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BERLIN (dpa-AFX) - Längere Weihnachtsferien zum Schutz vor Corona wie in Nordrhein-Westfalen soll es in mehreren anderen Bundesländern nicht geben. NRW will damit Familien besser vor einer Corona-Infektion rund um Weihnachten schützen. Andere Länder halten wenig von der Idee. Es geht darum, ob der letzte Schultag Freitag, 18. Dezember, oder Dienstag, 22. Dezember, ist. In neun Ländern fangen die Ferien ohnehin bereits am 21. Dezember an.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) hatte am Dienstag einen früheren Beginn der Winterschulferien in NRW um zwei Tage ins Spiel gebracht. "Die Idee ist nicht schlecht." Hintergrund der Überlegungen ist, dass die Menschen einige Tage vor Weihnachten die Kontakte möglichst beschränken sollten, damit es bei den Familienfeiern nicht zu Ansteckungen kommt. Am Mittwoch gab NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) das Vorziehen bekannt.

Prompt regte sich Protest. Die Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Maike Finnern, sagte am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur: "Aus Sicht der Familien kann die Maßnahme nur dann sinnvoll sein, wenn die Betreuung der Kinder gesichert ist und wenn sie wirklich die Zeit als vorgezogene Quarantäne nutzen, um zum Weihnachtsfest möglichst infektionsfrei zu sein." Nicola Stroop, Vorstand des Verbands alleinerziehender Mütter und Väter in NRW, nannte den Schritt "für Alleinerziehende eine Hiobsbotschaft".

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hingegen sprach im RBB-Inforadio von "einem pragmatischen Ansatz, den man diskutieren, den man machen kann". Planbarkeit für Eltern, Kinder, Lehrer und Erzieher sei wichtig.

Auch in Baden-Württemberg könnten die Schüler früher in die Weihnachtsferien starten - möglicherweise. Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will das in die Verantwortung der Schulen geben und rief diese auf, die Weihnachtsferien durch bewegliche Ferientage um zwei Tage nach vorne zu verlängern. "Das ist sicher ein kluges Vorgehen, für das vieles spricht", sagte Eisenmann der "Südwest Presse" (Donnerstag). Die Entscheidung müssten aber die Schulen vor Ort treffen, das Vorgehen müsse örtlich einheitlich geregelt werden.

Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) sagte hingegen: "Wir haben dann ein veritables Betreuungsproblem." Familien hätten ihre Planungen mittlerweile abgeschlossen, auch ihre entsprechenden Urlaubsplanungen gemacht. Eisenmann riet Familien davon ab, die gewonnene Zeit bis zum 9. Januar für einen Urlaub zu nutzen.

Niedersachsen hält von einem Vorziehen nicht. Zwischen dem letzten Schultag und Heiligabend lägen dann lediglich fünf Tage - weniger als die Inkubationszeit von SARS-CoV-2 nach den aktuellen Erkenntnissen. "Die Botschaft von Scheinsicherheit zu senden, das können wir so nicht verantworten", sagte eine Ministeriumssprecher. Sollte sich die Erkenntnislage ändern, schließe man das aber nicht aus. Auch in Bremen ist das derzeit kein Thema, wie eine Sprecherin der Schulbehörde deutlich machte.

Schulen werden unterdessen immer mehr zu einem Ort des Infektionsgeschehens. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, sagte: "Wir sehen immer mehr Ausbrüche in Schulen." Zu beobachten seien hohe Neuinfektionszahlen in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen. Das Infektionsgeschehen werde in die Schulen und auch aus ihnen heraus getragen. "Wir wissen ja schon seit langer Zeit, dass natürlich auch Kinder infiziert werden können." Hinweise auf eine geringere Sauerstoffversorgung und psychische Belastung von Kindern durch das Tragen von Mund-Nasen-Schutz gebe es nicht.

Nach einem Bericht der Zeitungen der Funke Mediengruppe (Donnerstag) unter Berufung auf 14 Länder unterrichten rund 3000 Schulen in Deutschland nicht mehr im Regelbetrieb. Es geht um Schulen, die nicht mehr vollständig Präsenzunterricht anbieten. In Deutschland gibt es rund 40 000 Schulen mit insgesamt 11 Millionen Schülern und rund 800 000 Lehrern. Allein in Nordrhein-Westfalen befänden sich nach Angaben des dortigen Kultusministeriums Schülerinnen und Schüler an 552 Schulen auf Anordnung der Gesundheitsbehörden in Quarantäne und würden digital unterrichtet. In Baden-Württemberg gebe es an 273 Schulen keinen regulären Präsenzunterricht mehr.

In Bayern sind 24 der knapp 6200 Schulen wegen Corona-Infektionen geschlossen. Rund 34 500 Schülerinnen und Schüler sowie 2100 Lehrkräfte sind in Corona-Quarantäne. 2800 Kinder und Jugendliche sowie rund 400 Lehrer hatten am Donnerstag einen positiven Covid-19-Test, wie aus Daten des Kultusministeriums in München hervorgeht. Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sagte am Mittwochabend im ZDF-"heute journal", in seinem Bundesland gingen 95 Prozent der Schüler weiter regulär zur Schule.

GEW-Chefin Marlis Tepe geht der Corona-Schutz nicht weit genug. Sie sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstag): "So wie im Moment unterrichtet wird, sind die Gesundheitsrisiken für Schüler und Lehrer zu hoch." Die Klassen müssten geteilt werden. "Je eine Gruppe wäre dann in der Schule, eine zu Hause." Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte sich für Maskenpflicht im Unterricht auch auf Grundschulen ausgesprochen. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK) und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD sagte dem "Handelsblatt", alle Länder hätten "zusätzliche Maßnahmen ergriffen, um den Präsenzunterricht unter Corona-Bedingungen möglich zu machen"./bw/DP/zb