(neu: Aussagen aus der Bilanz-PK, Kurs.)

KÖLN (dpa-AFX) - Der Chemiekonzern Lanxess peilt im laufenden Jahr ein kräftiges Gewinnwachstum an - allerdings könnten die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs den Plan auch noch durchkreuzen. Grundsätzlich werde trotz weiter steigender Energie- und Rohstoffpreise sowie weltweit fragiler Lieferketten ein deutliches Wachstum erwartet, teilte der MDax -Konzern am Freitag bei der Veröffentlichung seiner Geschäftszahlen für 2021 mit. Allerdings seien die Auswirkungen der geopolitischen Spannungen dabei noch nicht berücksichtigt.

Zumindest der Jahresauftakt verlief aber wohl gut. Zudem sorgt die 1,3 Milliarden schwere Übernahme des Microbial-Control-Geschäfts vom US-Duftstoff- und Aromenhersteller IFF für einen gewissen Puffer. Sie soll im zweiten Quartal abgeschlossen werden und ist im aktuellen Ausblick nicht berücksichtigt.

Für das erste Quartal peilt Konzernchef Matthias Zachert einen Anstieg des bereinigten operativen Ergebnisses (Ebitda) auf 280 bis 320 Millionen Euro an, nach 242 Millionen ein Jahr zuvor. Der Ausblick dürfte für Erleichterung sorgen, schrieb Analyst Chetan Udeshi von der US-Bank JPMorgan in einer ersten Reaktion. So signalisiere das Unternehmen einen guten Jahresstart. Der Energiekostenanstieg des Schlussquartals sei offenbar vollständig an die Kunden weitergereicht worden. Der Fokus in der Telefonkonferenz zu den Jahreszahlen dürfte auf dem Öl- und Energiepreisanstieg der vergangenen Wochen liegen.

In der Regel dauert es einige Monate, bis Unternehmen höhere Kosten für Rohstoffe und Energie auf die Kunden umlegen können. Zachert hatte daher bereits im Herbst darauf hingewiesen, dass der Kostendruck zum Jahresende hin nochmals zunehmen werde. Lanxess verzeichnete denn auch hohe Kosten für Rohstoffe, Energie und Transport zu spüren. Dabei sei es aber gelungen, die Preissteigerungen für Rohstoffe und Energie an die Kunden weiterzureichen, erklärte Finanzchef Michael Pontzen auf der Bilanzpressekonferenz.

Im aktuellen inflationären Umfeld wird Lanxess die Verkaufspreise auch weiter anheben. So ging der Konzern laut Zachert im vergangenen Jahr dazu über, Energiepreise in die Kundenverträge aufzunehmen. Mit Blick auf die 2021 insbesondere bei Seefracht angespannten Logistikketten gibt sich der Manager weiterhin vorsichtig. Dabei schaut er nun durchaus besorgt auf die Lkw-Branche, die sehr viele Ukrainer beschäftige.

Die im Sog hoher Energie- und Ölkosten steigenden Preise in der gesamten Chemiebranche, die eher am Anfang der Wertschöpfungskette steht, dürften auch bald bei den Endverbrauchern in den Läden ankommen. "Wir beginnen die Kette. Wir sind Zulieferer vieler Industrien", sagte Zachert. Das werde sich dann in sechs bis neun Monaten in den Endverbraucherpreisen widerspiegeln.

Mit Blick auf das abgelaufene Jahr profitierte Lanxess von einer guten Nachfrage der Autoindustrie, der Bau- und verarbeitenden Industrie sowie nach Materialschutz- und Wasseraufbereitungsprodukten. Hinzu kamen die Preiserhöhungen für die Produkte des Konzerns. Der Umsatz stieg 2021 daher - und auch dank Übernahmen wie der des US-Spezialchemikalien-Herstellers Emerald Kalama Chemical - um fast ein Viertel auf 7,56 Milliarden Euro.

Der Emerald-Kauf, der das Geschäft rund um Desinfektions- und Konservierungsmittel der Sparte Consumer Protection stärken soll, wurde Anfang August abgeschlossen. Emerald bietet Produkte für Aroma- und Duftstoffe, Konservierungsmittel für Lebensmittel sowie für Reinigungs- und Kosmetikprodukte an. Auch das Microbial-Control-Geschäft von IFF soll nach Abschluss der Übernahme in den Geschäftsbereich Consumer Protection eingebracht werden. Mit diesem Kauf ist Lanxess auf dem Weg, einer der weltweit größten Anbieter antimikrobieller Schutzprodukte zu werden, die unter anderem die Lebensdauer von Farben, Lacken, Körperpflegeprodukten und Haushaltsreinigern verlängern.

Als bereinigtes operatives Ergebnis (Ebitda) blieben vom Umsatz im abgelaufenen Jahr 13,4 Prozent hängen, 0,7 Prozentpunkte weniger als 2020. Absolut ergab sich damit ein Anstieg des bereinigten Ebitda um gut 17 Prozent auf 1,01 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieb aus dem fortgeführten Geschäft mit 218 Millionen Euro deutlich weniger Überschuss übrig als im Vorjahr - da hatte Lanxess durch den Verkauf der Anteile am Chemiepark-Betreiber Currenta einen hohen außerordentlichen Ertrag erzielt. Die Dividende soll nun um fünf Prozent auf 1,05 Euro je Aktie angehoben werden. Damit schnitt Lanxess beim Umsatz besser ab als von Analysten im Durchschnitt erwartet, und beim operativen Gewinn in etwa wie gedacht.

Für die Lanxess-Aktien ging es am Mittag um knapp 5 Prozent auf 42 Euro nach oben. Damit knüpften sie an ihren jüngsten Erholungsversuch an, nachdem sie in Folge des Ukraine-Krieges und des damit verbundenen Anstiegs der Rohstoff- und Energiepreise vor wenigen Tagen unter die Marke von 34 Euro gerutscht waren. Für 2022 summieren sich die Kursverluste immer noch auf rund ein Viertel./mis/men/jha/