(neu: K+S bestätigt Verkaufsverhandlungen und Preiserwartung, aktualisierte Aktienreaktion)

KASSEL (dpa-AFX) - Der hochverschuldete Dünger- und Salzproduzent K+S steht kurz vorm erhofften Befreiungsschlag: Der Konzern dürfte sein amerikanisches Salzgeschäft zeitnah für deutlich mehr Geld losschlagen als gedacht. Entsprechende Verhandlungen mit der Stone Canyon Industries seien sehr weit fortgeschritten, teilten die Hessen am Montag in Kassel mit. Die Sparte solle dabei mit insgesamt 3,2 Milliarden US-Dollar (2,7 Mrd Euro) bewertet werden. Noch seien allerdings keine Verträge unterzeichnet.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Insider über einen kurz bevorstehenden Verkauf an den zu Stone Canyon gehörenden Salzhersteller Kissner berichtet. Die Aktien von K+S legten deutlich zu.

Zuletzt gewannen die Papiere als Favorit im MDax mehr als 18 Prozent auf 7,21 Euro. Damit überwanden die die Marke von 7 Euro - ein Bereich, in dem sie in den letzten Monaten mehrfach gescheitert waren. Seit dem Jahreswechsel steht allerdings immer noch ein Minus von 35 Prozent zu Buche.

Langfristig sieht es noch trüber aus. Aktuell bringt es K+S an der Börse noch auf einen Wert von rund 1,4 Milliarden Euro. Im Herbst 2015, als das Unternehmen noch im Dax gelistet war, hatte die Marktkapitalisierung noch bei rund sechs Milliarden Euro gelegen. Damals hatte der Konkurrent Potash, der inzwischen im Düngerkonzern Nutrien aufgegangen ist, eine Übernahme erwogen. K+S hatte sich damals heftig dagegen gewehrt. Der Kurs war damals bis auf 40 Euro gestiegen - ein Niveau, dem die Aktionäre der Hessen wohl immer noch nachtrauern.

In den vergangenen Jahren hatten dem hessischen Konzern Produktionsprobleme in Deutschland wegen mangelnder Entsorgungsmöglichkeiten für Abwässer sowie eine Flaute des globalen Düngermarktes schwer zu schaffen gemacht. Der infolge des milliardenschweren Neubaus des Kaliwerks in Kanada gestiegene Schuldenberg konnte auch daher nicht wie eigentlich geplant schrumpfen. Das Management von K+S hatte daher verschiedene Optionen geprüft und sich dann im März für einen Verkauf des süd- und nordamerikanischen Salzgeschäfts entschieden.

Laut dem Analysten Markus Mayer von der Baader Bank liegt der genannte Verkaufspreis höher als von vielen Börsianern bislang erwartet. Kurzfristig sei dies positiv für die Aktien. Mittelfristig ist dem Experten zufolge allerdings die Entwicklung des Kaligeschäfts entscheidend. Nur wenn es die Trendwende schaffe und finanzielle Mittelzuflüsse erziele, könne K+S die Verschuldung wirklich nachhaltig senken. So hatten einige Börsianer moniert, dass mit dem Salzgeschäft ein verlässlicher Gewinnbringer wegfällt und das stärker schwankende Düngergeschäft bei K+S bleibt.

Wir schon länger bekannt ist, geht mit der Neuausrichtung und dem Fokus auf das Düngergeschäft auch ein weiteres Sparprogramm einher, denn der dann kleinere Konzern braucht weniger Verwaltung. Hier will das Unternehmen ab 2021 jährlich 60 Millionen Euro und damit 30 Prozent weniger ausgeben als noch 2019. Bei einem anderen, schon etwas länger laufenden Sparprogramm, das auch Logistik, Produktion, Vertrieb und Marketing umfasst, kam K+S derweil zuletzt gut voran. Bis Ende 2020 sollen hier wie geplant mehr als 150 Millionen Euro Synergien erreicht sein.

Mit dem Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts und den Sparmaßnahmen will K+S die Schulden bis Ende 2021 um deutlich mehr als zwei Milliarden Euro senken./mis/knd/stw