(neu: Aktienkurs, Aussagen aus Telefonkonferenz, Analystenstimmen)

ESSEN (dpa-AFX) - Sinkende Erträge im Kunden- und Netzgeschäft haben das Ergebnis des Energieversorgers Eon <DE000ENAG999> im ersten Quartal belastet. Schwach entwickelte sich der Vertrieb in Großbritannien, der unter einem scharfen Wettbewerb und dem Preisdruck durch eine im Spätherbst eingeführte Preisobergrenze leidet. Bessere Ergebnisse im Geschäft mit erneuerbaren Energien konnten den Rückgang nicht ausgleichen. Dennoch bekräftigte das Management seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

Für die Eon-Aktie ging es nach anfänglichen Kursgewinnen wieder abwärts. Am Vormittag schwankte sie bei 9,52 Euro um den Schlusskurs vom Vortag, gehörte damit aber immer noch zu den stärksten Werten im schwächelnden Dax <DE0008469008>.

In den Monaten Januar bis März erzielte Eon ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebit) von 1,2 Milliarden Euro und damit 8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, wie das Unternehmen am Montag in Essen mitteilte. Der Konzernüberschuss wurde mit 393 Millionen mehr als halbiert. Dabei wirkten sich eine höhere Steuerquote und die Kosten der Umstrukturierung im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme des Konkurrenten Innogy negativ aus. Bereinigt um Sondereffekte sank der Nettogewinn um 11 Prozent auf 650 Millionen Euro. Der Konzernumsatz stieg um 5 Prozent auf 9,16 Milliarden Euro.

Analysten bewerteten die Zahlen als im Rahmen der Erwartungen. Das britische Kundengeschäft habe die Entwicklung gebremst, schrieb JPMorgan-Analyst Christopher Laybutt in einem ersten Kommentar. Den bestätigten Ausblick für das Gesamtjahr wertete er jedoch als beruhigend. Sein Kollege Alberto Gandolfi von Goldman Sachs wertete jedoch den höheren Schuldenstand als negativen Faktor.

Das operative Ergebnis im Kundengeschäft sackte im ersten Quartal von 392 Millionen auf 219 Millionen Euro zusammen. Vor allem in Großbritannien stehen die Gewinne unter Druck und nahmen um 90 Millionen Euro ab. Der britische Markt gehört schon seit längerem zu den Sorgenkindern der Energieversorger. Auch Innogy klagt dort über schlechte Geschäfte. "Großbritannien ist ein schwieriger Markt, das brauchen wir nicht schönreden", sagte Finanzvorstand Marc Spieker in einer Telefonkonferenz. Die Entwicklung sei nicht befriedigend. Eon habe im Jahresverlauf 200 000 Kunden verloren.

Eon hat bereits Umbaumaßnahmen angekündigt, die im Jahresverlauf "voll greifen" sollen. Die Kosten will Spieker jedoch darüber hinaus weiter senken. Zudem kündigte der Manager Gespräche mit dem britischen Regulierer an. Im Jahresverlauf geht Spieker von einer Stabilisierung der Entwicklung aus. Nichtsdestotrotz dürfte das Ergebnis des britischen Vertriebsgeschäfts im gesamten Jahr schwächer ausfallen als im Vorjahr.

Aber auch im deutschen Markt verzeichnete Eon einen Ergebnisrückgang. Dieser, so Spieker, sei jedoch nur von zeitweiliger Dauer, da das Unternehmen gestiegene Netzentgelte erst mit Zeitverzögerung an die Kunden weiterreichen könne. Der Rückgang soll sich im Jahresverlauf voraussichtlich vollständig ausgleichen. Eon konnte in Deutschland 100 000 Kunden dazugewinnen.

Das Netzgeschäft, das den Löwenanteil zum Ergebnis beiträgt, verzeichnete leichte Rückgänge. Dagegen warfen die erneuerbaren Energien dank höherer Strommengen mehr ab.

An ihrer Jahresprognose hält die Eon-Führung fest. Eon erwartet dabei ein Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau in der Mitte der prognostizierten Spanne. So geht der Konzern für 2019 von einem bereinigten Ebit von 2,9 bis 3,1 Milliarden Euro aus, der bereinigte Nettogewinn soll zwischen 1,4 und 1,6 Milliarden Euro liegen. Zudem will Eon eine fixe Dividende von 0,46 Euro zahlen.

Die geplante Übernahme des Konkurrenten Innogy <DE000A2AADD2> sieht das Management im Zeitplan und zeigte sich zuversichtlich, die erforderlichen Genehmigungen in der zweiten Jahreshälfte zu erhalten. Die EU-Kommission prüft die Übernahme vertieft und will bis Ende August darüber entscheiden.

Die Innogy-Übernahme gehört zu einem groß angelegten Geschäftetausch zwischen der Innogy-Mutter RWE <DE0007037129> und Eon. Nach der Innogy-Übernahme soll das gesamte Geschäft mit erneuerbaren Energien der beiden Konzerne an RWE gehen. Eon selbst konzentriert sich künftig auf Netz und Vertrieb. Dazu wird RWE mit knapp 17 Prozent an Eon beteiligt. Den RWE betreffenden Teil des Geschäfts haben die EU-Kommission und das Bundeskartellamt bereits ohne Auflagen genehmigt./nas/elm/stw/stk