(neu: Einstieg, Details vom Kapitalmarkttag, Zitate von Vorstand.)

BERLIN (dpa-AFX) - Der Kochboxenversender Hellofresh hat zum fünften Mal in diesem Jahr die Prognose erhöht und ist auch für 2021 weiterhin optimistisch, wenn auch vorsichtiger. In den vergangenen Monaten habe der Konzern zwar deutlich von der verstärkten Nachfrage in der Corona-Pandemie profitiert, sagte Finanzvorstand Christian Gärtner auf einem Kapitalmarkttag am Donnerstag in Berlin. Grund waren unter anderem geschlossene Restaurants, Reise-Restriktionen oder Ausgangsbeschränkungen, die zu höheren Ausgaben für Essen zu Hause führten.

Mit Blick auf eine sich wieder normalisierende Welt könnte die Nachfrage aber wieder zurückgehen, etwa wenn Kunden wieder in den Urlaub fahren und somit ihre Kochbox-Abonnements pausieren. So erwartet Gärtner für 2021 inklusive des im November angekündigten Zukaufs von Factor75 ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 20 bis 25 Prozent im Vorjahresvergleich.

Der Neuzugang soll das Produktportfolio der Berliner erweitern: Neben portionierten Lebensmitteln samt Rezepten zum Kochen zu Hause will Hellofresh künftig über Factor75 verzehrfertige Gerichte anbieten. Wann genau, ließ Hellofresh-Chef Dominik Richter am Donnerstag offen. Kommendes Jahr sollten zunächst Synergien geschaffen und die jeweiligen Teams integriert werden.

Mittelfristig - also in den kommenden fünf bis sechs Jahren - will Hellofresh insgesamt einen Umsatz von 10 Milliarden Euro schaffen. Dabei soll die Marge des bereinigten Ebitda in dem Zeitraum auf eine zweistellige Zahl wachsen.

Die optimistischen Aussichten begrüßten die Anleger wie selten zuvor. Die Hellofresh-Aktie kletterte am Nachmittag nach der Präsentation des Kapitalmarkttages um fast 16 Prozent auf 58,10 Euro. Damit ließ die Aktie ihr bisheriges Rekordhoch von Mitte Oktober dieses Jahres hinter sich. Die seit März im MDax gelistete Aktie gehört zu den ganz großen Corona-Gewinnern am Finanzmarkt.

Am Mittwochabend hatte Hellofresh in einer erneuten Prognoseanhebung bereits mitgeteilt, dass das Management für 2020 nun mit einem währungsbereinigten Umsatzwachstum von 107 bis 112 Prozent nach zuvor 95 bis 105 Prozent rechne. Dass der starke Euro rund vier Prozentpunkte Wachstum kosten wird, dürfte die Verdoppelung der Erlöse nun nicht mehr gefährden. 2019 war der Erlös um 41 Prozent auf 1,81 Milliarden Euro gestiegen.

Zwischen 12,5 und 13,5 Prozent des Umsatzes sollen als Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen und Sonderposten übrig bleiben. Bisher hatte Hellofresh mit 11,25 bis 12,75 Prozent kalkuliert. Beide neuen Ziele liegen nach Angaben des Unternehmens über den durchschnittlichen Schätzungen von Analysten. Für das kommende Jahr rechnet der Vorstand dagegen nur noch mit 9 bis 12 Prozent, wie am Donnerstag auf dem Kapitalmarkttag bekannt wurde.

Auf Basis der mittleren Werte der Prognosespannen dürfte der Umsatz im laufenden Jahr auf rund 3,7 Milliarden Euro und das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) auf zirka 480 Millionen Euro steigen. 2019 hatte dieser Wert bei 46,5 Millionen Euro gelegen.

Die Erwartungen für das kommende Jahr liegen über den Prognosen des JPMorgan-Analysten Marcus Diebel. Er hatte bisher für 2021 mit einem Umsatz von knapp 4,1 Milliarden Euro und einem operativen Gewinn von 432 Millionen Euro gerechnet. Die von Hellofresh abgegebene erste Indikation deutet aber auf einen Umsatz von knapp 4,6 Milliarden Euro sowie ein operatives Ergebnis von 480 Millionen Euro hin.

Der JPMorgan-Experte hatte sich zuletzt skeptisch zu den mittelfristigen Perspektiven geäußert und das Papier auf "Underweight" gesenkt. Er löste damit eine zwischenzeitliche Kursschwäche aus. Wegen der zuletzt wieder deutlich schlechteren Corona-Lage ist diese allerdings wieder beendet. Das Papier legte erst am Mittwoch knapp fünf Prozent zu und sprang wieder über die Marke von 50 Euro./ngu/zb/knd/men