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BERLIN (dpa-AFX) - Fünf Jahre nach dem Weltklimaabkommen von Paris einigt sich die EU auf ein stärkeres Klimaziel - Aktivistin Luisa Neubauer hält das auch für einen Beleg, dass die Proteste von Fridays for Future Wirkung zeigen. "Für uns auf der Straße zeigt sich heute einmal mehr: Es kommt auf uns an, auf die Menschen", sagte Neubauer am Freitag der Deutschen Presse-Agentur. An diesen liege es nun, für eine Begrenzung des Klimawandels auf 1,5 Grad zu kämpfen. Damit sei der EU-Plan nicht vereinbar, monierte sie.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und die weiteren Staats- und Regierungschefs der EU hatten sich am Freitagmorgen auf einem Gipfel in Brüssel auf ein neues EU-Klimaziel für das Jahr 2030 geeinigt. Dem Beschluss zufolge soll der Treibhausgas-Ausstoß innerhalb der Europäischen Union bis dahin im Vergleich zum Jahr 1990 um 55 Prozent verringert werden. Bisher lag das Ziel bei minus 40 Prozent.

Das nun beschlossene Ziel sei "lange für utopisch gehalten" worden, sagte Neubauer der dpa. Deutschland hänge der EU nun hinterher: Ein Kohleausstieg bis 2030 sei "die logische Konsequenz". Bislang soll das letzte deutsche Kohlekraftwerk spätestens 2038 vom Netz gehen.

Um mehr Klimaschutz einzufordern, demonstrierten am Freitag wieder Menschen in aller Welt sowohl online als auch je nach Corona-Lage teils auf den Straßen - Fridays for Future hatte dazu zu Protesten weltweit aufgerufen. Laut der Klimabewegung waren knapp 2500 Aktionen rund um die Erde geplant gewesen.

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin bildeten Aktivisten aus Kerzen das Motto der Proteste: "#FightFor1Point5" ("Kämpft für 1,5 Grad"). Auf dem Hamburger Rathausmarkt wurde eine "Galerie des Scheiterns" mit einem großen, blauen Erdball aufgestellt, in Hannover eine Straße vor dem Umweltministerium blockiert. In Köln hielten Demonstranten ein riesiges Banner von der Deutzer Brücke. "1,2 Grad Erderwärmung sind schon jetzt eine Zumutung", stand darauf.

Am Samstag jährt sich die Einigung der UN-Klimakonfernz in Paris auf das Weltklimaabkommen zum fünften Mal. An dem Tag sollen bei einem eintägigen, virtuellen UN-Gipfel viele Staaten ihre Fortschritte und Pläne im Klimaschutz darstellen.

Fridays for Future Deutschland beklagte, dass fünf Jahre nach der Einigung in Paris klar sei, dass es ein langer Weg sei, bis auf Worten Taten folgten. Ähnlich sieht das auch die führende Aktivistin Greta Thunberg: "Morgen sind es fünf Jahre seit dem Pariser Abkommen. Fünf Jahre der Untätigkeit und des Schaffens von Schlupflöchern. Wir können so nicht weitermachen", schrieb die junge Schwedin auf Twitter. Es sei Zeit, weg von fernen Zielen der Klimaneutralität und hin zu verbindlichen, jährlichen CO2-Budgets zu kommen.

Das 55-Prozent-Ziel der EU hatten Thunberg und Neubauer schon Anfang Oktober als unzureichend bezeichnet und der EU dabei Schönrechnerei vorgeworfen. Da dieser Wert auf dem Vergleichsjahr 1990 basiere, würden dabei die CO2-Rückgänge der vergangenen 30 Jahre miteingerechnet, hatten die beiden gemeinsam mit ihren belgischen Mitstreiterinnen Anuna de Wever und Adélaïde Charlier auf der Online-Plattform "Medium" geschrieben. Damit sei das Ziel gemessen an den Werten von 2018 in Wirklichkeit eher ein 42-Prozent-Ziel. "Die EU mogelt mit den Zahlen - und klaut unsere Zukunft", schrieben sie./ted/trs/DP/nas