(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz)

BERLIN (dpa-AFX) - Der Essensauslieferer Delivery Hero soll für die geplante Übernahme des Konkurrenten Woowa sein Korea-Geschäft veräußern. Die zuständige Abteilung der südkoreanischen Kartellbehörde KFTC habe den Entscheidern der Behörde nahegelegt, den Verkauf der Südkorea-Tochter Yogiyo zur Bedingung für das Gemeinschaftsunternehmen zu machen, teilte Delivery Hero am Freitag in Berlin mit. Bei den Anlegern stießen die Nachrichten auf Enttäuschung, die Aktie ging mit einem Abschlag von sechseinhalb Prozent am Ende eines freundlichen Dax aus dem Handel.

Analyst Giles Thorne von der Investmentbank Jefferies sieht die wahrscheinliche Bedingung der Koreaner für eine Genehmigung des geplanten Gemeinschaftsunternehmens mit dem Konkurrenten Woowa als negative Überraschung. Sie gehe deutlich weiter als gedacht, allerdings sei das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Konzernchef und Delivery-Hero-Gründer Niklas Östberg zeigte sich von den Vorschlägen der Kartellbehörde "extrem überrascht", er habe dies nicht erwartet. Er unterstütze den Verkauf des Korea-Geschäfts nicht und sei auch nicht der Meinung, dass dies dem lokalen Ökosystem helfen werde. Das Geschäft von Yogiyo bezeichnete Östberg als langsam wachsend aber hoch profitabel.

Laut den Aussagen des Managers hänge die Dauer der weiteren Verhandlungen nun davon ab, ob es eine oder zwei Anhörungen vor einer endgültigen Entscheidung der KFTC geben werde. "Es ist möglich dass die endgültige Entscheidung nicht vor Ende 2020 getroffen wird". Das Unternehmen selbst rechnet mit einer Verzögerung von ein bis drei Monaten.

In der Pressemeldung von Delivery Hero hieß es zuvor, die Erstellung des vertraulichen Prüfungsberichts sei ein Zwischenschritt vor den Anhörungen und einer endgültigen Entscheidung der koreanischen Kartellbehörde KFTC. Es sei ungewiss, ob die KFTC der vorgeschlagenen Forderung zur Veräußerung von Yogiyo folge oder andere Maßnahmen verlangen werde. Das geplante Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Singapur soll von Woowa-Gründer Bongjin Kim geleitet werden, der dann auch für das gesamte Geschäft von Delivery Hero in Asien verantwortlich sein soll.

Delivery Hero hatte Mitte Dezember 2019 mitgeteilt, dass das Unternehmen sich 82 Prozent des südkoreanischen Unternehmens Woowa gesichert habe. Weitere Woowa-Eigner könnten ihre Anteile noch zu gleichen Bedingungen einreichen, dann würde Delivery Hero sogar 88 Prozent an Woowa besitzen, hieß es damals weiter. Die verbleibenden 12 Prozent an Woowa könne Delivery im Laufe von zwei bis vier Jahren gegen Delivery-Hero-Aktien erwerben. Alle Anteile an Woowa sollen in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sitz in Singapur eingebracht werden.

Woowa führte bis dato mit der Marke Baedal Minjok einen der größten Online-Essenslieferservices in Südkorea. Auch in Vietnam ist das koreanische Unternehmen aktiv. In seinem Heimatmarkt kamen die Koreaner im dritten Quartal 2019 - direkt vor der Bekanntgabe - den Angaben zufolge auf ungefähr 100 Millionen Bestellungen.

In der Telefonkonferenz nahm Östberg zudem zu einem Verkauf eigener Anteile vor einigen Tagen Stellung. Dies habe nichts mit der Entscheidung der Kartellbehörde zu tun. Vielmehr habe Östberg sich nach der Aktienrallye infolge des Wahlsieges von Joe Biden in den USA zu diesem Verkauf entschieden. Der Zeitpunkt sei "sehr unglücklich" gewesen und habe ihn in eine sehr unkomfortable Lage gebracht. Er glaube immer noch an das Unternehmen und halte weiterhin mehr als 95 Prozent seiner Anteile./ssc/jsl/he