BERLIN (dpa-AFX) - Zum Tag der Arbeit am 1. Mai pocht der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) auf eine europaweite Stärkung der sozialen Rechte. "Alle Parteien sind im gegenwärtigen Europawahlkampf viel zu mutlos", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. "Wir machen zum 1. Mai einen klaren Aufruf an alle Bürgerinnen und Bürger, bei der Europawahl von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen."

Unter dem Motto "Europa. Jetzt aber richtig!" will der DGB auf einer zentralen Kundgebung in Leipzig unter anderem für Mindestlöhne in ganz Europa werben. In Berlin beginnt der Tag der Arbeit mit einer Demonstration der Gewerkschaften zum Brandenburger Tor. In der Hauptstadt richtet sich der Fokus aber auf den Abend, wenn linksextreme und linksautonome Gruppen mit der üblichen Demonstration "Revolutionärer 1. Mai" durch Friedrichshain ziehen wollen.

Nach der abendlichen Demonstration mit teilweise mehr als 10 000 Teilnehmern hatte es früher regelmäßig Straßenschlachten zwischen Randalierern und der Polizei gegeben. In den vergangenen Jahren beruhigte sich die Lage zunehmend. In Hamburg sind dieses Jahr rund 1000 Teilnehmer für die "Revolutionäre 1. Mai-Demo" angemeldet.

In Hamburg tritt Verdi-Chef Frank Bsirske zum Tag der Arbeit auf, in Recklinghausen SPD-Chefin Andrea Nahles.

Traditionell mobilisiert die Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung für bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Er wird seit fast 130 Jahren begangen. In Deutschland gab es am 1. Mai 1890 erstmals Massendemonstrationen.

DGB-Chef Hoffmann forderte, bessere Arbeitsbedingungen müssten nicht nur in Deutschland, sondern europaweit ein gemeinsames Interesse sein. "Europa steht für Frieden und die Mehrung des Wohlstands", sagte Hoffmann. Die Nationalstaaten seien zu klein, um die Megatrends Digitalisierung, Globalisierung, Migration und Klimawandel alleine zu bewältigen. "Wir brauchen keine deutsche, wir brauchen eine europäische Energiewende", sagte Hoffmann. "Arbeit organisiert sich in der Digitalisierung nicht national, sondern europäisch und global." Europäische Antworten seien nötig.

"Fast alle Parteien in Deutschland sind viel zu lange auf Distanz zu Europa geblieben nach dem Motto: Alles, was schlecht ist, kommt aus Europa - alles Gute kommt aus Deutschland", so der DGB-Chef. "Viel zu lange herrschte die Auffassung vor: Mit Europa kann man keine Wahlen gewinnen." Der DGB-Chef forderte: "Die Politik muss viel offensiver sagen, was uns Europa wert ist." Kaum einer wisse, "dass Europa die Grundlage dafür war, dass wir einen relativ modernen Arbeits- und Gesundheitsschutz haben".

Hoffmann forderte eine größere deutsche finanzielle Beteiligung in der EU. "Wir müssen den Menschen deutlich machen, dass gerade wir in Deutschland die größten Gewinner der europäischen Einheit sind", sagte er. "Und wir müssen dafür bitteschön auch Verantwortung übernehmen, etwa indem wir uns stärker an den finanziellen Lasten beteiligen."/bw/rab/ju/ggr/fi/DP/jha