(Neu: Aussagen aus der Pressekonferenz, Aktienkurs, Analysten)

BOCHUM (dpa-AFX) - Deutschlands größter Immobilienkonzern Vonovia will nach Zuwächsen bei Umsatz und operativen Ergebnissen 2021 auch im laufenden Jahr deutlich zulegen. Dazu beitragen sollen neben höheren Mieteinnahmen vor allem die Übernahme des Branchenrivalen Deutsche Wohnen . "2021 haben wir unsere Ziele erreicht und teilweise sogar übertroffen", sagte Unternehmenschef Rolf Buch bei Vorlage der Jahreszahlen am Freitag in Bochum. "Wir erwarten für Umsatz, Ebitda und Group FFO ein Wachstum von mehr als 20 Prozent", sagte er mit Blick auf 2022.

Das operative Ergebnis (FFO) soll 2022 auf 2,0 bis 2,1 Milliarden Euro steigen, wie das Dax -Unternehmen mitteilte. Im vergangenen Jahr wuchs der operative Gewinn im Jahresvergleich um 24 Prozent auf fast 1,7 Milliarden Euro.

Nach anfänglichen Gewinnen drehte die Aktie deutlich ins Minus. Zuletzt verlor das Papier um rund 3,3 Prozent und gehörte damit zu den schwächsten Werten im Leitindex Dax. "Angesichts des derzeit etwas verschlechterten Zinsumfelds und der damit einher gehenden Belastung für Immobilienaktien, sehen wir das Umfeld aktuell als leicht negativ an", schrieb der LBBW-Analyst Jürgen Graf. Er sprach von guten Zahlen, die Übernahme der Deutsche Wohnen werde sich aber erst 2022 voll auswirken.

Über den Krieg in der Ukraine zeigte sich Buch erschüttert. Wegen der stark gestiegenen Energiepreise rechnet der Manager bei den 2023 fälligen Nebenkostenabrechnungen für 2022 mit einer "Riesen-Problemflutwelle". Er mache sich "extreme Sorgen" darüber, sagte der Vonovia-Chef bei der Jahrespressekonferenz. Die Zeit bis dahin müsse man nutzen, sich mit der Fragestellung zu beschäftigten, "wie gehen wir dann konkret damit um", sagte Buch weiter. "Wie können wir zum Beispiel mit Stundungen und Ratenzahlungen in 2023 helfen."

Er glaube aber, das sei alleine von Mietern und Vermietern nicht zu stemmen. "Sondern es bedarf hier nochmal einer intensiven Unterstützung der Politik, und zwar nicht nur für eine kleine Gruppe, sondern wahrscheinlich für eine ganz große Gruppe von Menschen." Vonovia ist Deutschlands größter Wohnungskonzern. In Deutschland, Schweden und Österreich vermietet das börsennotierte Unternehmen mehr als 565 000 Wohnungen, davon mehr als 505 000 alleine in Deutschland. In Deutschland wohnte 2020 knapp die Hälfte der Bevölkerung zur Miete.

Deutschland müsste sich so schnell wie möglich von fossilen Energieträgern lösen, um unabhängiger von Importen zu sein, sagte Buch weiter. "Aber im Moment brauchen wir das Erdgas noch." Rund zwei Drittel der Wohnungen von Vonovia würden mit Erdgas beheizt. Die Entwicklung der Energiepreise mache es aber notwendig, energetisch zu sanieren und Erneuerbare Energien auszubauen.

Zudem brauche Deutschland aufgrund des Flüchtlingsstroms aus der Ukraine noch mehr Wohnungen. Deshalb müsste jetzt die Umsetzung bestehender Entwicklungsprojekte beschleunigt werden. Vonovia habe im vergangenen Jahr 2200 Wohneinheiten gebaut, sagte Buch.

Mit Blick auf das vergangene Jahr 2021 kletterten die Erlöse im Jahresvergleich um knapp 19 Prozent auf knapp 5,2 Milliarden Euro. Die Miete erhöhte sich im Schnitt auf 7,33 Euro pro Quadratmeter - das waren 2,4 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Zum Zuwachs trugen vor allem modernisierte Wohnungen bei. Die Kosten für energetische Sanierungen wie etwa Wärmedämmung sowie Austausch alter Heizungsanlagen und Fenster können die Konzerne teilweise auf die Miete umlegen.

Unter dem Strich ging der Gewinn wegen Wertberichtigungen auf Geschäfts- und Firmenwerte um rund 15 Prozent auf gut 2,8 Milliarden Euro zurück. Die Dividende soll dennoch 1,66 Euro je Aktie betragen. Das wäre ein Plus von acht Cent, wenn die durch die Kapitalerhöhung gestiegene Anzahl der Aktien auch für die Dividende des Vorjahres berücksichtigt werde, hieß es.

Gleichzeitig steckte Vonovia im vergangenen Jahr mit rund 2,2 Milliarden Euro knapp 13 Prozent mehr in Modernisierung, Neubau und Instandhaltung als vor einem Jahr. Der Verkehrswert des Immobilienportfolios legte dank des jüngsten Zukaufs um zwei Drittel auf rund 98 Milliarden Euro zu.

Analyst Kai Klose von der Privatbank Berenberg sprach von soliden Resultaten des Immobilienkonzerns. Die Bochumer kämen gut voran und hätten auf Ergebnisebene seine Erwartungen geschlagen. Auch der Ausblick klinge positiv. Analyst Charles Boissier von der Schweizer Großbank UBS zeigte sich hingegen bezüglich der Kennziffern für 2021 und Ziele für das laufende Jahr wenig überrascht.

Im vergangenen Jahr war dem Konzern die mehrheitliche Übernahme von Deutschlands zweitgrößtem Vermieter geglückt. Vonovia hält derzeit rund 87 Prozent an Deutsche Wohnen . Umstritten war der Deal vor allem in Berlin, wo Deutsche Wohnen noch rund 100 000 Wohnungen gehören. Um Kritiker zu besänftigen, hatte Vonovia-Chef Buch unter anderem eine Begrenzung der regulären Mietsteigerungen in Berlin bis zum Jahr 2026 angekündigt. Die Integration der Deutsche Wohnen soll Anfang 2023 abgeschlossen sein.

Erst vor kurzem wurde Vonovia zudem größter Aktionär des Branchenrivalen Adler Group , der in schweres Fahrwasser nach Vorwürfen und Attacken von einem Shortseller geraten war. Vonovia sicherte sich im Wege der Pfandverwertung einen Anteil von 20,5 Prozent an dem Konkurrenten. Die Aktien waren zur Besicherung eines Darlehens in Höhe von 250 Millionen Euro verpfändet worden, das Vonovia im Oktober 2021 durch die Ablösung eines Bankkredits dem bisher größten Adler-Anteilseigner Aggregate Holdings Invest gewährt hatte. Vonovia behält sich aber sämtliche Optionen vor, einschließlich eines vollständigen oder teilweisen Verkaufs der Aktien, bekräftigte Buch./mne/tob/jcf/stk