(neu: Aussagen aus dem Gespräch mit dem Verwaltungsratschef, Analystenstimmen, Aktienkurs)

LUXEMBURG (dpa-AFX) - Der Wohnimmobilienkonzern Grand City Properties hat im ersten Quartal von einer starken Nachfrage nach Wohnungen sowie den jüngsten Zukäufen profitiert. Das operative Ergebnis (FFO I) legte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um drei Prozent auf 48,4 Millionen Euro zu, wie das im MDax notierte Unternehmen am Dienstag in Luxemburg mitteilte. Die Aktie fiel im Nachmittagshandel um rund 0,4 Prozent auf 16,31 Euro.

Nach Einschätzung von Analyst Jonathan Kownator von der US-Bank Goldman Sachs hat der Wohnungskonzern die Erwartung für das operative Ergebnis verfehlt. Für Analyst Kai Klose von der Privatbank Berenberg hingegen schnitt Grand City Properties dank höherer Mieten und geringem Leerstand operativ etwas besser ab. Die Profitabilität dürfe sich im laufenden Jahr noch verbessern. Auch die Prognose hält der Experte für realistisch.

Das Gewinnziel für das laufende Jahr bestätigte das Unternehmen, das operative Ergebnis soll demnach auf 188 bis 197 Millionen Euro steigen. 2021 hatte das operative Ergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um zwei Prozent auf 186 Millionen Euro zugelegt.

Die Nettomieteinnahmen zogen in den ersten drei Monaten dieses Jahres um sieben Prozent auf 97,1 Millionen Euro an. Der Großteil des Plus stammt aus den jüngsten Zukäufen, der Rest aus Mietsteigerungen und der Reduzierung von Leerständen. 2021 erwarb Grand City Properties Immobilien im Volumen von rund 700 Millionen Euro, unter anderem in der britischen Hauptstadt London, sowie in Berlin, Dresden und München.

Unter dem Strich blieb im ersten Quartal ein Gewinn von knapp 47 Millionen Euro übrig, neun Prozent weniger als im Vorjahr. Das lag vor allem an niedrigeren Veräußerungsgewinnen.

Die Aktien von Immobilienkonzernen stehen vor allem wegen steigender Zinsen seit einigen Monaten unter Druck. Die Papiere von Grand City Properties verloren seit Jahresbeginn rund ein Fünftel. Verwaltungsratschef Christian Windfuhr konnte im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX die Kursentwicklung nicht nachvollziehen. "Bei uns wirken sich die steigenden Zinsen zunächst einmal nicht auf unser Geschäft aus", sagte er. Die Schulden des Unternehmens seien zu 96 Prozent fix. Zinsänderungen würden das Unternehmen nicht treffen. "Wir haben für 6,6 Jahre unsere 1,1 Prozent Kosten an den Schulden garantiert", fügte er hinzu.

In den nächsten zwei Jahren müsse Grand City Properties überhaupt nichts zurückzahlen, in den darauf folgenden beiden Jahres eher kleinere Summen. Größere Rückzahlungen für Bonds fielen erst 2026, 2027 und 2028 an. Zudem habe sich das Unternehmen 250 Millionen Euro bei Banken gesichert, falls das Unternehmen Geld etwa für Zukäufe brauche. Allerdings sei die Wahrscheinlichkeit gering, dass GCP in absehbarer Zeit wegen Akquisitionen viel neues Geld aufnehmen werde. Denn "alles, was vorhanden ist, ist zu teuer, sodass wir nicht kaufen können", sagte Windfuhr.

Grand City Properties ist insbesondere in dicht besiedelten Gebieten Deutschlands aktiv, so etwa in Berlin, Nordrhein-Westfalen, in der Region Halle-Leipzig-Dresden sowie im Rhein-Main-Gebiet. Die Gesellschaft ist auch in Metropolen wie London und München vertreten. Größter Aktionär ist der Gewerbeimmobilienkonzern Aroundtown , der rund 50 Prozent am Unternehmen hält./mne/lew