(neu: Aussagen des Managements zu Produktionsausbau, künftiger Geschäftspolitik und Absatzzielen; Aktienkurs.)

TOULOUSE (dpa-AFX) - Milliardenstrafen wegen eines Korruptionsskandals haben dem Flugzeugbauer Airbus <NL0000235190> 2019 sein Rekordjahr verhagelt. Während der europäische Hersteller seinem US-Rivalen Boeing <US0970231058> den Titel als weltgrößter Flugzeughersteller abjagte, verbuchte er wegen der hohen Strafzahlungen einen Nettoverlust von knapp 1,4 Milliarden Euro. Der im April 2019 angetretene Airbus-Chef Guillaume Faury will nun die zuletzt hektische Flugzeugproduktion in ruhigere Bahnen leiten. Für 2020 setzte er sich eher vorsichtige Ziele.

An der Börse in Paris sorgten die Nachrichten für wechselhafte Reaktionen. Der Kurs der Airbus-Aktie startete im Minus, drehte dann in die Gewinnzone und lag am Nachmittag wieder mit 1,26 Prozent im Minus bei 134,88 Euro. Seit einem Jahr hat er jedoch um fast 30 Prozent zugelegt. Inzwischen ist Airbus an der Börse mehr als 105 Milliarden Euro wert.

Nach Faurys Plänen soll der Konzern im Jahr 2020 etwa 880 Verkehrsflugzeuge an seine Kunden ausliefern und damit nur 17 mehr als im Vorjahr. Dabei hatte sein Vorgänger Tom Enders für 2019 ursprünglich sogar bis zu 890 Maschinen als Ziel ausgegeben. Den um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern will Faury von zuletzt knapp 7 Milliarden auf rund 7,5 Milliarden Euro steigern. Analysten hatten für 2020 jedoch mit fast 8 Milliarden gerechnet.

2019 trieb die gesteigerte Flugzeugproduktion den Airbus-Umsatz um elf Prozent auf 70,5 Milliarden Euro nach oben. Während die Erlöse im Verkehrsflugzeug-Geschäft noch stärker zulegten, musste die Rüstungs- und Raumfahrtsparte einen leichten Rückgang hinnehmen. Sondereffekte herausgerechnet, legte der operative Gewinn konzernweit um fast ein Fünftel auf 6,95 Milliarden Euro zu und traf damit die Erwartungen von Analysten.

Allerdings musste Airbus für frühere Praktiken beim Verkauf von Passagierjets tief in die Tasche greifen. Im Zuge von Korruptionsvorwürfen, denen Ermittler in Frankreich, Großbritannien und den USA auf den Grund gegangen waren, bezahlte Airbus insgesamt 3,6 Milliarden Euro. Der Konzern hatte sich vor einigen Jahren selbst angezeigt.

Teure Neuigkeiten gab es auch zum Dauer-Sorgenkind A400M - den Militärtransporter, der seit Jahren mit Pannen, Verzögerungen und Mehrkosten Schlagzeilen macht. Denn Airbus rechnet sich immer schlechtere Chancen aus, den Flieger ins Ausland zu verkaufen, vor allem nicht nach Saudi-Arabien. Daher verbuchte das Unternehmen Ende 2019 eine Sonderbelastung von 1,2 Milliarden Euro. Denn die Bundesregierung hat das nach der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi verhängte Rüstungsexportverbot verlängert.

Analysten hatten die Belastung bei der A400M offenbar nicht auf dem Zettel gehabt. Auch mit der geplanten Dividende für 2019 blieb der Konzern hinter den Erwartungen zurück. Die Ausschüttung soll zwar von 1,65 auf 1,80 Euro je Aktie steigen. Analysten hatten im Schnitt mit mehr als 2 Euro gerechnet.

Die Milliardenbelastungen bei Airbus führten dazu, dass der Konzern 2019 letztlich tiefer in die roten Zahlen sackte als sein kriselnder US-Konkurrent Boeing, der infolge des anhaltenden Flugverbots für seinen Mittelstreckenjet 737 Max seit März 2019 in einer schweren Krise steckt. Dabei hatten Airbus dem Rivalen 2019 erstmals den Titel als weltgrößter Flugzeugbauer abgejagt.

Boeing rechnet inzwischen damit, dass die 737 Max noch bis Mitte 2020 am Boden bleiben muss. Der Flugzeugtyp ist der meistgefragte Jet des US-Konzerns. Mit der Neuauflage der seit den 1960er Jahren gebauten 737 hatte Boeing auf den Erfolg des Airbus-Modells A320neo reagiert, das sich aber noch deutlich besser verkauft als die "Max".

Die Produktion der A320neo sei inzwischen bis ins Jahr 2025 ausgebucht, sagte Faury. Daher könne Airbus kurzfristig nicht von der Krise bei Boeing profitieren. Zudem liege Airbus bei der Produktion ein halbes Jahr hinter den Plänen zurück, Fluggesellschaften erhalten ihre Maschinen nur mit einiger Verspätung. Faury will diesen Rückstand erst einmal aufholen, nachdem Airbus sein Auslieferungsziel 2019 sogar kappen musste.

Ab dem Jahr 2021 sollen monatlich 63 Maschinen der A320- und A320neo-Familie die Werkshallen verlassen. Bis zum Jahr 2023 sollen es 65 bis 67 werden. Die Marke von monatlich 70 Mittelstreckenjets, über die Airbus noch vor zwei bis drei Jahren öffentlich gesprochen hatte, nahm Faury nicht mehr in den Mund. Mit Blick auf die Neubestellungen wäre er "glücklich", wenn sie sich 2020 mit den geplanten Auslieferungen die Waage hielten.

Unterdessen übernimmt der Konzern endgültig die Führung bei dem gemeinsam mit Bombardier gebauten Kurz- und Mittelstreckenjet Airbus A220. Der kriselnde kanadische Flugzeug- und Zughersteller Bombardier steigt komplett aus dem Programm aus, wie beide Seiten ebenfalls am Donnerstag mitteilten. Airbus und die kanadische Provinz Québec übernehmen Bombardiers verbliebenen Anteil an dem A220-Gemeinschaftsunternehmen.

Airbus zahlt dafür 591 Millionen US-Dollar (rund 543 Mio Euro) und stockt seinen Anteil von gut 50 auf 75 Prozent auf. Die Kanadier hatten das Flugzeug ursprünglich als Bombardier C-Serie entwickelt, sich dabei aber finanziell übernommen. Daher hatte Airbus bereits Mitte 2018 die Mehrheit der Anteile übernommen und vermarktet das Modell seither als A220.

Nach Informationen des "Handelsblatts" will der französische Bahntechnikhersteller Alstom für sieben Milliarden Euro zudem das gesamte Eisenbahngeschäft der Kanadier übernehmen. Bombardier selbst bestätigte am Donnerstag zunächst nur, dass der Konzern weitere Möglichkeiten zum Schuldenabbau prüfe./stw/nau/mis/jha/