozent aufgestockt. Beide Seiten liefern sich seit Monaten einen Schlagabtausch. Bei der Hauptversammlung am kommenden Dienstag (18. Mai) will Petrus die Abwahl von Aufsichtsratschefin Marija Korsch und zweier weiterer Mitglieder des Kontrollgremiums erwirken und sie durch eigenen Kandidaten ersetzen. Der Aufsichtsrat hat die Forderungen wiederholt zurückgewiesen. Während ein weiterer Hedgefonds Petrus' Forderungen unterstützt, hat die Bank für ihre Haltung die Unterstützung der wichtigen Stimmrechtsberater ISS und Glass Lewis gewonnen.

Unterdessen solle es bei der Suche nach einem Nachfolger für den langjährigen Aareal-Chef Hermann Merkens bald eine Entscheidung geben. Der Aufsichtsrat treibe die Neubesetzung mit Nachdruck voran, seit klar sei, dass der erkrankte Merkens nicht wieder auf den Posten zurückkehren werde, sagte Finanzchef Heß. Man könne "in absehbarer Zeit" mit einer Entscheidung rechnen./stw/mis/jha/