BEIRUT (dpa-AFX) - Beirut hält den Atem an: Einen Monat nach der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt haben Rettungskräfte nach einem Verschütteten gesucht, der die Katastrophe möglicherweise überlebt hat. Mit einem Kran, Schaufeln und Händen räumten ein chilenisches Rettungsteam und der libanesische Zivilschutz am Freitag die Trümmer eines eingestürzten Hauses weg.

Der Mitgründer der libanesischen Initiative "Live Love Beirut", die die Rettungsarbeiten unterstützt, sagte der Deutschen Presse-Agentur, das chilenische Rettungsteam habe mit seinen Geräten Atemsignale wahrgenommen. Am Freitag seien acht solcher Signale pro Minute empfangen worden, am Vortag noch 18, erklärte Eddy Bitar.

"Ich persönlich als Eddy Bitar habe meine Zweifel", sagte er weiter. "Aber wir können nicht von einem so erfahrenen Team gesagt bekommen, dass es Atemsignale gibt, und dann nichts tun."

Aufnahmen eines Laserscanners von zwei verschütteten Räumen dämpften zunächst die Hoffnung, nach dieser langen Zeit tatsächlich noch einen Überlebenden zu finden. "Alles, was wir sehen können, ist Schutt", sagte ein Experte dem libanesischen Sender LBCI. "Wenn jemand hier wäre, dann wäre das ziemlich klar." Es handele sich dabei aber nur um ein vorläufiges Ergebnis.

"Wir hoffen auf ein Wunder", sagte eine Frau, die in der Nachbarschaft lebt und die Rettungsarbeiten verfolgte. Journalisten und andere Beobachter wurden gebeten, ihre Mobiltelefone auszuschalten, damit ein Ortungsgerät des chilenischen Rettungsteams "Topos" (Maulwürfe) nicht gestört wird.

Die Rettungsarbeiten an dem eingestürzten Haus hatten am Donnerstag begonnen, nachdem die chilenischen Rettungshelfer und ihr Suchhund "Flash" Hinweise auf einen möglichen Überlebenden entdeckt hatten. Viele Libanesen feierten das Tier in den sozialen Medien als Helden. Nach Berichten libanesischer Medien gibt es Hinweise auf insgesamt zwei Körper unter den Trümmern.

Das einst dreistöckige Gebäude, in dessen Erdgeschoss eine Bar war, liegt nur wenige hundert Meter vom Explosionsort im Hafen entfernt. Die oberen Etagen des Hauses sind größtenteils eingestürzt.

"Ich weiß nicht, wie lange es dauern wird", sagte Francisco Lermanda von "Topos" dem Fernsehsender CNN Español. "Die Platten sind sehr dick, der Zement ist sehr hart, die Armierung ist sehr groß. Wir können keine Maschinen dorthin bringen. Wir dürfen nichts tun, was das Leben der möglichen Person in Gefahr bringen kann. Deshalb handelt es sich um eine sehr langsame, technische Arbeit."

Bei der Explosionskatastrophe am 4. August waren mindestens 190 Menschen ums Leben gekommen und mehr als 6000 verletzt worden. Der Hafen und große Teile der umliegenden Wohngebiete wurden massiv zerstört. Bis zuletzt wurden nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums noch sieben Menschen vermisst./jku/DP/fba