(neu: Verkauf von Fondsvertriebsplattform mit Sondergewinn, aktualisierte Aktienreaktion)

ZÜRICH (dpa-AFX) - Die Schweizer Großbank UBS streicht nach einem Gewinnrückgang ihr Renditeziel für die kommenden Jahre zusammen. Der Konzernumbau und Abschreibungen schlugen teuer zu Buche, und die anhaltenden Niedrigzinsen trüben die Aussichten. Einen Erfolg erzielte die Bank derweil mit dem Verkauf der Mehrheit an ihrer Fondsvertriebsplattform Fondcenter. Neuer Mehrheitseigentümer wird die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream. Die UBS verspricht sich von dem Deal einen Sondergewinn von rund 600 Millionen US-Dollar (541 Mio Euro), wie sie am Dienstag in Zürich mitteilte.

An der Börse in Zürich kamen die Nachrichten schlecht an. Die UBS-Aktie verlor nach Handelsstart deutlich an Wert und war um die Mittagszeit mit einem Minus von 5,34 Prozent auf 12,12 Franken immer noch Schlusslicht im Schweizer Leitindex SMI. Allerdings hatte sich der Kurs seit seinem Zwischentief vom August in den vergangenen Monaten deutlich erholt. Analysten bewerteten die Zahlen der Bank gemischt.

Der Gewinn der UBS fiel im vergangenen Jahr um knapp fünf Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar, übertraf jedoch die durchschnittlichen Erwartungen von Analysten. Die Aktionäre sollen dennoch eine leicht erhöhte Dividende von 73 US-Cent erhalten. Für 2018 hatte die Bank noch umgerechnet knapp 0,69 US-Cent ausgeschüttet.

Wenn man Effekte wie Sonderabschreibungen sowie die Kosten für den Konzernumbau herausrechnet, wäre der Gewinn vor Steuern um ein halbes Prozent auf etwas mehr als sechs Milliarden Dollar gesunken. Die Rendite auf das harte Kernkapital lag mit 12,4 Prozent am unteren Rand dessen, was sich das Management für die kommenden Jahre jetzt zum Ziel gesetzt hat.

So peilt Bankchef Sergio Ermotti für die Jahre 2020 bis 2022 bei der Rendite auf das harte Kernkapital jetzt einen Wert zwischen 12 und 15 Prozent an. Ursprünglich hatte sich das Management schon für das kommende Jahr 17 Prozent zum Ziel gesetzt. Analysten hatten diesen Wert aber ohnehin für zu ambitioniert gehalten und mit einer Senkung gerechnet. Zuvor war bereits die UBS-Konkurrentin Credit Suisse <CH0012138530> bei ihrem Renditeziel zurückgerudert.

Anders als das Renditeziel bekräftigte Ermotti seine Kapitalziele. So will er weiterhin kräftig Geld an die Aktionäre ausschütten, auch wenn die Dividende in den kommenden Jahren lediglich um jeweils einen Cent steigen soll.

Zudem setzt die UBS weiterhin auf Aktienrückkäufe. Im ersten Halbjahr will sie Aktien in Höhe von 450 Millionen Dollar zurückkaufen und damit das laufende Programm über zwei Milliarden Franken (2,06 Mrd Dollar) abschließen. Mögliche weitere Rückkäufe will sie in der zweiten Jahreshälfte prüfen. Der Kapitalpuffer der Bank dürfte schon wegen des Deals mit der Deutschen Börse in Kürze weiter anschwellen. Die UBS rechnet hier im Zuge des Spartenverkaufs mit einem Zuwachs von 400 Millionen Dollar.

2019 hatte die Bank rund 800 Millionen Dollar in den Rückkauf eigener Aktien gesteckt. Die UBS gibt ihre Ziele für den Aktienrückkauf sowie die Dividende seit Kurzem in Dollar an. Ihre Bilanzkennziffern weist sie bereits seit 2018 in Dollar aus, da sie einen Großteil ihrer Geschäfte in Dollar abwickelt.

Mit Blick auf die Zukunft zeigte sich Ermotti wegen der volkswirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten vorsichtig, auch wenn er im ersten Quartal mit etwas stärkeren saisonalen Effekten rechnet. Ein Problem bleibt aus seiner Sicht das Dauer-Zinstief: "Die ohnehin tiefen, teils hartnäckig negativen Zinsen sowie die Erwartung anhaltender geldpolitischer Lockerungen werden den Nettozinsertrag weiter belasten."

Der Bankchef will deshalb die Effizienz des Instituts steigern. So soll die Aufwandsquote bis zum Jahr 2022 auf 75 bis 78 Prozent sinken. Im vergangenen Jahr hatten die Kosten noch etwas mehr als 80 Prozent der Erträge aufgezehrt und damit noch mehr als 2018 - und das, obwohl die Bank ihre Kosten um knapp vier Prozent auf 23,3 Milliarden Dollar drücken konnte.

Die Erträge sanken allerdings etwas stärker auf 28,9 Milliarden Dollar. Mit der neuen Vorgabe für die Kosten- und Aufwandsquote ist die Bankspitze etwas vorsichtiger als zuletzt. Allerdings hatte sie bei dem bisher für 2021 geltenden Ziel von 72 Prozent Sondereffekte ausgeklammert.

Ermotti gibt zudem keine Ziele mehr für die Einwerbung von Netto-Neugeldern an. Dies ist keine große Überraschung, nachdem er zuletzt immer wieder betont hatte, dass Qualität vor Quantität gehe. Die reine Masse an Neugeldern verliere in der Branche an Bedeutung. Allerdings bestätigte der Manager seine Pläne für das Gewinnwachstum im Kerngeschäft - der globalen Vermögensverwaltungssparte GWM. Hier soll der Gewinn vor Steuern in den Jahren 2020 bis 2022 jährlich zwischen 10 bis 15 Prozent steigen./zb/stw/eas