DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der angeschlagene Energiekonzern Uniper hat wegen seiner Liquiditätsprobleme bei der Bundesregierung einen Antrag auf Stabilisierungsmaßnahmen gestellt. "Uniper erfährt tägliche Mittelabflüsse im mittleren zweistelligen Millionenbereich", sagte Firmenchef Klaus-Dieter Maubach am Freitag auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf. Eine Situation, die nicht länger durchzuhalten sei. Ginge es weiter wie bisher, könne der Firma dieses Jahr wegen gestiegener Gas-Beschaffungskosten ein Verlust von 10 Milliarden Euro drohen. Maubach dementierte auf Nachfrage, dass Uniper kurz vor der Pleite stehe. Dies sei momentan auch nicht absehbar, sagte er.

Uniper spielt eine zentrale Rolle für die deutsche Energieversorgung und beliefert mehr als hundert Stadtwerke und Industriefirmen. Der größte deutsche Gasimporteur steht nach der starken Drosselung russischer Gaslieferungen stark unter Druck. Die Firma muss teureres Gas einkaufen, um die Verträge mit ihren Kunden bedienen zu können. Das Management musste deshalb Ende Juni seine Jahresprognose zurückziehen und bat um staatliche Hilfe. Denn bisher kann Uniper die Mehrkosten nicht weitergeben. Das könnte sich aber bald ändern.

Der von Uniper bei der Bundesregierung eingereichte Vorschlag basiere zunächst auf einer fairen Kostenverteilung, teilte der Konzern am Freitag in Düsseldorf mit. Dabei geht es um die Weitergabe von Preissprüngen beim Einkauf an die Kunden. Darüber hinaus enthalte der Vorschlag Eigenkapital-Komponenten, durch die sich der Bund an Uniper beteiligen könnte, hieß es weiter. Zudem sehe der Vorschlag Fremdkapital-Mittel durch eine Aufstockung der KfW-Kreditlinie vor. Diese hat der Konzern bislang nicht gezogen. Die Maßnahmen zielen laut Mitteilung darauf ab, das derzeitige Auflaufen erheblicher Verluste zu beenden und den Liquiditätsbedarf von Uniper zu decken.

Außerdem hat auch Unipers Großaktionär Fortum einen Vorschlag bei der Bundesregierung eingereicht. Dieser sieht eine Umstrukturierung von Uniper vor - mit dem Ziel, eine Versorgungssicherheitsgesellschaft im Eigentum des Bundes zu gründen. Fortum hat Uniper rund vier Milliarden Euro als Barmittel und nochmal genauso viel als Garantien zu Verfügung gestellt. Der Konzern hält mit rund 78 Prozent den Großteil der Uniper-Aktien.

Der Kurs der Uniper-Aktie sprang nach Bekanntwerden der beantragten Stabilisierungsmaßnahmen um mehr als fünf Prozent ins Plus. Den Großteil der Gewinne gab sie aber wieder ab und schloss gut ein halbes Prozent im Plus bei 10,92 Euro. Auch die Fortum-Aktie legte zunächst an der finnischen Börse zu, rutschte dann aber ins Minus und ging mit leichten Verlusten ins Wochenende.

Der Uniper-Kurs war zuletzt stark eingebrochen, als sich die Notwendigkeit staatlicher Hilfen mehr und mehr abzeichnete. Seit dem Jahreswechsel verzeichnet die Aktie einen Abschlag von rund 74 Prozent. Der wahrscheinliche Einstieg des Bundes als Großaktionär bei dem angeschlagenen Gasversorger dürfte einer durchgreifenden Erholung des Aktienkurses bis auf Weiteres entgegenstehen, hieß es an der Börse.

"Wir streben eine kurzfristige Einigung mit der Bundesregierung an, und damit meine ich eher Wochen als Monate", sagte Uniper-Chef Maubach am Freitagnachmittag. In welcher Höhe sich der Bund womöglich an dem Konzern beteiligt, wollte der Manager nicht kommentieren. Aber: "Wir sprechen hier nicht nur von einer Beteiligung in Höhe von nur fünf oder zehn Prozent", sagte er.

In den vergangenen Tagen hatte es bereits verschiedene Medienberichte über die Höhe der möglichen Beteiligung gegeben. Unter anderem hatte das "Handelsblatt" geschrieben, dass der Bund mit mehr als 30 Prozent bei dem Düsseldorfer MDax-Konzern einsteigen könnte. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg gemeldet, dass der Bund Uniper mit insgesamt bis zu neun Milliarden Euro retten könnte. Diese Summe erwähnte am Freitag auch der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD).

Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) sicherte Uniper unterdessen staatliche Unterstützung zu. "Wir werden nicht zulassen, dass ein systemrelevantes Unternehmen in Insolvenz geht und infolgedessen der globale Energiemarkt in Turbulenzen gerät", sagte er. Die Bundesregierung werde die Option wählen, die für den deutschen Steuerzahler die beste und günstigste und für die Versorgungssicherheit die sicherste sei.

Die Bundesregierung arbeite mit Hochdruck an Stabilisierungsmaßnahmen. "Wir sind hierzu mit allen Akteuren im engen Austausch", sagte Habeck. Über die konkrete Form der Unterstützung werde jetzt verhandelt und dann entschieden. Er verwies darauf, dass das geänderte Energiesicherungsgesetz dem Bund verschiedene Möglichkeiten gebe.

Dabei ist es noch unklar, ob Uniper die Mehrkosten an seine Kunden weiterreichen darf oder ob das Unternehmen über ein Umlagesystem, das die Allgemeinheit zahlt, mehr Geld bekommt und seine knappen Kassen etwas füllen kann. Absehbar ist zudem, dass der Bund als Anteilseigner bei Uniper einspringt und damit einem strauchelnden deutschen Konzern unter die Arme greift - wie schon in der Corona-Krise der Lufthansa . Bundestag und Bundesrat hatten am Freitag gesetzliche Änderungen beschlossen, um mögliche Hilfen des Bundes für angeschlagene Energieunternehmen wie Uniper zu erleichtern.

Eine Entscheidung für konkrete Maßnahmen der Bundesregierung bei Uniper gibt es noch nicht, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Regierungskreisen erfuhr. Ein milliardenschwerer Einstieg des Bundes bei Uniper über eine Beteiligung beim Eigenkapital sei möglich. Denkbar sei aber auch ein Mix mit der Möglichkeit, dass Uniper hohe Preissteigerungen beim Gaseinkauf an die Kunden weitergebe.

Die Energiepreise steigen schon seit langem und die Entwicklung dürfte sich bald beschleunigen. "Unsere Kunden werden wir schon nächste Woche über die aktuelle Lage informieren und darüber in Kenntnis setzen, dass deutliche Preiserhöhungen zu erwarten sind", sagte Maubach. "In Einzelfällen werden wir Lieferkürzungen im Rahmen bestehender Verträge nicht ausschließen können - die Situation lässt uns keine Wahl." Solche Kürzungen wären das "allerallerletzte Mittel", sagte der Vorstandschef./lew/wdw/hoe/jsl/stw